Adolf Hölzel aus Stuttgart-Degerloch 1,8 Millionen Euro gegen das Schattendasein

Von Ralf Recklies 

Das Wohn- und Atelierhaus des Künstlers Adolf Hölzel in Stuttgart-Degerloch wird in ein Kulturhaus umgebaut. Dafür wird ein Batzen Geld in die Hand genommen. Es gibt allerdings auch offene Fragen.

Frank Oppenländer, der Vorsitzende der Adolf-Hölzel-Stiftung, und Isabell Ohst, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Hölzel-Hauses,  präsentieren vor dem Bestandsgebäude ein Modell des künftigen Kunst- und Kulturhauses  an der Ahornstraße. Foto: Ralf Recklies
Frank Oppenländer, der Vorsitzende der Adolf-Hölzel-Stiftung, und Isabell Ohst, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Hölzel-Hauses, präsentieren vor dem Bestandsgebäude ein Modell des künftigen Kunst- und Kulturhauses an der Ahornstraße. Foto: Ralf Recklies

Degerloch - Rote Punkte hat der Künstler Adolf Hölzel sicher immer gerne gesehen – vor allem wenn sie in Ausstellungen neben seinen Bildern geprangt haben und signalisierten: verkauft! Dass in Kürze auch ein roter Punkt das Gebäude zieren wird, in dem der 1934 verstorbene Künstler einst gelebt und gearbeitet hat, hätte den 1853 im mährischen Olmütz geborenen Maler sicher ebenfalls gefreut. Schließlich lebt der Geist des Künstlers durch die Werke, die die Adolf-Hölzel-Stiftung besitzt und in seinem damaligen Wohn- und Atelierhaus zeigt, weiter. Spätestens von Ende 2021 an soll für die Präsentation der Arbeiten Hölzels, der ein früher Protagonist der Abstraktion und Wegbereiter der Moderne war, mehr Platz an der Ahornstraße zur Verfügung stehen.

900 000 Euro steuert die Stadt Stuttgart bei

Für mehr als 1,8 Millionen Euro s oll das Gebäude saniert und erweitert werden. 900 000 Euro steuert die Stadt Stuttgart für das Projekt bei. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat vor der kommunalpolitischen Sommerpause grünes Licht für den Zuschuss gegeben. Den Rest muss die Adolf-Hölzel-Stiftung über Spenden oder andere Förderer aufbringen. Frank Oppenländer, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, hofft so unter anderem darauf, dass die Aktion Mensch den Umbau unterstützt, „da wir das Haus auch mit einem Aufzug barrierefrei machen wollen“. Erfreulich für ihn: Die Südwestbank hat für die Maßnahme einen zinsfreien Kredit von bis zu einer Million Euro zugesagt. Laufzeit: zehn Jahre.

Bereits in Kürze rechnet Oppenländer mit der Baugenehmigung für die Sanierung und die damit einhergehende Erweiterung des Gebäudes. Der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, dem auch Petér Horváth und Bert Schlichtenmaier angehören, geht davon aus, dass mit den Arbeiten erst im nächsten Jahr begonnen wird. „Schon die Ausschreibung und Vergabe wird einige Zeit dauern“, sagt Oppenländer. Erst wenn die Bauarbeiter anrücken, wird das Hölzel-Haus auch für Besucher geschlossen. Bis dahin wird es weiter Führungen geben – die nächste Ende dieser Woche.

Aktuell ist eine Hölzel-Schau in Erfurt zu sehen

Während der Bauarbeiten würde die Hölzel-Stiftung gerne einen Teil der in ihrem Besitz befindlichen Arbeiten andernorts zeigen. Ob es gelingt, Kooperationen mit anderen Einrichtungen hinzubekommen, ist aber noch offen. Derzeit sind einige Hölzel-Arbeiten in Erfurt zu sehen. In den dortigen Kunstmuseen wird noch bis zum 6. Oktober die zuvor in Schweinfurt gezeigte Schau „Farbharmonie als Ziel – Adolf Hölzel auf dem Weg zum Ungegenständlichen“ präsentiert.

„Hölzel ist ein besonders wichtiger Künstler der Klassischen Moderne“, sagt Oppenländer. Er findet es bedauerlich, dass das Werk des zu Lebzeiten bisweilen umstrittenen Künstlers teils ein Schattendasein führt. Auch der Förderverein mit aktuell rund 60 Mitgliedern habe entsprechend noch nicht die Zahl an Mitgliedern, erreicht, die man sich ursprünglich erhofft hatte, sagt Oppenländer. Er hofft mit Isabell Ohst, die die Einrichtung als wissenschaftliche Mitarbeiterin betreut, dass nun Sanierung samt Umbau auch hier einen Schub bringen.

Eingang wird verlegt und barrierefrei gestaltet

Der Eingang des 1905 errichteten Gebäudes soll von der Ahorn- an die Felix-Dahn-Straße verlegt und barrierefrei werden. Der Wintergarten soll wegkommen, im rückseitigen Bereich des nicht denkmalgeschützten Gebäudes ist zudem ein Anbau geplant. Dieser soll künftig eine Malschule beherbergen. Künstler der Akademie, so erläutern Oppenländer und Ohst, sollen hier künftig Malkurse geben. Vor allem im ersten Stock, der derzeit noch als Wohnung vermietet ist, sollen künftig Arbeiten Hölzels zu sehen sein. Das Dachgeschoss indes soll als Künstlerwohnung vermietet werden – „nicht zuletzt um die Kosten des laufenden Betriebs tragen zu können“, so Oppenländer. Auch die Einnahmen der Malschule sollen – nebst Mitteln, die der Förderverein beisteuert – helfen, die Einrichtung finanziell unabhängiger zu machen. Man wolle in jedem Fall vermeiden, dass die Stiftung Arbeiten des Künstlers verkaufen müsste, um das Haus finanzieren zu können.

„Bisher leben wir vorwiegend von Spenden“, sagt Oppenländer. Diese würden oft von einzelnen Personen kommen. So auch eine in Höhe von 200 000 Euro, die der Modernisierung des Hölzel-Hauses dient. Gegen weitere solcher Gaben hätte Oppenländer nichts einzuwenden.

Die nächste Führung:

Die nächste Führung durch das Hölzel-Haus, Ahornweg 22, ist am 29. September um 11 Uhr. Die Teilnahme kostet zehn Euro. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer 07 11/93 59 07 15 oder per Mail (info@adolf-hoelzel.de) angenommen. Am 17. Oktober gibt es von 19.30 Uhr an das 5. Hölzel-Gespräch in der Staatsgalerie. Ina Conzen, Kuratorin der Staatsgalerie, spricht zum Thema „Hölzel und das Bauhaus“.

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