Esslingens ukrainische Partnerstadt Kamianets-Podilskyi wird in der Adventszeit traditionell festlich geschmückt – das Foto wurde allerdings vor dem Krieg aufgenommen. Foto: privat
Esslingens Partnerstädte zelebrieren die Adventszeit auf vielfältige Weise. In der Ukraine stehen Tradition und Wohltätigkeit im Fokus. Welche Bräuche gibt es anderswo?
Melanie Csernak
12.12.2025 - 18:00 Uhr
In Esslingen ist die Vorweihnachtszeit geprägt vom Weihnachtsmarkt, von Adventskonzerten, festlichen Lichtinstallationen, typischen Spezialitäten wie Lebkuchen oder Spekulatius und Adventskalendern für die Kinder. Doch wie sieht es anderswo aus – etwa in Kamianets-Podilskyi, Esslingens Partnerstadt in der Ukraine, wo seit fast vier Jahren Krieg herrscht?
Offenbar lassen es sich die Menschen in der westukrainischen Stadt nicht nehmen, ihre Traditionen trotz allem fortzuführen. „Die Weihnachtszeit in Kamianets-Podilskyi ist eine Kombination aus Traditionen, Wohltätigkeit und gegenseitiger Unterstützung“, heißt es aus der ukrainischen Partnerstadt. „Alles, was wir tun, zielt darauf ab, den Geist des Festes zu bewahren und den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken.“
Kunst und Wohltätigkeit prägen Advent in Kamianets-Podilskyi
Vor allem künstlerische und karitative Aktivitäten haben dort einen hohen Stellenwert in den Wochen vor Weihnachten. So veranstaltet die Stadt etwa einen Kunstwettbewerb und eine Ausstellung, die lokale Traditionen und die Kreativität der Bürgerinnen und Bürger in den Blick nehmen. Es gebe Kreativwerkstätten für die Kinder und der Geistliche Rat der Stadt organisiere Weihnachtsliederfestivals – unter anderem eines speziell für die Streitkräfte, ist aus Kamianets-Podilskyi zu hören.
Eigens zur Unterstützung der ukrainischen Verteidiger werden verschiedene Benefizveranstaltungen organisiert, deren Einnahmen in die Unterstützung der Streitkräfte fließen – etwa ein Markt, auf dem für den guten Zweck Spezialitäten verkostet und künstlerische Darbietungen gezeigt werden oder der „Active Donation Day“ (Tag der aktiven Spende) mit einem künstlerischen Programm, das die Menschen zusammenbringen und zur Unterstützung der ukrainischen Verteidiger animieren soll.
Kulturelle Veranstaltungen sind ein wichtiger Teil der Adventszeit in Kamianets-Podilskyi. Foto: privat
Der örtliche Veteranenrat veranstalte zudem eine kulinarische Wohltätigkeitsaktion mit dem Titel „My Grandma’s Kitchen“ (Die Küche meiner Großmutter), heißt es aus der Esslinger Partnerstadt. Und einen besonderen Platz nähmen die Weihnachtsaufführungen des Kinder- und Jugendvolkschors Zhuravlyk in den Kirchen der Stadt ein.
Auch kulinarische Spezialitäten prägen die Weihnachtszeit in Kamianets-Podilskyi. So stehe vor allem das Gericht Kutia für weihnachtliche Traditionen. Die Speise aus gekochtem Weizen, Mohn, Honig und Nüssen sowie gelegentlich auch Trockenfrüchten gelte als Symbol für Überfluss, Einheit und die Erinnerung an das Erbe der Vorfahren, ist aus der ukrainischen Partnerstadt zu hören. Dabei stehe Weizen für Wohlstand, Mohn für Gesundheit und Honig für ein süßes Leben. Kutia werde zu Ehren der Vorfahren zubereitet und nach dem Mahl am Heiligen Abend für die Seelen der verstorbenen Familienmitglieder auf dem Tisch stehen gelassen. Adventskalender hingegen gehörten nicht zur kulturellen Tradition in der Ukraine, heißt es aus Kamianets-Podilskyi.
Auch in den anderen Partnerstädten Esslingens ist in der Adventszeit vieles anders als hierzulande. So gibt es im italienischen Udine zwar die Tradition der Adventskalender, allerdings werden diese nicht nur mit Schokolade, sondern auch gern mit Samentütchen gefüllt, wie es aus dem dortigen Rathaus heißt. Einen Weihnachtsmarkt wie in Esslingen hingegen gibt es nicht – stattdessen wird das Stadtzentrum aber festlich beleuchtet. Auch in Udine stehen kulturelle Veranstaltungen in der Adventszeit hoch im Kurs, etwa Führungen, Lesungen, Chorauftritte oder Konzerte. Zudem spielen typische kulinarische Spezialitäten wie Pandoro und Panettone in der Vorweihnachtszeit eine große Rolle.
Weihnachtsmarkt in ungarischer Partnerstadt Eger
Während in Indien, wo die Esslinger Partnerstadt Coimbatore liegt, der Großteil der Bevölkerung Hindu ist und es nur verhältnismäßig wenige Christen gibt, spielt Weihnachten und Advent hier eine eher untergeordnete Rolle. Ganz anders in der ungarischen Partnerstadt Eger: Dort lockt in der Adventszeit ein aufwendig gestalteter Weihnachtsmarkt mit Lichtinstallationen, Glühweinhütten, lokalen Handwerksprodukten und kulinarischen Spezialitäten. In Belarus, wo die Esslinger Partnerstadt Molodetschno liegt, wird gleich zwei Mal Weihnachten gefeiert: katholisch am 25. Dezember und orthodox am 7. Januar.
Weihnachtsmärkte und Adventsgebäck
Dekorationen In Slowenien, wo sich die Esslinger Partnerstadt Velenje befindet, werden die Städte schon in der Adventszeit weihnachtlich dekoriert, man schlendert über Weihnachtsmärkte und genießt festliche Spezialitäten. In Esslingens Partnerstadt Neath in Wales bereitet man sich ebenfalls bewusst auf Weihnachten vor, etwa mit Lichtinstallationen in Parks, mit weihnachtlichen Theaterstücken oder dem „Santa Fun Run“, einem vorweihnachtlichen Laufevent.
Spezialitäten In Schweden, wo sich die Esslinger Partnerstadt Norrköping befindet, wird das Warten auf Weihnachten mit gemütlichen Weihnachtsmärkten und Adventsgebäck versüßt, ebenso in Piotrkow Trybunalski (Polen) und rund um Vienne (Frankreich). In Schiedam (Niederlande) werden in der Adventszeit typische Spezialitäten wie Speculaas (Gewürzkekse) oder Oliebollen (frittierte Teigbällchen) gereicht. Auch in Sheboygan (USA) will man sich das Warten auf Weihnachten mit schönen Dingen verkürzen, etwa einem Winterwunderland aus Lichtern, einem Weihnachtsmarkt oder verschiedenen Adventsparaden.