Adelsfriedhof wird saniert Dätzinger Geschichte sichtbar machen

Der Dätzinger Adelsfriedhof fristet derzeit ein trauriges Dasein. Foto: Holger Schmidt

Der Adelsfriedhof im Grafenauer Ortsteil Dätzingen (Kreis Böblingen) soll saniert werden. Der Förderverein Schloss Dätzingen übernimmt Kosten in Höhe von 13 500 Euro.

Der Dätzinger Adelsfriedhof ist ein einem desolaten Zustand. 13 500 Euro nimmt der Förderverein Schloss Dätzingen jetzt in die Hand, um das Kleinod im dortigen Schlosspark zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten. „Wir wollen die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner sicht- und erfahrbar machen und einen Beitrag zur Erinnerungskultur des Ortes leisten“, erklärte der Vereinsvorsitzende Kuno Schlichtenmaier beim „Schlossgespräch“ im vollen Maltesersaal.

 

Es waren trostlose Bilder, mit denen Schlichtenmaier dem Publikum den aktuellen Zustand des Grafenauer Kulturerbes vor Augen führte. 2015 war das Areal als Kleindenkmal vom Landkreis erfasst und schon damals nur als befriedigend bis mangelhaft eingestuft worden. Doch seitdem hat sich der Zustand noch einmal erheblich verschlechtert.

Vandalismus an den Grabsteinen

Grabplatten sind vollständig von Moos überwuchert und die Inschriften gerade auf der Grablege von Ahnherr Carl Ludwig Emanuel Graf von Dillen, der in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine führende Rolle am württembergischen Königshof spielte, kaum mehr zu lesen. Andere Grabsteine weisen Risse auf, die sich durch Frost- und Rostsprengung weiter vergrößern. Abgebrochene Steinkreuze liegen herum, Teile davon sind mittlerweile ganz verschwunden. Ein übriges tat der Vandalismus einiger Zeitgenossen.

Akribisch listete Kuno Schlichtenmaier den Zustand jedes einzelnen der insgesamt 19 auf dem Dätzinger Adelsfriedhof befindlichen Gräber auf und erläuterte die geschichtliche Bedeutung der dort bestatteten Persönlichkeiten. Von dem Ahnherrn Graf von Dillen über Alfred von Bülow, den Bruder des Reichskanzlers Fürst Bernhard von Bülow, und Hans von Raumer, Reichsschatz- und Wirtschaftsminister zu Zeiten der Weimarer Republik, bis hin zu Adrienne von Bülow, der letzten Schlossherrin und Ehrenbürgerin von Dätzingen, die das stattliche Anwesen 1961 in die Hände der Gemeinde gab. Dazwischen wartete der Referent mit einem profunden Wissen über die Verästelungen einer Familie auf, die weitere Ländereien in Rübgarten bei Tübingen besaß und sich Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem als Hoteliers in Bad Wildbad versuchte.

Reinigen und Risse schließen

Wenigstens deren Gräber sollen nun durch zeitnahe konservatorische Maßnahmen je nach Witterung spätestens im kommenden Frühjahr im aktuellen Zustand gesichert werden. „Das wichtigste ist reinigen und Risse schließen mit Epoxidharz“, erläuterte Andres Wanner, Grafenauer Steinmetz in dritter Generation. Vor allem müsse auch das korrodierte Metall der Kreuzbefestigungen entfernt werden und die Standsicherheit von Grabplatten und -steinen gesichert.

Die abgefallenen Kreuze dagegen bleiben am Boden – vorerst. Denn für eine umfassende Restaurierung fehlt dem Förderverein, der vor einigen Jahren schon mit der aufwendigen Restaurierung der einmaligen Panoramatapete von sich reden machte, derzeit das Geld. Im Sande verliefen bislang außerdem Vor-Ort-Termine mit dem Denkmalamt. „Gefördert werden erst größere Summen ab 30 000 Euro“, sagt Kuno Schlichtenmaier bedauernd.

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