Ägypten-Ausstellung in Ludwigsburg Im Bann des Pharao

Eine Nachbildung der Totenmaske  Tutanchamuns Foto: StZ 9 Bilder
Eine Nachbildung der Totenmaske Tutanchamuns Foto: StZ

Der Ausstellungsmacher Mohamed El Awdan zeigt 500 Objekte aus dem Grab des Pharao Tutanchamun in Ludwigsburg. Sie wurden originalgetreu in einer Kairoer Werkstatt nachgebildet.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Ludwigsburg/Kairo - Auf der Zitadelle hat man einen herrlichen Blick über Kairo. Der Ayyubidenkönig Salah al-Din ließ die Anlage vor acht Jahrhunderten errichten, um die Stadt besser gegen die Kreuzritter verteidigen zu können. Bei idealer Witterung sind die Pyramiden von Gizeh am Horizont zu erkennen. Gleich unterhalb der Festung liegt die Sultan-Hassan-Moschee. Und in der Zitadelle selbst befindet sich eine Werkstatt für altertümliche Schätze – eine der ersten Adressen im Land.

Mohamed El Awdan ist aufgeregt. Jeder Raum ist für ihn eine kleine Offenbarung. In dem einen entsteht der prächtige Sarkophag Tutanchamuns. Im nächsten ein Kanopenschrein, worin man einst die Gefäße mit den einbalsamierten Eingeweiden des Pharao lagerte. Wieder in einem anderen Raum erblickt man den Stein von Rosette. Die Inschriften dieser Stele zu Ehren des Königs Ptolemaios waren für Ägyptologen der Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen. Auch wenn weder Stein noch Sarg Originale sind – für El Awdan öffnet sich hier mit jeder Tür eine Schatzkammer.

Vielleicht haben Howard Carter – der Mann, der 1922 das Grab Tutanchamuns entdeckte – und El Awdan, der Leiter eines Heilbronner Reisebüros, mehr Gemeinsamkeiten, als man zunächst vermutet. Der 56-jährige Geschäftsmann, der in Alexandria aufgewachsen ist, will die Menschen zu einer Reise in die Tausende von Jahren zurückreichende Geschichte seines Landes mitnehmen. Nicht als Ausflugsveranstalter, sondern als Ausstellungsmacher.

Dieses Ziel verfolgt er so unbeirrbar wie der Brite Carter damals seine Ausgrabungen. Zeitzeugen berichten von der Hartnäckigkeit, die den Autodidakten aus Kensington einen der bedeutendsten Funde für die Ägyptologie machen ließ. Dabei sah es eine Weile nicht gut aus. Sein Finanzier Lord Carnarvon wollte nach fünf Grabungswintern kein Geld mehr geben. Carter und sein Projekt standen vor dem Aus.

Der Goldesel

Doch dann hatten die Götter ein Einsehen. Der Legende nach soll Carters Esel im Tal der Könige in den Sand eingesunken und sein Reiter just an dieser Stelle auf eine steinerne Treppenstufe gestoßen sein. Fest steht: die Treppe wurde frei gelegt und eine vermauerte Türöffnung mit dem königlichen Siegel des Tutanchamun gefunden. Carter war sofort klar: Er war am Ziel – vor der Grabkammer des sogenannten Kinderpharao, der nach seinem Tod 1327 vor Christus hier bestattet worden war. Tutanchamun, Sohn des Echnaton, wurde nur 19 Jahre alt. Um die 5000 Grabbeigaben hat ihm sein Hofstaat mit auf die Reise ins Jenseits gegeben, wo er zu einem Gott werden sollte.

Mohamed El Awdan hat nicht über Jahrzehnte gegraben. Aber wer ihm begegnet, merkt schnell, dass auch er von seiner Idee beseelt ist. Auch er ist ein Autodidakt, einer der tief in sein Thema eintaucht und alles begierig in sich aufsaugt.

Dass er in Ägypten geboren sei, heiße noch lange nicht, dass er die Geschichte seines Landes mit der Muttermilch aufgesogen habe, sagt er. Sie ist damals kein Thema in der Schule. Dort steht nicht die Vergangenheit, sondern die glorreiche sozialistische Zukunft unter dem Nasser-Regime auf dem Stundenplan. Später, nach dem Attentat auf den Präsidenten Anwar as-Sadat, weiß der junge El Awdan endgültig, dass er nicht mehr in seinem Vaterland bleiben will. Da hat er schon ein Agrarwissenschaftsstudium und den Militärdienst hinter sich und jobbt als Steward im Mittelmeer. Auf einem dänischen Kreuzfahrtschiff lernt er ein Ehepaar aus Reutlingen kennen. Die beiden würden ihn in Deutschland aufnehmen. Das ist 1981. Er bucht eine Schiffspassage und verlässt sein Land.

Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Statt sich an der Universität Hohenheim weiter in die Agrarwissenschaft zu vertiefen, studiert El Awdan Touristik in Heilbronn, heiratet und wird Deutscher. Mit den ersten Ägyptentouren als Reiseführer von Rucksacktouristen entdeckt er das Land wieder, dem er als junger Mann den Rücken kehrte. „Da ist die Liebe gekommen“, sagt er. Und damit auch seine Leidenschaft, die Geschichte Ägyptens zu ergründen.




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