Adelsgeschlecht aus Regensburg Wer ist die Familie Thurn und Taxis?

Von /dpa 

Früher galt Fürstin Gloria als Punk des Hochadels, inzwischen sorgen ihre erzkonservativen Ansichten für Kontroversen. Aber wer sind die Thurn und Taxis und wie kamen sie zu ihrem fabelhaften Reichtum?

Ungewohnt brav: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Fürst Johannes und die drei Kinder Maria Theresia, Elisabeth und Albert (von links) im Jahr 1983. Foto: dpa 13 Bilder
Ungewohnt brav: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Fürst Johannes und die drei Kinder Maria Theresia, Elisabeth und Albert (von links) im Jahr 1983. Foto: dpa

Stuttgart - Der Name hat einen besonderen Klang: Thurn und Taxis. Das Fürstengeschlecht zählte jahrhundertelang zu den einflussreichsten Häusern Europas. Bis heute ist die Familie milliardenschwer. Die T&Ts sind auf der ganzen Welt verstreut. Vor allem ein Familienmitglied sorgt zuverlässig für Schlagzeilen: Fürstin Gloria, einst der bunteste Paradiesvogel des deutschen Hochadels. Aber wie kam die Adelsfamilie aus der Lombardei nach Deutschland und sicherte sich das Monopol im Postwesen ganz Europas? Eine Spurensuche.

Woher kommen Macht und Einfluss der Familie Thurn und Taxis?

Der Grundstock für das Vermögen und die Bedeutung der Familie Thurn und Taxis wurde im Jahr 1490 gelegt. Damals erfanden Janetto und Francesco Taxis mit einer regelmäßigen Linie Wien-Brüssel das Postsystem. Kaiser Leopold verlieh im Jahr 1695 dem Haus den Fürstentitel.

Knapp 400 Jahre lang, bis 1867, beherrschte das aus der Lombardei stammende Adelsgeschlecht das Postwesen in Europa.

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Als 1867 diese Ära endete - Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis wurde praktisch gezwungen, sein Postmonopol an den preußischen Staat abzutreten –, investierte die Fürstenfamilie die damals beträchtliche Entschädigungssumme von drei Millionen Talern nicht nur in riesige Ländereien in Europa und Übersee, sondern auch in Industriebetriebe. Der fabelhafte Reichtum der T&Ts wurde durch viele historische Umbrüche hindurch bewahrt.

Wie kamen die Thurn und Taxis nach Regensburg?

Im Jahr 1748 zog Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis als kaiserlicher Prinzipalkommissar von Frankfurt am Main nach Regensburg. Als Gesandter vertrat er Kaiser Franz I. von Habsburg-Lothringen beim „Immerwährenden Reichstag“, der seit 1663 in Regensburg tagte. Der Botschafter bezog sein neues Domizil an der Donau und brachte Schwung in das gesellschaftliche und kulturelle Leben Regensburgs. Die Familie lud zu Hofmusik und Hoftheater.

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Auch als Regensburg längst nicht mehr Sitz des Reichstags war, blieb die Stadt Stammsitz der Familie. Heute residiert Fürstin Gloria im Schloss. Das säkularisierte ehemalige Kloster Emmeram ist seit dem Jahr 1812 Sitz des Hauses von Thurn und Taxis. Es ist mit 500 Räumen größer als der Buckingham Palace in London.

Welche Rolle spielte Fürstin Gloria für den Erhalt des Hauses?

Ihre Geschichte hätte man besser nicht erfinden können: Eine Party-Fürstin wird vom einen auf den anderen Tag Witwe und muss das Erbe der Dynastie retten. Geboren wurde Fürstin Gloria von Thurn und Taxis 1960 als Mariae Gloria Ferdinanda Joachima Gräfin von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg im Stuttgarter Stadtteil Sonnenberg. Die Schönburg-Glauchaus stammen aus Sachsen. Gloria wuchs mit drei Geschwistern auf: Maya, die im Januar 2019 an Krebs starb, und zwei jüngeren Brüdern (Alexander von Schönburg-Glauchau sitzt in der Chefredaktion der Bild-Zeitung). Einen großen Teil Glorias Kindheit verbrachte die Familie in Afrika.

Als Gloria 1980 den 34 Jahre älteren Johannes von Thurn und Taxis, damals noch Erbprinz des Fürstenhauses, heiratete, wurde sie rasch zum Liebling der Gazetten. Der adlige Paradiesvogel mit exzentrischer Garderobe und Punkfrisur war gern gesehener Gast in vielen Fernsehshows.

Mit dem plötzlichen Tod des Fürsten änderte sich 1990 über Nacht Glorias komplettes Leben: Der Münchner Partyszene sagte die Punk-Prinzessin Lebewohl – sie musste sich um die drei Kinder und das T&T-Imperium kümmern. Und das stand weniger solide da als angenommen.

Gloria veräußerte schwächelnde Geschäftsbereiche, die Privatbank und die Brauerei. Wertvolle Kunstwerke machte sie bei Versteigerungen zu Geld. Und um die gewaltigen Erbschaftssteuern zahlen zu können, vermachte die Fürstin dem Freistaat Bayern den millionenschweren Hofschatz – heute zu sehen in einem eigenen Museum im Regensburger Fürstenschloss. Auch St. Emmeram öffnete Gloria für das Volk: In der noblen Immobilie finden inzwischen Gartenmessen und ein Weihnachtsmarkt statt. Das Festival im Schlosshof lockt jeden Sommer tausende Besucher an.

Ihre wilden Jahre sind vorbei, inzwischen macht Fürstin Gloria mehr mit ihrer katholischen Frömmigkeit Schlagzeilen: Mit dem inzwischen verstorbenen Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sie sogar ein Buch über das Thema geschrieben.

Dass sie mit ihren erzkonservativen Ansichten auch aneckt, war erst jüngst wieder zu beobachten. Das New Yorker Museo del Barrio zog eine geplante Ehrung der Fürstin zurück. Gloria reagierte betroffen: „Meine konservativen religiösen Ansichten haben überhaupt keinen Einfluss auf meine Offenheit gegenüber kultureller Vielfalt und Inklusion.“

Wie vermögend sind die Thurn und Taxis heute noch?

Genau beziffern lässt sich das Vermögen der Familie nicht. Dass es beträchtlich sein dürfte, ist aber unbestritten. Das Magazin „Forbes“ führt den Chef des Hauses, Fürst Albert, auf seiner Liste der Milliardäre weltweit.

Als sein Vater, Fürst Johannes, 1990 starb, galt dieser als einer der reichsten Männer Europas. Neben zahlreichen Schlössern gehörte der Familie damals ein Firmenimperium, eine Brauerei und eine Privatbank. Außerdem war das Fürstenhaus mit 28.000 Hektar größter Waldbesitzer der Bundesrepublik.

Doch wirtschaftliche Probleme zwangen die Familie in den 1990er Jahren, sich nicht nur von Firmenbeteiligungen, der Thurn-und-Taxis-Brauerei und der Privatbank zu trennen, sondern auch von wertvollen Pretiosen, die der Freistaat Bayern 1992 für mehr als 40 Millionen Mark von der Fürstenfamilie erwarb. Gloria hatte den Deal eingefädelt, um die Erbschaftssteuer für den sagenhaften Familienbesitz zahlen zu können.

Ihre Mittel lässt die Fürstenfamilie aber auch den weniger Bemittelten zugute kommen: Die fürstliche Notstandsküche beispielsweise, gegründet nach Ende des Ersten Weltkriegs, versorgt bis heute Bedürftige mit einer warmen Mahlzeit.

Wer sind die jungen Thurn und Taxis?

Gloria von Thurn und Taxis mag die prominenteste Vertreterin des Hauses sein, Familienoberhaupt ist aber ihr Sohn, Fürst Albert von Thurn und Taxis. Der 35-Jährige ist studierter Volkswirt und begeisterter Rennfahrer. Verheiratet ist Fürst Albert noch nicht – und damit einer der begehrtesten Junggesellen des europäischen Hochadels.

Glorias älteste Tochter Maria Theresia (38) lebt als Journalistin und Künstlerin in London und ist seit 2014 mit dem britischen Maler Hugo Wilson verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter: Mafalda und Maya.

Die 36-jährige Elizabeth lebt in New York und ist gern gesehener Gast auf den Modeschauen dieser Welt: Die Prinzessin arbeitet als Fashion-Journalistin, unter anderem für die amerikanische Vogue. Elizabeth gewährt besonders offen Einblick in den Alltag einer Hochadligen – sie hat einen sehr aktiven Instagram-Account.

Zu guter Letzt: Gehört auch Fritz von Thurn und Taxis zur Familie?

Entfernt. Der Sportjournalist und Fußballkommentator entstammt der böhmischen Linie der Thurn und Taxis. Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar von Thurn und Taxis machte sich mit seinem rollenden R und der besonderen Art, Fußballspiele zu kommentieren, in der Sportberichterstattung unsterblich. 2017 hängte er den Kommentatorenjob an den Nagel.