Abtreibungsdebatte in den USA Frauen wenden sich gegen die Republikaner

Frauen demonstrieren für das Recht auf Abtreibung. Foto: Imago//Jim Max

Viele amerikanische Frauen lehnen das jüngste Abtreibungsurteil des Supreme Court ab. Bei den Kongress-Zwischenwahlen könnte sich das für die Republikaner verhängnisvoll auswirken. Die Nervosität wächst.

Die anfängliche Freude der Republikaner verwandelt sich in Bestürzung. Was zunächst wie eine republikanische Welle im Repräsentantenhaus aussah, könnte sich nach Ansicht von Experten wie dem Politologen Lary Sabato von der University of Virginia in ein Rinnsal verwandeln. Mit strikten Abtreibungsverboten in vielen konservativ regierten Bundesstaaten – ohne Ausnahmen für Inzest, Vergewaltigung oder Lebensgefahr der Mutter – hätten die Republikaner die Lage für sich selber verschärft. „Das ist ein Desaster“, meint Sabato.

 

Viele Frauen lassen sich zur Wahl registrieren

Ablesen lässt sich das an handfesten Zahlen. 57 Prozent lehnen die jüngste Abtreibungsentscheidung des Supreme Court ab, zwei von drei Amerikanern beklagen den Verlust von Frauenrechten. Wie das Center for American Women and Politics der Rutgers University herausgefunden hat, betrachten vor allem jüngere Amerikanerinnen das Abtreibungsurteil des obersten US-Gerichtshofs (Dobbs-Entscheidung) als persönlichen Angriff. Es sei, fasst Direktorin Kelly Dittmar den Befund zusammen, „als ob jemand anderes direkten Einfluss auf das Recht nimmt, über den eigenen Körper zu bestimmen“.

Entsprechend groß ist die Wählermobilisierung durch den Gerichtsentscheid. Laut Analysen haben sich landesweit deutlich mehr Frauen neu für die Wahl bei den Midterms registriert als Männer. In dem wichtigen Wechselwählerstaat Wisconsin sind es beispielsweise 15 Prozent mehr, in Pennsylvania zwölf Prozent und in Ohio elf Prozent. Wenn eine Gruppe bei der Registrierung zulege, gebe es auch auch eine höhere Wahlbeteiligung dieser Gruppe, heißt es.

Die Abtreibungsfrage gibt den Demokraten Rückenwind

Das lässt die Demokraten hoffen, die ihre Erfolge bei den Midterms 2018 und den Präsidentschaftswahlen 2020 laut Nachwahlanalysen vor allem den Frauen zu verdanken haben. Zudem zeigen das deutliche Scheitern eines Referendums über ein Abtreibungsverbot im konservativen Kansas sowie vier überraschende Siege bei Nachwahlen zum Kongress die Sprengkraft des Themas im November. „Die Dobbs-Entscheidung hat die Demokraten elektrifiziert“, räumt der republikanische Stratege Whit Ayres ein, der seiner Partei empfiehlt, nicht über Abtreibung zu sprechen.

Krude Thesen zur Vergewaltigung

Ein Rat, den selbst rechte Kandidaten annehmen, die auf ihren Webseiten radikale Positionen zur Abtreibung löschen. Die US-Medien sprechen von der „großen Säuberung“. Der Kolumnist Dana Milbank lästert in der „Washington Post“, eine Feinjustierung nach den Vorwahlen sei normal, „ein Übersprühen im Sowjetstil, das Positionen gänzlich verschwinden lässt, nicht“. Besonders gründlich hat die Republikanerin Yesli Vega ihren Auftritt bereinigt, die in Virginia versucht, Abigail Spanberger abzulösen. Die Demokratin lässt ihre Gegnerin aber nicht damit davonkommen und erinnert in TV-Spots daran, wie die glühende Trump-Verehrerin kürzlich verkündete, dass Vergewaltigungen nicht zur Schwangerschaft führten, weil Männer zu wenig Zeit bei ihrem Verbrechen hätten.

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