Absturz der Ju 52 in der Schweiz Ein perfekt gewarteter Flugzeug-Oldtimer

Dieses von Ju-Air zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine Junkers JU 52 beim Flug über die Schweizer Alpen. Ein typengleiches Flugzeug der Ju Air ist am Samstag (4. August) am Piz Segnas abgestürzt. Foto: Ju-Air/dpa
Dieses von Ju-Air zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine Junkers JU 52 beim Flug über die Schweizer Alpen. Ein typengleiches Flugzeug der Ju Air ist am Samstag (4. August) am Piz Segnas abgestürzt. Foto: Ju-Air/dpa

„Tante Ju“ wird der Oldtimer Junkers Ju-52 genannt, mit dem in der Schweiz seit 35 Jahren touristische Flüge über die Berge angeboten werden. Und jetzt der Absturz – eine Tragödie für die Luftfahrt in der Schweiz.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Dübendorf/Stuttgart - Weltweit existieren nur sieben flugtüchtige Junkers Ju 52. Zwei Maschinen befinden sich in Südamerika, eine Maschine in Südafrika. Die einzige Ju 52 im Besitz der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung (Baujahr 1936) fliegt nach Angaben der Lufthansa-Pressestelle seit 32 Jahren Rundflüge über Deutschland.

Vier flugfähige Ju 52 in Deutschland und in der Schweiz

In diesem Jahr bietet die Lufthansa rund 550 Rundflüge mit ihrer einzigen Ju 52 an. In Baden-Württemberg startet die Oldtimer-Machine von den Flughäfen Friedrichshafen, Karlsruhe-Baden und Stuttgart aus.

Der Verein Ju-Air im schweizerischen Dübendorf bei Zürich unterhält drei Ju 52 (Kennzeichen: HB-HOS, HB-HOT, HB-HOP). Die Unglücksmaschine HB-Hot wurde 1939 in Dessau (Sachsen-Anhalt) gebaut und war damit 79 Jahre alt. Sie hatte demnach mehr als 10 000 Stunden geflogen.

Die Wartung und das Alter ist entscheidend

„Das Alter einer Maschine steht in keinem Zusammenhang mit der Gefährlichkeit eines Fluges“, sagt der schweizerische Flugsicherheitsexperte Daniel Knecht. „Wenn die Maschine richtig gewartet wird, kann sie auch betrieben werden.“

Nach Angaben des Ju-Air-Vorsitzenden Kurt Waldmeier sind die drei Ju 52 alle 35 Flugstunden gewartet worden. Die Unglücksmaschine sei erst Ende Juli in der Wartung gewesen und habe seitdem fünf Flugstunden absolviert. „Es sind uns keine technischen Probleme an diesem Flugzeug bekannt“, so Waldmeier. „Wie es zu diesem Unglück kam, können wir uns nicht erklären.“

Suche nach den Absturzursachen

Die Unglücksmaschine hatte am 3. August einen Flug von Dübendorf nach Locarno absolviert und war am 4. August auf dem Rückflug nach Dübendorf, als sie im Gebiet des Piz Segnas auf 2500 Metern abstürzte.

Die Behörden schließen nach ersten Untersuchungen einen Zusammenstoß mit einem anderen Flugzeug oder andere Fremdeinwirkungen von außen aus. Auch der Kontakt mit einem Kabel oder Draht ist demnach unrealistisch. „Es gibt auch keine Hinweise, dass das Flugzeug Teile verloren hat oder in der Luft auseinandergebrochen ist.“ Auch gebe es keine Hinweise auf eine Straftat.

Original-Motoren

Die Motoren der drei Ju-Air-Maschinen sind Original drei Neun-Zylinder BMW-Sternmotoren. Beim Lufthansa-Oldtimer handelt es sich um einen Drei-Neunzylinder-Sternmotor des US-Herstellers Pratt & Whitney. Die Höchstgeschwindigkeit der Ju 52 beträgt 250 km/h bei einer maximalen Reichweite von 825 Kilometern (vier Stunden 20 Minuten Flugdauer).

Erfahrene Piloten

Waldmeier erklärt, dass die Flugzeuge seines Unternehmens ausschließlich von erfahrenen Piloten geflogen. Die beiden Piloten seien 62 und 63 Jahre alt gewesen und hätten eine lange Erfahrung mit diesem Flugzeugtyp gehabt, der zwischen 1932 und 1952 vom deutschen Hersteller Junkers gebaut wurden. Die Oldtimer von Ju-Air stammen aus Schweizer Armeebeständen. Die Luftwaffe musterte die 1939 angeschafften Maschinen 1981 aus.




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