Adelsdramen in Stuttgart Rotenberger Royals

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Kate und William? Braucht Stuttgart nicht. Vor rund 200 Jahren waren die Zarentochter Katharina und  Wilhelm I. von Württemberg das Traumpaar.

Die Zarentochter Katharina. Foto: StZ-Archiv 3 Bilder
Die Zarentochter Katharina. Foto: StZ-Archiv

Stuttgart - Zur blauen Stunde, vor allem aber, wenn sich Gewitterwolken um sie herum auftürmen, scheint sie allem Irdischen entrückt: In diesen Momenten schwebt die Grabkapelle auf dem Württemberg. Wie eine federleichte Krone wächst sie aus den in die Dunkelheit getauchten Weinbergen empor. Nichts an ihr wirkt gekünstelt und zu viel, fein zeichnet sich das Kreuz auf ihrer Spitze gegen den Nachthimmel ab. Schweinwerfer tauchen die Kapelle in ein rötliches Licht.

In ihrer Gruft liegt ein königliches Paar begraben. Um die Geschichte ihrer ungewöhnlichen Liebe ranken sich Mythen wie Wein rund um die Rebstöcke in Stuttgart-Rotenberg. Sie ist untrennbar mit jenem Satz verknüpft, der in goldenen Buchstaben über dem Eingang zur Grabkapelle prangt: „Die Liebe höret nimmer auf.“ Der Bibelspruch weist in die Ewigkeit, aber er verdeckt romantisch verklärend, was Historiker längst wissen: Beziehungstechnisch stand es beim hier ruhenden Paar keineswegs immer zum Besten.

Württembergische Lovestory

Wenn morgen Prinz William und Kate Middleton vor den Traualtar treten, hofft ganz England, dass die Liebe diesmal halten möge – Rotenberg jedoch steht nicht für die Lovestory von William und Kate, sondern für jene von Wilhelm I. und seiner Katharina. Diese spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ist wie viele adelige Verbindungen zunächst weniger von aufrichtigen Gefühlen als von politischen Motiven getrieben.

Einmal angenommen, es hätte schon damals eine Regenbogenpresse gegeben, die sich am Adel und dessen Leidenschaften besoffen hätte – mit welchen Schlagzeilen hätte sie womöglich über die beiden berichtet? Vorhang auf für eine Tragödie, gewürzt mit allerlei Affären, verfeinert mit internationaler Kuppelpolitik.

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