Uwe-Bogen-Kolumne Eierlikör ist der neue Hit des Stuttgarter Weihnachtsmarkts

Von Uwe Bogen 

Merry Glühwein! Auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt bekommt das saisonale Nationalgetränk Konkurrenz: Der Umsatz von selbst gemachten Eierlikör hat sich unweit der Stiftskirche verdreifacht.

Bürgermeister Michael Föll  mit  Wirtin  Conny Weitmann, die seit 27 Jahren einen Stand unweit der Stiftskirche auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt hat. Foto: Andreas Engelhard 6 Bilder
Bürgermeister Michael Föll mit Wirtin Conny Weitmann, die seit 27 Jahren einen Stand unweit der Stiftskirche auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt hat. Foto: Andreas Engelhard

Stuttgart - Wenn Udo Lindenberg nicht wär’, der Eierlikör hätte immer noch das Image, besonders gut für Damenkränzchen im Alter von 70 plus zu sein. Der Panik-Präsident hat den einstigen, von den Omas bevorzugten Frauenlikör über die Generationen gerettet und für cool erklärt.

Welche Marke ist dem Eierlikör-Experten Lindenberg die liebste? Sein Kumpel Ben Streubel weiß es. „Udo bekommt von Fans so viele selbst gemachte Liköre geschenkt“, sagt der SWR-3-Moderator, „dass er keine Markenflaschen kauft.“ Nur ein Bruchteil davon könne der Popstar selbst trinken, weshalb er die Gaben weitergibt. Streubel gibt Einblicke in das Leben des Nuschelkönigs: „Udo trinkt nur bei bestimmten Anlässen Eierlikör, den er deshalb Feierlikör nennt. Dafür gibt’s ein schönes Ritual. Er stößt mit den anderen an, setzt mit allen zum Indianerschrei an – und hoch das Glas!“

Mit frischen Eiern und Vanille

In Stuttgart müsste sich Udo Lindenberg in diesen Adventstagen wohl fühlen. Bei der Adventsparty von Wirtin Conny Weitmann in ihrem um einen Baum herum gebauten Stand unweit der Stiftskirche strahlten die Gäste (dabei: Bürgermeister Michael Föll, MdB Stefan Kaufmann, Wirtin Laura Halding-Hoppenheit, Aids-Hilfe-Geschäftsführer Franz Kibler, Dekra-Protokollchefin Maxi von Bleyle) mit kleinen Kristallgläsern in der Hand. Vor drei Jahren hat die Tochter von ­Wasenlegende Walter Weitmann „als Gag“ einen in ihrem Waldhaus selbst gemachten Eierlikör ins Sortiment genommen. Die Nachfrage steigt seitdem rasant an. Schon nach den ersten Weihnachtsmarktstagen kann sie freudig verkünden: „Unser Eierlikör-Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.“ Es kämen „richtige Fanclubs“, die verrückt seien nach dem aus Alkohol, Eigelb und Zucker hergestellten Getränk.

Conny Weitmann stellt ihren gelben Likör nach dem Rezept eines befreundeten Konditors her. Was das Besondere daran ist? „Frische Eier und Vanille“, verrät die Wirtin – mehr aber nicht.

Die Hitze überlistet die Zunge

Ein Gläschen Eierlikör kostet vier Euro – so viel wie Connys Feuerzangenbowle und der Glühwein an anderen Ständen. Der Zeitraum zum Verkaufen ist so kurz wie selten. Im vergangenen Jahr sind mit 31 Weihnachtsmarkttagen Rekordumsätze erzielt worden. 2017 bleiben den Wirten mit einem vierten Advent, der gleichzeitig Heiligabend ist, nur 25 Tage.

Im Vergleich zum Glühwein bleibt Udos Lieblingsgetränk ein Nischenprodukt auf dem Weihnachtsmarkt. In vielen Glühweinbechern steckt mehr Zucker als in einer Cola. Meist schmeckt der Konsument den hohen Anteil des Süßmachers nicht heraus. Die Hitze überlistet mit dem Alkohol die Zunge. Erst wenn aus dem Glühwein ein Kaltgetränk wird, weiß man, was das Glück im Glas in Wahrheit ist. Doch wer geht auf den Weihnachtsmarkt, um seinen Glühwein kalt zu stellen? Oft scheint es, die Becher leerten sich von ganz allein – und man braucht rasch Nachschub. Ein Glühwein. Swei Glühweih. Rei Lühwei. Hie Hühei.

Ob Glühwein oder Eierlikör – da wie dort dürften außer Zucker Glücksstoffe drin sein. Wie immer gilt: in Maßen genießen! Und wer nicht immer nur bechern mag, kann wie Udo Lindenberg mit dem flüssigen Schatz sogar Likörelle malen.