Besonders Kinder erfreuen sich seit vielen Generationen an Süßigkeiten und anderen Geschenken, die ihnen die Zeit bis Heiligabend verkürzen. Wir erklären, woher kommt die Tradition des Adventskalenders kommt.

Leben: Markus Brauer (mb)

Es dauert immer so lange, bis Weihnachten endlich da ist. Um gerade Kindern die 24-tägige Wartezeit zu verkürzen und ihre Vorfreude zu erhöhen, gibt es den Adventskalender. Die Tradition besteht bereits seit dem 19. Jahrhundert.

1851 – die Geburt des Adventskalenders

Der erste nachweisbare Adventskalender – natürlich selbst gebastelt – stammt aus dem Jahr 1851. Mitte des 19. Jahrhunderts hängten protestantische Familien während der Adventszeit 24 Bilder an die Wand oder malten Kreidestriche an Wände und Türen. Die Kinder durften dann jeden Tag einen Strich wegwischen. Im katholischen Gegenden wurden 24 Strohhalme in die Krippe gelegt.

Gedruckte Kalender

1902 veröffentlichte die Evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg den ersten gedruckten Kalender in Form einer Weihnachtsuhr für Kinder.

Ein Jahr später druckte der Münchner Verleger Gerhard Lang einen Kalender, den er „Im Lande des Christkinds“ nannte. Er bestand aus einem Bogen mit 24 Ausschneidebildern und einem Bogen mit 24 Feldern zum Aufkleben.

1904 wurde dem Stuttgarter Neuen Tagblatt ein solcher Adventskalender zum Ausschneiden als Geschenk beigelegt.

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Abreißkalender in den 1920er Jahren

Der typische Kalender mit Türchen zum Öffnen verbreitete sich um 1920. Künstler gestalteten sie meist mit religiösen Motiven. So entwarf die Kinderbuchillustratorin Gertrud Caspari einen 1928 erschienenen Kalender im Esslinger J. F. Schreiber Verlag. Ende der 1920er Jahre kamen auch Adventskalender mit Abreißbildchen auf den Markt. Die Bilder konnten ähnlich wie bei einem Sammelalbum in ein Heft geklebt werden.

Nach 1945: Sehnsucht nach der heilen Welt

Zunehmend verdrängten profane die sakralen Motive. Die sogenannten Erika-Kalender lockten mit Eisenbahn-, Auto- oder Flugzeug-Motiven vor allem Jungen an.

Die Sehnsucht nach einer heilen Welt führte im Nachkriegsdeutschland zu einem Boom der Adventskalender. Schon nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurden wieder Adventskalender in den Besatzungszonen hergestellt.

Der erste Adventskalender, der nach dem Zweiten Weltkrieg herausgegeben wurde, war der Kalender „Die kleine Stadt“ vom Verlag Richard Sellmer in Stuttgart, der im Dezember 1945 veröffentlicht wurde.

Kekse, Schokis und Geschenke

In den 1950er Jahre entstanden die ersten Adventskalender, die zusätzlich zu Bildern, noch mit Keksen, Schokolade und anderen Süßigkeiten, aber auch mit kleinen Spielzeugen befüllt wurden.

Heute ist die Vielfalt an Adventskalendern riesig, es gibt kaum eine Produktsparte, die nicht in irgendeinem Adventskalender vertreten ist. Vor allem Kinder freuen sich über Kalender sämtlicher Süßwaren- und Spielzeugmarken. Und auf Erwachsene warten mal Kosmetik, mal Saatgut, mal Bier, Whiskey oder Tee oder auch Erotik im Kalender. Und selbst Türchen mit Schmuck oder Leckerlis für Hund und Katze gibt es.

Riesengeschäft mit Adventskalendern

Kein Wunder, denn mit dem Warten auf Weihnachten lässt sich viel Geld verdienen. Inzwischen geben die Verbraucher in Deutschland rund 100 Millionen Euro für Adventskalender aus. Der Durchschnittspreis für einen Schokoladen-Adventskalender liegt laut dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie bei vier bis fünf Euro.

Für Erwachsene sind aber mehr und auch deutlich teurere Adventskalender auf dem Markt. Luxusversionen mit exklusiven Süßwaren kosteten an die 100 Euro.

Verbraucherschützer sehen das merkantile Treiben in der Adventszeit kritisch, da in den Adventskalendern meist Produkte zu einem deutlich höheren Preis angeboten werden, die Verbraucher das ganze Jahr über kaufen können.

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