Adelberg: Neues zu EnBW-Plänen Windräder gefährden nicht nur den Rotmilan

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Die EnBW hat Schlagzeilen gemacht, weil sie bei Adelberg Windräder bauen will, obwohl es dort Rotmilane gibt. Der Konzern hat dazu eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Nun zeigt ein Gutachten, dass noch andere Vögel gefährdet wären.

Den Wespenbussard (Bild), der ebenfalls im Gebiet der geplanten Windräder vorkommt, spielen  die Gemeinden als   weiteren Trumpf   gegen die Anlagen aus. Foto:  
Den Wespenbussard (Bild), der ebenfalls im Gebiet der geplanten Windräder vorkommt, spielen die Gemeinden als weiteren Trumpf gegen die Anlagen aus. Foto:  

Adelberg - Noch ist der Antrag nicht entschieden: Die EnBW will zwischen Adelberg und Börtlingen zwei Windräder errichten, obwohl diese Rotmilanen gefährlich werden könnten, die dort leben. Eigentlich dürften dort deshalb keine Anlagen gebaut werden, doch die EnBW fordert vom Stuttgarter Regierungspräsidium eine Ausnahmegenehmigung vom artenschutzrechtlichen Verbot, Rotmilane zu töten. Die Kommunen wehren sich gegen den Bau der Windräder. Sie haben jetzt ein eigenes Gutachten vorgelegt, demzufolge nicht nur Milane in Gefahr wären: Auch Wespenbussarde und Baumfalken sind dort unterwegs. Beide Greifvogelarten stehen in Deutschland ebenfalls unter Schutz, der Bestand der Baumfalken gilt als gefährdet.

Die EnBW-Sprecherin Dagmar Jordan berichtet, man habe von dem neuen Gutachten gehört. Ob der Experte des Energiekonzerns ebenfalls Wespenbussarde und Baumfalken beobachtet habe, wisse sie nicht. „Aber er hat auf jeden Fall nachgewiesen, dass dort keine Populationsrelevanz für die Rotmilane besteht“, sagt sie. Mit anderen Worten: aus der Sicht der EnBW wäre es für den Bestand der Rotmilane nicht gefährlich, wenn die geplanten Windräder gebaut würden.

Naturschützer: Es gibt genügend unproblematische Standorte

Ganz anders bewerten Naturschützer aus dem Land die Lage inzwischen: „Wir appellieren an das Regierungspräsidium, dort keine Ausnahme zuzulassen“, sagt die Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt- und Naturschutz, Sylvia Pilarsky-Gorsch. Offenbar gebe es an dem Standort eine gute Thermik, die Greifvögel gerne zum Fliegen nutzten. „Das bedeutet, wenn dort Rotmilane oder andere Greifvögel getötet werden, rücken sofort neue nach und besetzen das Revier – und sind dann ebenfalls in Gefahr.“

Aus der Sicht der Naturschützer gibt es genügend andere Standorte im Land, an denen man Windkraftanlagen bauen könnte, ohne Greifvögel zu gefährden. Deshalb sei es auch nicht schlüssig, mit dem öffentlichen Interesse am Ausbau der Windkraft zu argumentieren, wie es die EnBW in diesem Fall tue, kritisiert Pilarsky-Gorsch.

Rotmilan, Wespenbussard und Baumfalke in Gefahr

Die Adelberger Bürgermeisterin Carmen Marquardt berichtet, dass die Kommune ihr Gutachten derzeit sogar noch erweitern lasse. Ein Experte forscht nach, ob es Horste von Greifvögeln vor Ort gibt. „Es hat sich gezeigt, dass dort so viele Greifvögel unterwegs sind, dass wir noch genauer wissen wollen, ob dort auch welche nisten“, sagt sie. Der Gutachter habe bereits festgestellt, dass das Gebiet, in dem die Anlagen gebaut werden sollen, ein sogenanntes Dichtezentrum für Rotmilane sei. Die EnBW hat genau dies bisher bestritten und nur von einzelnen Überflügen gesprochen. Marquardt hingegen sagt: „Unser Gutachter hat sie dort auch bei Balzflügen beobachtet.“ Dies spreche dafür, dass die Vögel dort auch Horste hätten.

Östlich der Anlage gibt es dem Gutachten der Kommunen zufolge vier sogenannte Revierzentren von Rotmilanen, westlich der Anlage fünf. Zudem sei es ein Revierzentrum für Wespenbussarde und Baumfalken. Alle drei Greifvogelarten gelten als gefährdet durch Windräder, weil sie auf der Jagd leicht von den Rotoren erschlagen werden können. Daneben habe der Gutachter dort auch Mäusebussarde, Sperber und Rabenkrähen beobachtet, diese spielten für das Thema Windkraft aber keine große Rolle, berichtet Marquardt.

Angst um den Artenschutz im Land

Tierschützer befürchten, dass eine Ausnahme vom Artenschutzrechtlichen Tötungsverbot in Adelberg den Artenschutz im Land aushöhlen könnte. Aus diesem Grund sehen viele im Fall Adelberg auch eine Richtungsentscheidung für den Rest des Landes. Zumal dem Regierungspräsidium zwei weitere Anträge auf Ausnahmen vom Verbot vorliegen, Rotmilane zu töten. Das Regierungspräsidium in Stuttgart konnte am Montag aus Datenschutzgründen allerdings nicht verraten, wo die betreffenden Windkraftanlagen gebaut werden sollen und von wem. Eine Entscheidung sei bisher jedenfalls nicht gefallen, versichert der Pressesprecher der Behörde, Matthias Kreuzinger.

Nur eine Autostunde von Adelberg entfernt, in Dornstadt-Temmenhausen (Alb-Donau-Kreis) vor den Toren von Ulm, hat in einem ähnlichen Fall allerdings bereits das Regierungspräsidium in Tübingen gegen den Rotmilan entschieden: Dort durften zwei Windräder trotz dort lebender Rotmilane gebaut werden. Das geschah allerdings, bevor die Richtlinien im vergangenen Jahr verschärft wurden.




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