VfB Stuttgart Holger Badstuber hat große Pläne

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Er wollte hoch hinaus – und verfolgt diese Pläne nun mit dem VfB Stuttgart. Holger Badstuber bleibt bis 2021 und hat sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen.

Zurück in Stuttgart: Holger Badstuber bleibt bis 2021 beim VfB – und hat viel vor. Foto: dpa
Zurück in Stuttgart: Holger Badstuber bleibt bis 2021 beim VfB – und hat viel vor. Foto: dpa

Stuttgart - Das Interview, welches Holger Badstuber Ende März der ruhmreichen „Gazzetta dello Sport“ gegeben hat, es umwehte ein Hauch von großer Fußballwelt. „Ich habe über Lazio Großartiges gehört“, verwies Badstuber gegenüber den Italienern auf ein Gespräch mit seinem ehemaligen Münchner Teamkollegen Miroslav Klose, der in Rom sehr glücklich gewesen sei. „Wenn man einmal Champions League gespielt hat“, so fuhr Badstuber damals fort: „Dann will man sich auch weiter mit den Besten messen.“

Nun ist es anders gekommen, was für Badstuber allerdings „null komma null eine Rolle rückwärts ist“. Mit einem kernigen „Servus“ betrat der Defensivmann am Dienstag um halb drei das Podium im VfB-Clubhaus. „Nix Champions League“, so hatte die „Bild“-Zeitung zuvor die Tatsache kommentiert, dass der 31-fache Nationalspieler nun doch für weitere drei Jahre ein Stuttgarter bleibt. Warum er das macht? „Die Transfers der letzten Wochen waren auch für mich ein positiver Reiz“, sagte Badstuber, der einen Vertrag bis 2021 zu verbesserten Konditionen unterschrieben hat: „Ich habe gemerkt: Hier geht was.“

Badstuber will sich mit einem Club identifizieren können

Allerdings hatte zuvor sein Sommerflirt, die „Biancocelesti“ (Hellblauen) aus Rom, am letzten Spieltag der Serie A noch die Qualifikation zur Königsklasse vergeigt. So tritt Lazio nun „nur“ in der Europa League an. Dies war Badstuber offenbar zu wenig. Und auch zu Besiktas Istanbul wollte er letztlich nicht gehen.

„Ich stand vor der Entscheidung, zu einem Champions-League-Verein ins Ausland zu wechseln – oder beim VfB zu bleiben“, sagte Badstuber: „Doch bei den anderen Angeboten war die letzte Identifikation nicht da. Ich wollte aber nicht zu einem Club wechseln, zu dem ich praktisch keinen Bezug habe, sondern hier etwas mit aufbauen, was lange in Erinnerung bleiben wird.“ Er sprach auch vom Europapokal.

Badstubers ursprünglicher, stark leistungsbezogener Einjahresvertrag war zum 30. Juni ausgelaufen. Nun hat man wieder zueinander gefunden, was Michael Reschke glücklich macht. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Holger verlängern konnten. Jeder, der den Markt für einen Spieler seiner Klasse kennt, der weiß, dass er viele attraktive Alternativen hatte“, sagte der VfB-Sportvorstand: „Besonders für unseren Trainer Tayfun Korkut war das Bleiben von Holger ein Herzenswunsch.“

Der Ex-Nationalspieler sieht sich als Innenverteidiger

Immerhin hat man den 29-Jährigen auf dem Wasen als großen Kämpfer und als Führungsfigur schätzen gelernt. Die lange Verletzungsmisere in der Vita des Blondschopfs scheint überdies überwunden. Badstuber lief in der vergangenen Saison in der Bundesliga 27-mal für die Stuttgarter auf, zeigte dabei meist sehr überzeugende Leistungen. Zudem war der Blondschopf universell einsetzbar: Badstuber agierte auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung, er spielte aber auch mehrfach im defensiven Mittelfeld. Nun sagt er aber: „Ich sehe mich klar als Innenverteidiger.“ Durch die Weiterverpflichtung des WM-Dritten von 2010 stellen sich daher einige Anschlussfragen.

Dabei dürfte die Tatsache, dass der VfB für Badstuber zunächst nicht zwingend erste Wahl war, eine Nebenrolle spielen. Wenn die Leistung weiter stimmt und der Spieler gesund bleibt, dürften die Fans schnell vergessen, dass sich der Linksfuß kurzzeitig zu Höherem berufen fühlte. Allerdings besitzt der Club in Badstuber, dem WM-Shootingstar Benjamin Pavard, dem Eigengewächs Timo Baumgartl, dem Polen Marcin Kaminski und in Neuzugang Marc-Oliver Kempf nun fünf Innenverteidiger. Dies ist einer zu viel, auch wenn Michael Reschke sagt: „Unser Trainer hat auch vor, mit der Dreierkette zu spielen.“ Dann wären zwei Ersatzleute sinnvoll.

Vieles spricht aber dafür, dass Kaminski, mit dem erst im Frühling verlängert wurde, noch abgegeben wird. Oder geht am Ende doch Pavard frühzeitig, der für 2019 eine Ausstiegsklausel (35 Millionen Euro) besitzt? Inzwischen wird der Lockenkopf so ziemlich bei jedem Großclub in Europa gehandelt. Zuletzt tauchten Gerüchte über ein Interesse des FC Barcelona auf. Sechs Wochen vor dem Bundesligastart des VfB in Mainz sagt Reschke zur Zukunft des Franzosen: „Wir werden um ihn kämpfen.“ Für ein weiteres Jahr in Stuttgart – und an der Seite von Holger Badstuber.