ADAC Bikertreff Zwischen Unfallstatistik und Stuntshows

Von Henning Maak 

Das Thema Verkehrssicherheit stand beim ADAC Bikertreff am Sonntag an erster Stelle. Aber auch sonst war einiges geboten.

Dominic Csauth und Chris Rid zeigten,  was sich mit Motorrädern abseits öffentlicher Straßen  alles anstellen lässt. Foto: factum/Granville 12 Bilder
Dominic Csauth und Chris Rid zeigten, was sich mit Motorrädern abseits öffentlicher Straßen alles anstellen lässt. Foto: factum/Granville

Leonberg - Allein in der vergangenen Woche sind in Baden-Württemberg zwölf Motorradfahrer ums Leben gekommen. Im Jahr 2015 haben bundesweit 639 Biker ihr Leben gelassen. Zahlen wie diese treiben Harry Kellner um, den Organisationsleiter des ADAC-Bikertreffs. „Wenn man sich die Unfallstatistik genauer anschaut, fällt auf, dass der Großteil der Unfälle nach 19 Uhr, kurz vor der Rückkehr nach Hause passiert“, erzählte er am Sonntag am Rande des Bikertreffs an der früheren Solitude-Rennstrecke am Glemseck bei Leonberg. Das liege an der nachlassenden Konzentration der Fahrer auf vermeintlich bekannten Strecken .

Die Verkehrssicherheit war mithin eines der Hauptthemen beim Bikertreff. Dazu mochten die Stunteinlagen der Zweiradakrobaten Dominic Csauth und Chris Rid nicht recht passen, aber die Show gehört zum Bikertreff genauso wie der Gottesdienst zur Eröffnung. Rund 100 zumeist schwarz gekleidete Biker auf Bierbänken wippten mit den Füßen, als eine Band für rockigen Sound mit christlichen Texten sorgte. Organisiert wurde der Gottesdienst von der Gruppe EC MOT – Entschieden für Christus und Motorradfahren. Eine Art Predigt, die mit „Hi“ begann, hielt Paul „Mexx“ Koch. Der Kölner, der mit seinem grauen Vollbart und tätowierten Armen wie das Musterbeispiel eines Rockers aussieht, berichtete, wie er nach seiner Drogenabhängigkeit und einem Gefängnisaufenthalt zum Glauben gekommen ist, nachdem seine Freundin an einer Überdosis Rauschgift gestorben war.

Einen strategisch geschickten Platz gleich am Eingang hatte das Team des Leonberger Motorradclubs, das die Besucher mit Grillgut versorgte. „Mit rund 60 Ausstellern konnte der ADAC einen neuen Rekord vermelden, bei Temperaturen von bis zu 34 Grad schlenderten 6000 bis 8000 Zuschauer an den Ständen vorbei. „Petrus ist ein Biker“, stellte der Organisationschef Harry Kellner erfreut fest.

Doch das Thema Unfälle war bei vielen das Gesprächsthema. Thomas Unger, der Projektleiter Unfallforschung beim ADAC, kennt noch ein paar mehr Details zu den häufigsten Unfallursachen. Dass zu hohe Geschwindigkeit ein Hauptgrund sei, gehöre zu den Klischees. „Die zwei häufigsten Ursachen sind, dass Motorradfahrer die Kontrolle über ihre Maschine verlieren und eine sogenannte Schreckbremsung hinlegen und dass Autofahrer ihnen oft die Vorfahrt nehmen“, berichtete er. Auto- und auch Traktorfahrer schätzten oft völlig falsch ein, wie schnell sich ein Motorrad nähert, weil Motorradfahrer eine kleinere Silhouette hätten. „Wie empfehlen daher dringend, möglichst kontrastreiche Kleidung zu tragen. Das hilft besonders bei der Wahrnehmung im Gegenlicht der Sonne“, erklärt Unger.

Gefährlich für Motorradfahrer sei außerdem, dass bei Leitplanken häufig der sogenannte Unterfahrschutz fehle. „Wenn Motorradfahrer unter die Planken rutschen, führt das häufig zu Verletzungen“, weiß Unger nur zu gut. Da es stetig technische Verbesserungen wie beispielsweise das Schräglagen-Antiblockiersystem gebe, sei die Zahl der tödlichen Zweiradunfälle in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, allerdings nicht so stark, wie das bei den Autos der Fall war.




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