Ägypten-Ausstellung in Ludwigsburg Die Lizenz zum Kopieren

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Er reist, liest und verfolgt clever die Idee einer Ausstellung. Doch wie zeigt man ägyptische Exponate, wenn aus dem Land keine echten Stücke ausgeführt werden dürfen? Die originale, elf Kilo schwere goldene Maske Tutanchamuns wird im Ägyptischen Museum Kairos präsentiert – das ist inzwischen so voll gestopft, dass es eher wie ein Lagerhaus als ein Museum von Weltformat wirkt. El Awdan muss auf Replikate setzen. Das mag etwas hemdsärmlig wirken. Aber es ist der einzige Weg, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Seine Verbindungen in das Land am Nil – sein Bruder Hussan arbeitet für die Altertumsbehörde – helfen ihm, die richtigen Leute zu finden.

Leute wie Amr El Tebie, den Chef der Kunstwerkstatt in der Zitadelle von Kairo. Er hat die Lizenz der Behörden, maßstabsgetreue Kopien herzustellen, und wird eine wichtige Anlaufstelle. „Die Künstler arbeiten heute mit den gleichen Techniken wie ihre Vorgänger vor Tausenden von Jahren“, sagt El Tebie, der auch eine große Ausstellung in New York beliefert.

Wenn Mohamed El Awdan bei ihm vorbeischaut, gibt er sich längst nicht mehr mit Kleinigkeiten ab. Dann kommt auch schon mal eine Nachbildung des goldenen Streitwagens Tutanchamuns, der Staatskarosse des Gottkönigs, in den Schiffscontainer nach Deutschland. Er ist Einkäufer im großen Stil.

2005 beginnt El Awdan in Ulm und Stuttgart mit seinen ersten Ausstellungen. Museal kann man die Präsentation damals nicht nennen. Er dockt an Messen an und stellt dort seine Stücke aus. Die meisten sind vergoldet und sollen die Besucher schon allein durch ihren prachtvollen Glanz in ihren Bann ziehen. Er will Leute ansprechen, die von sich aus nicht unbedingt in ein Museum gehen würden.

Die Aura des Originals

Dann kommt der Ägyptologe Christian Bayer mit ins Spiel. Der 44-Jährige ist der Mann fürs Konzept und ein Wissenschaftler, der neue Wege gehen will. Noch einer, der von viel Enthusiasmus getragen wird. Vielleicht liegt das ja daran, dass er seiner Leidenschaft, der Archäologie, erst über Umwege hat folgen können. Die Eltern haben dem Sohn, der sich bereits als Bub und bis übers Teenageralter hinaus für Mumien begeisterte, ans Herz gelegt, doch lieber etwas ­Anständiges zu lernen. So wird er Datenverarbeiter. Aber der Ruf der Pharaonen ist stärker. Bayer macht das Abitur nach, studiert Ägyptologie und promoviert über Tutanchamuns Großmutter, Königin Teje. Er ist damals wie heute fasziniert davon, die „Gedanken der Menschen aus der Zeit 3000 vor Christus lesen zu können“. Dass er bei der jetzigen Schau keine Originale arrangieren kann, stört ihn nicht. Er spricht vom „Charme des Ursprungslandes“, der „die Aura des Originals“ ersetze.

Schon El Awdans Ausstellung in Wiesbaden 2011 begleitete Bayer mit der Marburger Ägyptologin Daniela Rutica als Ausstellungsführer. Ihn fasziniert der Gedanke, raus aus dem Museum zu gehen und einen „unverkrampften Zugang“ in die Welt der Ägyptologie zu schaffen. Christian Bayer bewegt dabei vor allem die Frage: „Was kann ich in 20 Minuten vermitteln?“ Den Pharaonenkult macht er mit einem simplen Satz anschaulich: „Wer beobachtet, wie der Papst behandelt wird, kann auch ahnen, wie ein Pharao funktioniert.“

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