Ägyptische Hieroglyphen Blumen und Rinderbeine für Ahmose-Nefertari

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Muss es nicht monumental sein, vor einer Grabanlage in Abydos zu stehen und die Namen der einstmals mächtigen Könige selbst lesen zu können? Oder im Louvre vor einem Türsturz aus Medamud alleine zu erkennen, dass darauf Sesostris III. zu sehen ist, der dem Gott Month Brot und Weihrauch opfert? Auf einer Stele im Louvre den Bürger Parennefer zu verfolgen, der der Königin Ahmose-Nefertari huldigt, indem er ihr Salbe, Blumen und Rinderbeine darbringt? In einem Grabpfeiler im Ägyptischen Museum in Berlin König Sethos I. zu erkennen, der von Osiris, dem Herrscher der Unterwelt, die Mächtigkeit des Sonnengottes Ra verliehen bekommt?

Näher kann man sich den alten Ägyptern wahrscheinlich nicht fühlen als bei der Vertiefung in ihre teils mehr als 5000 Jahre alten Kunstwerke. „Ich krieg’ immer Gänsehaut, wenn ich so etwas sehe“, schwärmt Michael Höveler-Müller.

Draußen glüht die Sonne ihrem Untergang entgegen, das Gezwitscher der Vögel wird leiser. Höchste Zeit für den krönenden Abschluss des Kurstages. An der Wand erscheint – die Schüler erkennen ihn sofort – Osiris. Nefertari, die – wie jeder weiß – Gemahlin von Ramses II., hat einen riesigen Opferberg vor dem Totengott aufgetürmt. „Und“, fragt Michael Höveler-Müller seine Schüler erwartungsvoll, „was sagt Osiris?“ Zischen, Grummeln, Grübeln, Rätseln. Dann stockendes und wechselweises Sprechen: „Hiermit gebe ich dir, das Erscheinen des Ra im Himmel.“ – „Hiermit gebe ich dir alle Ewigkeit vor mir“ – „Hiermit gebe ich dir alle Herzensfreude vor mir.“ Auf Neudeutsch: Osiris gewährt Nefertari ein unendliches Leben in Harmonie. „Ist das nicht toll?“, ruft der Lehrer.

Alle Schüler haben rote Backen, fast alle lächeln, manche lassen sich sogar ein Buch von Michael Höveler-Müller signieren. Sieht nicht so aus, als ob sie ihn hassen.

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