Adler Mannheim Der Titelverteidiger ist raus, bevor es richtig losgeht

Von Tobias Schächter 

Der Eishockey-Meister von 2015, Adler Mannheim, scheidet schon in den Pre-Play-offs gegen die Kölner Haie aus. Der Clubchef Daniel Hopp kündigt nun Konsequenzen bezüglich der neuen Saison an.

Die Adler Mannheim (weiße Trikots) haben gegen die Kölner Haie keine Chance. Foto: dpa
Die Adler Mannheim (weiße Trikots) haben gegen die Kölner Haie keine Chance. Foto: dpa

Mannheim - Daniel Hopp ist erster Fan seines Eishockeyclubs. Der Gesellschafter und Geschäftsführer der Adler Mannheim führt die Geschicke des Vereins. 1998 konnte er seinen Vater Diemtar Hopp, den Mitgründer des Software-Giganten SAP, überreden, den damals noch Mannheimer ERC genannten Club vor der Pleite zu retten. Im vergangenen Jahr feierte Hopp, Jahrgang 1980, mit den Adlern im Eishockey-verrückten Mannheim erstmals seit sieben Jahren und vielen enttäuschenden Anläufen zuvor wieder den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Vom Beginn einer Ära war im Frühling 2015 die Rede. Doch ein Jahr später liegen die Ambitionen der finanzstarken Adler in Trümmern: Der Titelverteidiger ist raus aus dem Titelrennen 2016 – ausgeschieden, noch bevor es richtig losgeht. Die 2:4-Niederlage bei den Kölner Haien am Sonntag war eine zu viel, mit 1:2-Siegen verabschiedeten sich die Adler schon in den Pre-Playoffs. Daniel Hopp erlebte einen „bitteren“ Tag: „Es ist heftig, als Meister die Hauptrunde auf dem zehnten Platz abzuschließen und so auszuscheiden“, sagte er und kündigte an: „Wir haben leider Zeit jetzt viel Zeit, die Saison zu analysieren. Wir werden an Stellschrauben drehen.“

Für die neue Saison wird ein Trainer gesucht

Hopp, das zeigt die Vergangenheit, scheut sich nicht, nach schlechten Runden radikal neue Wege zu gehen. Derzeit steht kein Trainer unter Vertrag für die nächste Saison. Hopp erklärte, dass die Trainersuche absolute Priorität habe. Doch zunächst ist die Enttäuschung riesig in Mannheim nach einer von Anfang an verkorksten Saison. Überraschend ging 2015 schon Mitte Juni Meistertrainer Geoff Ward nach nur einem Jahr und wechselte nach Nordamerika als Assistenzcoach zu den New Jersey Devils. Die Trennung von der Familie setzte dem Erfolgstrainer zu, sein Abschied traf die Adler hart und zum falschen Zeitpunkt.

Auch auf Wards Empfehlung hin wurde Greg Ireland verpflichtet, ein kommunikativer Trainer, der bis dahin vor allem im Nachwuchsbereich gearbeitet hatte. Ireland konnte nie die Befürchtung entkräften, als ehemaliger Talentecoach nicht die Autorität für die gestandenen Cracks zu haben. Als sich im Februar abzeichnete, einen sicheren Play-off-Platz zu verspielen, musste Ireland gehen. Doch auch der ehemalige Ward-Assistent Craig Woodcroft schaffte die Wende nicht und muss nun das Debakel verantworten.

Ausreden lässt Hopp in seiner Saisonanalyse nicht gelten. Zwar litten die Kurpfälzer während der gesamten Runde unter großem Verletzungspech. Aber als Entschuldigung für das Fiasko dient dieser Umstand bei einem ausgeglichenen und starken Kader nicht. Vielmehr beobachteten viele Fans nach dem Gewinn der Meisterschaft schon zu Beginn der Saison bei manchen Cracks Einstellungsprobleme. Auch Manager Teal Fowler bemängelt in seiner Generalkritik: „Es ist eine große Aufgabe, unseren Kampfgeist zurückzugewinnen. Wir haben alle in dieser Saison nicht so hart gearbeitet wie in der letzten.“

Vor allem im Sturm steckt der Wurm

Nie schafften es die Adler, Kontinuität in ihr Spiel zu bringen, vor allem die Sturmreihen enttäuschten. Fowler stellt fest: „Wir müssen uns fragen, warum einige Spieler hinter ihrer Ausbeute aus dem vergangenen Jahr zurückgeblieben sind.“ Aber auch Fowler steht in der Kritik, nachdem er noch Anfang Februar posaunt hatte, niemand wolle in den Play-offs gerne gegen die Adler spielen. Und nach Absprache mit dem damaligen Trainer Greg Ireland gab Fowler der kriselnden Truppe in der Länderspielpause Anfang Februar eine Woche frei: Die Spieler sollten auf andere Gedanken kommen, erklärte er damals.

Stürmer Kai Hospelt hatte sicher Recht, als er nach dem Ausscheiden in Köln analysierte: „Wir haben die Saison nicht heute verloren. Das, was wir heute erlebt haben, ist die Summe von allem.“ Junge, deutsche Spieler einzubauen, statt auf ältere, NHL-erfahrene Profis zu setzen, könnte eine Stellschraube sein, an der Hopp drehen wird. Wie hart der Schnitt bei den Adlern ausfallen wird, ist eine spannende Frage.