Abwehrspieler des VfB Stuttgart So schonungslos blickt Holger Badstuber zurück

Von Dirk Preiß 

Schlechte Kaderplanung, wenig taktisches Verständnis, eine falsche Trainerentscheidung – mit deutlichen Worten beschreibt Holger Badstuber die Abstiegssaison des VfB Stuttgart. Und sagt auch, was er vom neuen Weg unter Tim Walter hält.

Holger Badstuber ist vom Aufstieg des VfB Stuttgart überzeugt. Foto: dpa/Daniel Karmann
Holger Badstuber ist vom Aufstieg des VfB Stuttgart überzeugt. Foto: dpa/Daniel Karmann

Stuttgart - Holger Badstuber ist vom Aufstieg des VfB Stuttgart überzeugt. „Da gibt es für mich keine Zweifel“, sagte der Abwehrspieler der Weiß-Roten in der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Rasenfunk“. Zugleich bat der Innenverteidiger um ein wenig Geduld, vor allem mit den jungen Spielern – aufgrund der Anforderungen, die der Trainer Tim Walter an seine Schützlinge stellt. „Die Masse der neuen Informationen ist enorm“, sagte Badstuber, „da brauchen junge Spieler Zeit.“

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„Schon gewagt“, sei der offensive Spielstil mit viel Ballbesitz und Positionswechseln, ergänzte der frühere Nationalspieler, der aber glücklich ist mit dem spielerischen und personellen Neustart beim VfB nach dem Abstieg im vergangenen Mai. „Es ist gewagt, aber man geht auf’s Ganze. Das taugt uns, der Stil kommt uns entgegen“, sagte Badstuber, der sich aber auch erst einmal auf das Neue einstellen musste.

„Spaß“ am neuen VfB-Stil

„Ich habe am Anfang gesagt: Ich brauche einen sehr guten Fitnessstand, um dieses Spiel dauerhaft durchzuhalten, die Intensität anzunehmen. Ich muss viele Meter machen, muss aber auch die Körner haben, um in einen langen Sprint zu gehen und in ein Eins gegen Eins zu gehen. Da wird dem Körper alles abverlangt, und ich muss von Kopf immer frisch sein.“ Details müssten noch besser werden im Spiel des VfB, doch berichtet der Ex-Bayer auch vom „Spaß“, den die Spieler nun hätten. Und den vor allem er selbst in der vergangenen Saison nicht hatte.

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Holger Badstuber nämlich blickte auch noch einmal auf die Abstiegssaison zurück – und zwar schonungslos kritisch. Die Misere begann für ihn bereits bei der Transferpolitik des Sommers 2018. Unter Trainer Tayfun Korkut sei die Mannschaft in der Saison zuvor „homogen“ gewesen. Es habe Vertrauen geherrscht und sich eine Hierarchie herausgebildet. Zur neuen Runde seien dann Personalien verändert worden, „die auch die Struktur der Mannschaft und die Hierarchie verändert haben. Das war nicht gut“. Nicht der Trainer sei hierfür verantwortlich gewesen, sagte Badstuber, sondern „die Planer, die nicht kapiert hatten, wie der Erfolg der Vorsaison zustande gekommen war“.

Harsche Kritik an Markus Weinzierl

Badstuber spielt auf den damaligen Sportvorstand Michael Reschke an und kritisiert vor allem die Verkäufe von Daniel Ginczek („Er hat unheimlich viel geackert und war sehr wichtig für das Team“) und Matthias Zimmermann („Mentalität wurde verkauft“). „Gewisse Eigenschaften“ seien in der Mannschaft nicht mehr vorhanden gewesen. „Nicht homogen, keine Einheit“ – so beschreibt Badstuber die VfB-Truppe der Abstiegssaison. Negativer Höhepunkt war für ihn dann der Trainerwechsel von Korkut zu Markus Weinzierl.

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„Die Entscheidung für den nächsten Trainer war für mich völlig unverständlich“, sagte der Münchner, der mit Weinzierl schon zuvor beim FC Schalke 04 Probleme hatte und auch den Zeitpunkt („zu früh“) kritisierte. Also „hab ich zu Mario Gomez gesagt: Das wird eine zähe Saison. Ich wusste, was da auf uns zukommt“. Sein Fazit, nachdem der Coach beim VfB vorzeitig gehen musste: „Weinzierl und ich, das geht nicht – ein drittes Mal brauche ich das definitiv nicht.“

Am Ende der Saison 2018/2019 stieg der VfB nach den beiden Relegationsspielen gegen Union Berlin ab. Nach viel Zeit auf der Tribüne und der Bank war Badstuber in den entscheidenden Partien dann wieder gefragt. Aber: „Von null auf hundert ohne Spielpraxis in so ein Spiel – das war keine einfach Situation für mich.“ Zudem habe es der Mannschaft an taktischem Verständnis gefehlt („Bei einigen war der Horizont begrenzt“).