Düsseldorfer unter sich: Tobias Degode verteilt mit dem rheinischen Weihnachtsmann Andreas Vogt jede Menge Nikoläuse. Das kann ganz schön anstrengend sein.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Ein ganz normaler Dienstagabend auf dem Leonberger Marktplatz. Der Weihnachtsbaum vor dem Alten Rathaus strahlt in feierlichem Glanz, genau wie der festlich gestaltete Brunnen. Die kleinen Holzhütten sind jedoch verschlossen, das Adventsdörfle macht erst am Freitag wieder auf. Trotzdem herrscht im Herzen der Altstadt Riesenbetrieb. Was ist da los?

 

Der Marktplatz ist erfüllt von Kinderstimmen. Sie alle drängen sich um einen Mann ganz in Rot. Der schwingt seine Glocke. Denn der Weihnachtsmann braucht ein wenig Platz für seinen Helfer. Der bahnt sich in Gestalt des Leonberger Oberbürgermeisters durch die Menge. Tobias Degode, ganz in Zivil, stellt sich neben den roten Mann mit weißem Bart. Der heißt im nicht-weihnachtlichen Leben Andreas Vogt und kommt aus Düsseldorf. Genau wie der neue OB.

Eine alte Verbindung, am Ende gar rheinischer Klüngel? Nein, so ist es nicht. „Wir kannten uns vorher nicht. Düsseldorf ist groß“, sagt Tobias Degode. Bevor er weiterreden kann, muss er aber zunächst seine Pflichten als Weihnachtswichtel erfüllen, sprich jede Menge Schoko-Nikoläuse an die Kinder verteilen.

Zweiter Tag im Amt – und gern Helfer des Nikolauses

Denn das ist die Mission des anderen Düsseldorfers. Schon seit 15 Jahren sorgt Andreas Vogt regelmäßig für leuchtende Kinderaugen. In den Adventswochen ist er in und um die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt auf einem Traktor und zu Fuß unterwegs, um die Kleinen mit Geschenken zu erfreuen – die er aus eigener Tasche bezahlt.

Erfolgreicher Einsatz: Tobias Degode (links) und Andreas Vogt sind zufrieden. Foto: Granville

So macht er es auch in Leonberg. Warum gerade hier? Seine Frau Sabine stammt vom Engelberg, ihre Eltern leben noch hier. Die Vogts kommen regelmäßig zu Besuch, natürlich auch in der Vorweihnachtszeit. Im vergangenen Jahr hat er erstmals sein rotes Kostüm angezogen und ist mit Süßem und seiner Glocke ohne große Ankündigung auf den Marktplatz gegangen. Die Begeisterung war groß.

„Als ich dann in der Zeitung gelesen, dass ein Düsseldorfer bei euch zum OB gewählt geworden ist, habe ich mich gleich gemeldet und ihn gefragt, ob er nicht Lust hat, mit mir auf den Marktplatz zu kommen“, berichtet Vogt. Tobias Degode hatte Lust. An seinem zweiten Tag im Amt schlug sich der 38-Jährige eine halbe Stunde frei, um dem Weihnachtsmann aus seiner rheinischen Heimat beim Verteilen der Schokoladen-Nikoläuse zu helfen. Zur Feier des Tages präsentierte Vogt sein neues Nikolauskostüm: Handarbeit und maßgeschneidert, wie seine Frau betont.

Dass der neue Chef im Rathaus sich direkt sehr volksnah gibt, kommt bei den Leuten gut an. „Das ist doch der OB“, sagt eine Mutter, deren Kleiner noch mit dem Erhaschen eines der süßen Mitbringsel beschäftigt ist. „Das finde ich toll, dass er hier mitmacht.“ Ein älteres Ehepaar, das Degode erkennt, wünscht ihm alles Gute.

Weihnachtshelfer Degode muss direkt ins Rathaus zurück

Nach einer knappen halben Stunde sind die 50 großen und dreimal so vielen kleinen Nikoläuse, die die Familie vorher gekauft hat, komplett weg. Andreas Vogt kann verschnaufen und sich im Café nebenan mit seinen Leuten selbst etwas Süßes gönnen. Sein temporärer Assistent kann ihn leider nicht begleiten. Auf Tobias Degode wartet im Rathaus noch ein Gesprächstermin und später die Sitzung des Jugendausschusses.

Aber eines haben die beiden Düsseldorfer schon klargemacht: Wenn der rheinische Weihnachtsmann im kommenden Jahr wieder auf den Marktplatz kommt, ist ihm die Unterstützung aus dem Rathaus gewiss. Es muss nur noch geklärt werden, ob dann auch der Oberbürgermeister im weihnachtlichen Outfit erscheint.