Adventsfreude in Leonberg Von China bis zur Ukraine: Wenn der Nikolaus kommt, sind alle da

Gleich gibt es Geschenke: Der Nikolaus besucht in Leonberg Flüchtlingskinder. Foto: Geronimo Schmidt

Der Kinderschutzbund beschert Flüchtlingskinder. Das ist bei weitem nicht das einzige Angebot der sozialen Organisation

„Dikh o Santa Claus“ruft das kleine Mädchen freudestrahlend. Auf Romani heißt das: Schau, der Nikolaus! In der Flüchtlingsunterkunft im Leonberger Hertich herrscht frohes Treiben. Vom Baby bis zu den Fünfzehnjährigen sind 55 Kinder mit ihren Eltern im Sprachraum eingeladen, denn hier verteilt der Nikolaus (alias Florian Commichau) kleine Geschenke.

 

Der Fachbereichsleiter beim Kinderschutzbund ist unter anderem für die Projektentwicklung in Leonberg zuständig. Begleitet wird er von Monika Glück, die in Leonberg auch für Beratung und Begleitung für Eltern, Alleinerziehende, Kinder und Jugendliche zuständig ist.

Zahlreiche lokale Spenden

Lokale Geldinstitute, Stadtwerke, private Spender haben die Aktion in Kooperation mit der Sozialbetreuung in der Unterkunft möglich gemacht. „Vieles kam von der Klasse 8 des Otto-Hahn-Gymnasiums aus Sindelfingen“, ist Commichau voll des Lobes. In der Unterkunft wohnen viele Sinti und Roma-Familien aus Osteuropa, Menschen aus der Ukraine, aus China (Uiguren), Afrika und arabischen Ländern. „In den Päckchen sind auch Süßigkeiten, aber wichtiger waren uns Spielsachen und Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagt Commichau.

Im Kreisverband Böblingen, der vor zwei Jahren aus der Fusion der ehemaligen Lokalvereinigungen Leonberg und Böblingen hervorgegangen ist, denkt man daran stärker in der Unterkunft aktiv zu werden. Derweil wird ein neues Angebot in Leonberg vorbereitet: „Elterntalk – Eltern reden mit Eltern“. Dabei treffen sich Eltern in gemütlicher Atmosphäre, um sich über Erziehung, Medien, Suchtprävention und das Familienleben auszutauschen – ganz unkompliziert und auf Augenhöhe. „Das Besondere daran ist, dass die Gespräche von Eltern für Eltern organisiert werden,“ sagt Commichau.

Monika Glück mit Nikolaus, alias Florian Commichau. Foto: Geronimo Schmidt

„Mit diesem unterschwelligen Angebot wollen wir Familien erreichen, die keinen Zugang zu Präventionsmaßnahmen haben“, erläutert Commichau. Die Treffen können in den Räumen des Kinderschutzbundes abgehalten werden, aber auch zu Hause. „Niemand soll den anderen von seiner Haltung überzeugen, wenn jemand nach dem ersten Treffen fernbleiben will, ist das auch in Ordnung“, stellt Commichau klar. Vorerst ist gedacht, den Dialog in Deutsch, Arabisch und Ukrainisch anzubieten. Interessierte Eltern können sich beim Kinderschutzbund melden, um als Moderator oder Gastgeber zu fungieren.

Zwei Aktionen, die der ehemalige Kinderschutzbund Leonberg initiiert hat, werden aktuell hier auch weitergeführt. Erneut konnten mit Unterstützung der Grundschulen in Leonberg und Rutesheim mehr als 200 Ranzen eingesammelt werden. Viele sind in bestem Zustand, oftmals liebevoll gefüllt mit Heften, Schreibutensilien, Mäppchen, Sportsachen.

Wunschgroßeltern sehr gefragt

Die ehrenamtlichen Helferinnen des Kinderschutzbundes haben die Spenden gesichtet und vorbereitet. Ein Teil der sehr gut erhaltenen Ranzen bleibt in Leonberg und steht interessierten Familien, sozialen Einrichtungen oder Unterstützern zur Verfügung, die für ein Kind einen Ranzen benötigen. Der Rest geht wieder über die Organisation „Care for Kids“ nach Mali.

Ein Leonberger Alleinstellungsmerkmal bleiben weiterhin die „Wunschgroßeltern“, das Angebot, das von Monika Glück koordiniert wird. Es geht dabei nicht nur darum, Familien zu unterstützen. „Wunschgroßeltern schenken den Familien und den Kindern neben ihrer Zeit auch ihre Lebenserfahrungen und ihr Wissen“, weiß Monika Glück. Sie sind in der Regel zwei Stunden wöchentlich gern gesehene Gäste in Familien mit Kindern von neun Monaten bis zu zehn Jahren.

Wunschgroßeltern

Kontakt
An Schulranzen Interessierte, oder wer bei den „Wunschgroßeltern“ mitmachen will, kann unter Email.glueck@dksb-bb.de oder Telefon. 07152/902961 Kontakt mit dem Kinderschutzbund aufnehmen.

Uhrzeiten
Die Bürozeiten in der Distelfeldstraße 20 in Leonberg sind Montag von 10.30 bis 13 Uhr und Donnerstag von 9 bis 11.30 Uhr.

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