Die Kläranlagen in Baden-Württemberg arbeiten gut, sagt Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). Doch viele müssten saniert werden.

Landespolitik: Thomas Breining (tb)

Stuttgart - In Baden-Württemberg sind derzeit noch rund 83.000 Menschen nicht an eine kommunale Kläranlage angeschlossen. Das sind Einwohner von kleinen Weilern, Gehöften oder Einzelanwesen. Die Landesbehörden schätzen, dass davon 33.000 Einwohner zweckmäßigerweise noch an ein zentrales Klärwerk angeschlossen werden können. Das heißt aber auch, dass rund 50.000 Bewohner "das anfallende Abwasser dauerhaft dezentral entsorgen". So heißt es im Lagebericht Kommunales Abwasser, der im Zweijahresturnus erarbeitet wird und jetzt von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) präsentiert worden ist. Dezentrale Entsorgung heißt: der Betreffende betreibt eine private Kleinklär- oder Belebungsanlage.

Dem Bericht zufolge liefern 99 Prozent der Bevölkerung im Südwesten ihr Abwasser an eine kommunale Kläranlage. 1975 waren das noch keine 80 Prozent. Trotz der inzwischen erreichten Anschlussdichte werden immer noch Jahr für Jahr zig Millionen in die Abwasserentsorgung investiert. Dazu hat das Land in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 630 Millionen Euro Fördermittel zugeschossen.

Weniger Anlagen, aber saubereres Wasser

Es ist auch noch kein Ende des Investitionsbedarfes in Sicht. Zum einen sind im Untergrund des Landes rund 70.000 Kilometer öffentliche Kanäle verlegt. Es wird geschätzt, dass diese auf einer Strecke von etwa 10.000 Kilometern so schadhaft sind, "dass sie zeitnah saniert werden müssen", wie es in dem Bericht heißt. Dafür wird allein mit zwei Milliarden Euro Baukosten gerechnet. Auf mehr als eine Milliarde Euro werden weitere Maßnahmen taxiert, die als Modernisierung, Sanierung oder Erweiterung von Anlagen geführt werden oder unter der Rubrik Anschluss kleinerer Einheiten an große Werke laufen.

Derzeit sind im Land 989 Kläranlagen in Betrieb. Anfang der 90er Jahre seien es noch mehr als 1200 gewesen. Das heute aus der geringeren Zahl von Anlagen ablaufende Wasser sei aber deutlich sauberer als früher, weil diese leistungsfähiger sind. Das Umweltministerium schätzt, dass "in den kommenden Jahren" 400 Millionen Euro nötig sein werden, um alte Anlagen wieder auf Vordermann zu bringen oder sie ganz aufzugeben und das dahinter liegende Siedlungsgebiet an eine andere große Kläranlage in der Nähe anzuschließen.

Klärschlamm wird verbrannt

Hundert Millionen Euro erfordern dem Bericht zufolge Investitionen in die Klärschlammbehandlung. Das Land hat den Kläranlagenbetreibern empfohlen, den Klärschlamm energetisch zu verwerten - also zu verbrennen. Damit das auch funktioniert, muss er entsprechend aufbereitet werden: Es braucht zusätzliche Entwässerungs- und Trocknungsanlagen.

Inzwischen würden etwa 90 Prozent des anfallenden Klärschlamms verbrannt. Hier hat sich in kurzer Zeit viel getan. Vor fünf Jahren waren das erst 75 Prozent, im Jahr 2002 sogar erst 33 Prozent. Seinerzeit wurde der Großteil des Klärschlamms noch im Landschaftsbau eingesetzt oder in der Landwirtschaft zur Düngung verwendet. Das hatte den Nachteil, dass die im Klärschlamm enthaltenen Schwermetalle und Arzneimittelrückstände in den Boden, damit möglicherweise in die Nahrungskette und ins Grundwasser gelangten.

Der Nachteil der Verbrennung ist, dass dabei auch der im Klärschlamm enthaltene Phosphor verloren geht. Weil Phosphor als knapper werdendes Material einzustufen sei, werde Projekten "eine große Bedeutung beigemessen", die Phosphor aus Klärschlamm oder Klärschlammasche gewinnen wollen. Die Kläranlagen sind nämlich - unter anderem - eifrige Phosphorsammler. Sie fischen 95 Prozent der organischen Schmutzfracht aus dem Abwasser, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Knapp 76 Prozent des Stickstoffes würden abgebaut und knapp 90 Prozent des Phosphors.