Änderungen ab 1. April EnBW senkt Strompreise – doch für manche wird es teurer
Der Energieversorger EnBW verlangt von vielen Haushalten bald weniger Geld für Strom. Für manche wird es aber sogar teurer. So ändert sich der Strompreis ab April.
Der Energieversorger EnBW verlangt von vielen Haushalten bald weniger Geld für Strom. Für manche wird es aber sogar teurer. So ändert sich der Strompreis ab April.
Baden-Württembergs größter Energieversorger EnBW senkt zum 1. April die Preise für Strom in der Grund -und Ersatzversorgung. Das sei dank eines vorausschauenden Energieeinkaufs und trotz steigender Netzentgelte und Umlagen möglich, teilte der Karlsruher Konzern am Donnerstag mit. Für einen Musterhaushalt mit zwei bis drei Personen und einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden (kWh) mache das unterm Strich eine Einsparung von rund 1,6 Prozent oder 23 Euro jährlich aus. Doch nicht alle Kunden sparen – für manche wird der Strom künftig sogar teurer.
Nicht nur wegen des Kriegs in der Ukraine sind die Energiepreise zuletzt teils deutlich gestiegen. Die EnBW hat nun aber gute Nachrichten für ihre Kunden: Der Verbrauchspreis, der unter anderem die Beschaffungskosten enthält, sinkt um 1,14 Cent pro kWh auf 40,57 Cent pro kWh. Im Gegenzug steigt der monatliche Grundpreis für einen Musterhaushalt leicht an – von 209 Euro auf 220 Euro pro Jahr. Im Grundpreis sind unter anderem die festen Bestandteile der Netznutzungsentgelte enthalten. Energieanbieter zahlen diese Gebühr für die Nutzung der Strom- und Gasinfrastruktur an die Netzbetreiber – und geben sie in der Regel an die Verbraucher weiter.
Unterm Strich ergibt sich aus der Preisänderung für die meisten Haushalte eine Entlastung, versichert der Energieversorger, der rund 5,5 Millionen Kunden hat. Künftig etwas tiefer in die Tasche greifen müssen diejenigen, die sehr wenig Strom verbrauchen. Die EnBW rechnet vor: Wer weniger als 922 kWh pro Jahr verbraucht, muss bald mehr bezahlen. Dies könne beispielsweise auf den Haushalt eines berufstätigen Singles oder das Treppenhauslicht eines Mehrfamilienhauses zutreffen. Denn in diesen Fällen neutralisiere der steigende Grundpreis die Einsparungen beim Verkaufspreis.
EnBW-Vertriebsvorstand Dirk Güsewell erklärt die Preissenkung mit dem vorausschauenden und langfristigen Einkauf in mehreren Tranchen. So habe die EnBW bereits während der Energiekrise starke Preissprünge abfedern können. „Diese Entwicklung ist – wie schon die Preisstabilität unserer Gaspreise zum Jahreswechsel – nicht selbstverständlich“, sagte er. „Denn erneut sind Preisbestandteile wie Netzentgelte, Abgaben, Umlagen und Steuern, die wir nicht beeinflussen können, gestiegen“, so der Vertriebschef. Diese Kosten machen 60 Prozent des Strompreises aus.
Vor einem Jahr hatte die EnBW die Strompreise noch kräftig um 15,9 Prozent angehoben. Mit Blick in die Zukunft forderte Güsewell den Umbau des Stromsystems mit Augenmaß voranzutreiben: „Nur so können wir die Energiekosten und die Belastung für Kundinnen und Kunden im Griff behalten und langfristig tragbare Energiepreise anbieten.“ Der Strommanager mahnte: Wenn die vom Staat festgelegten oder regulierten Preisbestandteile immer weiter steigen, müssten sich die Verbraucher trotz sinkender Beschaffungskosten künftig auf Preiserhöhungen einstellen.
Tanzt die EnBW mit ihrer aktuellen Preissenkung aus der Reihe? Ja und Nein, denn: „Die Preispolitik der Strom-Grundversorger ist derzeit uneinheitlich“, sagt Energieexperte Thorsten Storck vom Vergleichsportal Verivox auf Anfrage unserer Redaktion. „Für Februar, März und April liegen uns aktuell 37 Preissenkungen von durchschnittlich 11 Prozent vor, gleichzeitig gibt es 23 Preiserhöhungen von durchschnittlich 15 Prozent“, erklärt der Experte weiter. Der bundesweite Durchschnittspreis des örtlichen Strom-Grundversorgungstarifs liege im Februar 2025 bei 43,78 Cent/kWh (Grundpreis inklusive). In Baden-Württemberg liege der durchschnittliche Preis bei 44,77 Cent/kWh.
Laut dem Vergleichsportal lohnt sich für Verbraucher aktuell ein Tarif- oder Anbieterwechsel: „ Kunden außerhalb der Grundversorgung zahlen bedeutend weniger“, betont Verivox-Experte Storck. So liege der günstigste Tarif mit einer Preisgarantie von 12 Monaten im Bundesschnitt aktuell bei rund 29 Cent/kWh (Grundpreis inklusive). „Wer aus dem Grundversorgungstarif wechselt, kann die Stromkosten um fast ein Drittel reduzieren. Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh sind das fast 600 Euro.“
Auch die Verbraucherzentralen raten Stromkunden zu einer Überprüfung, ob ein Tarif- oder Anbieterwechsel infrage kommt. Sie sollten demnach bei einem Tarifportal nachschauen, wie hoch die Wechselersparnis sein könnte. Konkret sollten die Haushalte nachsehen: Wie viel zahle ich im Moment? Was habe ich für eine Kündigungsfrist? Wie lange läuft mein Vertrag noch? Wer mit seinem aktuellen Anbieter zufrieden sei, könne sich auch dort nach anderen Tarifen erkundigen und gegebenenfalls in einen günstigeren Tarif wechseln.
Bei Neuverträgen raten die Verbraucherschützer zu einer Laufzeit von 12 Monaten. Bei Bonustarifen sollten Stromkunden schauen, unter welchen Bedingungen der Bonus ausgezahlt werde. Achten sollte man auch darauf, nicht an einen unseriösen Anbieter zu geraten. Haushalte könnten etwa mit einer Internetrecherche herausfinden, ob es in der Vergangenheit Probleme mit einem Anbieter gab.