Achtjährige Musical-Darstellerin Wie Leonie aus Wäschenbeuren zu Prinzessin Anna wird

Anna (links) und ihre große Schwester Elsa kurz vor dem Auftritt. Die zwei Mädchen sind ein eingespieltes Team. Foto: Susann Schönfelder

Leonie Zipperle aus Wäschenbeuren spielt die junge Anna im Disney-Musical „Die Eiskönigin“. Hier erzählt sie, wie man als Achtjährige zur Musical-Darstellerin wird.

Leonie Zipperle sitzt in der Maske. Sie kennt das schon, an diesem Nachmittag spielt die Achtjährige ihre neunte Show. „Die Haare werden geschneckelt, damit sie eng am Kopf anliegen“, erklärt Maskenbildner Ahmed Mnissi und wickelt in Windeseile eine Haarsträhne nach der anderen um den Finger und steckt sie dann mit Haarnadeln fest. Das Mädchen aus Wäschenbeuren wirkt entspannt. Noch etwa eine halbe Stunde, bis sie als Anna im Musical „Die Eiskönigin“ das Publikum im Apollo-Theater verzaubern wird.

 

Ahmed Mnissi arbeitet eigentlich in Berlin, hilft aber momentan am SI-Centrum in Stuttgart aus. Stress hat er nicht. „Jeder macht immer die gleichen Rollen“, erklärt er. Das bedeutet, jeder Handgriff sitzt. Leonie wird mehr und mehr zur Anna. Der Maskenbildner befestigt eine Art Nylonstrumpf auf ihrem Kopf, das kleine Mikrophon wird an der Stirn festgeklebt. Beim Aufsetzen der Perücke aus Echthaar hilft Leonie Zipperle mit. Rot-braun leuchtet ihr Kopf nun, „Disney schaut da schon drauf, damit die Anna überall gleich aussieht – egal ob in Stuttgart oder London“, sagt Mnissi.

Von Lampenfieber keine Spur bei der Achtjährigen aus Wäschenbeuren

Noch ein bisschen Rouge und etwas Lippenstift. Fertig ist die Anna. Für die Achtjährige erfüllt sich mit der Rolle ein Traum. „Ich wollte schon immer etwas mit Musical machen, ich habe da richtig Lust drauf gehabt“, sagt die Zweitklässlerin beim halbstündigen Interview backstage im Prinzessinnen-Zimmer. Sie singt in der Grundschule im Chor und lernt in der Theater-AG die Grundlagen des Schauspiels, auch reiten und lesen gehört zu ihren Hobbys. „Die Eiskönigin ist mein Lieblingsmusical“, sagt das Mädchen und strahlt. Es ist 12.30 Uhr, noch zwei Stunden, bis die Show beginnt. Von Lampenfieber keine Spur.

„Ganz am Anfang der Show bin ich am aufgeregtesten“, meint Leonie und drückt Rentier Sven (als Kuscheltier) fest an sich. Im Rucksack hat sie noch drei Glücksbringer: eine Blume und zwei Schweinchen. Wegbegleiter in den vergangenen Monaten. Im Februar war Leonie Zipperle beim Casting. An den Moment der Zusage kann sich die junge Musical-Darstellerin noch genau erinnern. Ihr Vater habe sich einen Spaß erlaubt und mit zunächst ernster Miene verkündet: „Es tut mir leid . . . aber du bist dabei.“ Die Familie habe den Startschuss in das Theaterleben und die Chance, erste Schritte auf einer großen Bühne zu machen, groß gefeiert. Im März wurde es dann ernst: Zunächst standen zweimal wöchentlich drei Stunden Probe auf dem Programm, irgendwann waren es drei Probennachmittage. Leonie Zipperle spielt nämlich nicht nur die Anna, sondern ist im zweiten Akt auch beim Troll-Tanz dabei. „Dieses Kostüm mag ich ganz besonders.“

Leonie Zipperle aus Wäschenbeuren (hier mit Rentier Sven) spielt im Musical „Die Eiskönigin“ die kleine Anna. Foto: Susann Schönfelder

Premiere war dann Ende Mai, ein Tag, an dem die Aufregung grenzenlos war. Bevor sich Leonie an diesem Tag in die kleine Prinzessin Anna verwandelt, steht ein Warm-up im Ballettraum an. Das Kindermanagement geht hier mit den Nachwuchsdarstellern noch einmal schauspielerisch und gesanglich alle Szenen mit sämtlichen Requisiten durch, sagt Stage-Pressesprecherin Saskia Rohner. Da wird geübt, dass Schneemann Olaf nicht umfällt und auch das letzte Wort der Strophe noch verständlich ausgesprochen wird. „Das ist eine Unterstützung für die Mädchen selbst und dient der Qualitätssicherung“, sagt sie. „Denn man muss immer im Hinterkopf behalten: Das sind keine Profis, das sind Kinder, die normalerweise keine Vorerfahrung haben.“ Dennoch würden die jungen Talente sehr schnell in den Theater-Kosmos eintauchen. Anna und ihre große Schwester Elsa (gespielt von Luise) sind feste Partnerinnen und daher ein eingespieltes Team. Sie lassen sich von Lautsprecherdurchsagen, wer von den rund 30 internationalen Ensemble-Mitgliedern demnächst wohin kommen soll, nicht aus der Ruhe bringen und nehmen Tipps gerne an.

Kindermanager schauen nach dem Wohl der jungen Darstellerinnen

Der Dirigent des Orchesters höchstpersönlich kommt zum Einsingen der jungen Künstlerinnen vorbei. Es gibt viel Lob und Zuspruch. Anschließend schlüpfen die beiden Mädchen in der Garderobe in ihre Kostüme. Weiße Blusen, lange Kleider, Ballerinas. Immer begleitet von Kindermanagern. Sie schauen nach dem Wohl der jungen Darsteller. Es gibt strenge Regeln, erklärt Saskia Rohner. Die Kinder dürfen maximal 30 Shows im Jahr spielen, das heißt es wird ordentlich durchgewechselt, der Pool an jungen Talenten sei dementsprechend groß.

Zwei Shows an zwei aufeinanderfolgenden Abenden sind tabu, „die Schule steht immer an erster Stelle“, unterstreicht die Pressesprecherin. „In der Schule finden es alle richtig toll, dass ich hier mitmache“, erzählt Leonie. Zwei Solo-Parts muss sie in dem Stück meistern. Keine Frage, dass da nicht nur im SI-Centrum, sondern auch zu Hause geprobt wurde. Leonie Zipperle ist regelrecht vom Musical-Fieber infiziert worden.„ Ich will später auch Musical-Darstellerin werden“, sagt das Mädchen mit den braunen Haaren und den wachen, braunen Augen.

Warm-up im Ballettzimmer: Hier spielen die Kinderdarsteller vor der Show noch einmal alle Szenen durch. Foto: Susann Schönfelder

Und welche Rolle hätte sie gerne? „Ich würde gerne die Anna bei der Eiskönigin bleiben. Das ist auch die lustigere Rolle.“ Nach der Maske bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Showbeginn. Anna und ihre große Schwester Elsa stehen alleine auf der Bühne und verkörpern ihre Rollen perfekt. Grundverschieden und doch untrennbar miteinander verbunden.

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