Änderungen für Krankenhaus Das ist für den Medizinstandort Herrenberg geplant
Bundesrechtliche Vorgaben zwingen den Kreistag zu einer Abkehr von den ursprünglichen Plänen für das Herrenberger Krankenhaus.
Bundesrechtliche Vorgaben zwingen den Kreistag zu einer Abkehr von den ursprünglichen Plänen für das Herrenberger Krankenhaus.
Der Medizinstandort Herrenberg wird ab dem zweiten Quartal 2026 nur noch eine ambulante Notfallversorgung haben – und zwar im Rahmen des dann neuen Integrierten Gesundheitszentrums Herrenberg (IGZ). Das hat der Kreistag in Böblingen am Montag mit großer Mehrheit beschlossen.
Damit fallen nicht nur die bisher gewohnte klinische Vollversorgung und die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) weg, sondern auch der ursprüngliche Plan, weiterhin eine 24/7-Notaufnahme anzubieten.
Grund für die Anpassung sind bundesrechtliche Vorgaben, die für Medizinstandorte mit der in Herrenberg geplanten Größe keine Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung gestatten. „Neue gesetzliche Vorgaben, der Rückzug der KV aus der Notfallpraxis und der verschärfte Fachkräftemangel zwingen uns, unsere Pläne an die Wirklichkeit anzupassen. Alles andere wäre unverantwortlich,“ sagte Landrat Roland Bernhard. Wie das Landratsamt in einer Pressemitteilung schreibt, werden im IGZ künftig von 8 bis 18 Uhr leichte internistische und chirurgische Notfälle ambulant versorgt, die Notfallversorgung soll über den Rettungsdienst und digitale Lotsen gesteuert werden. Bei letzteren handelt es sich um Angebote im Internet, bei denen Patienten Symptome eingeben und so eine Ersteinschätzung ihres Falles erhalten können.
Schwere Notfälle müssten wie bisher in umliegenden Krankenhäusern wie Sindelfingen, Nagold, Calw oder Tübingen behandelt werden. Wie der Landkreis weiter schreibt, würden heute nur circa 50 Prozent der vom Rettungsdienst betreuten Notfälle in Herrenberg und Umgebung auch in das dortige Krankenhaus gefahren.
Weiterhin werde im ehemaligen „Klinikum Herrenberg“ noch eine internistische Basisversorgung mit 40 und eine Palliativversorgung mit vier bis sechs Betten integriert. Außerdem sei ein ambulantes OP-Zentrum für den gesamten Klinikverbund geplant. Darüber hinaus werde eine „Geriatrische Rehabilitation“ und Kurzzeitpflege mit jeweils 30 Plätzen eingerichtet. Die Rettungswache soll ab März 2026 über einen zweiten Rettungswagen verfügen, der auch nachts ausrücken könne. Dazu komme weiterhin auch nachts ein Notarztfahrzeug. Das ebenfalls vorgesehene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) werde hausärztliche und kinderärztliche Leistungen anbieten.
Die Kreistagsfraktionen bedauerten den weiteren Rückbau des Gesundheitsstandorts. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler und ehemalige Oberbürgermeister Herrenbergs, Thomas Sprißler, erklärte: „Wir müssen nicht drumherum reden, das ist eine weitere Schwächung für Herrenberg. Wir können die Rahmenbedingungen aber auch nicht ignorieren.“
Roland Mundle (Grüne) wies darauf hin, dass gegenüber der Bevölkerung eine „sehr gute Kommunikation“ betrieben werden müsse, um „Verunsicherung“ zu reduzieren. Mundle betonte zudem die Bedeutung eines zweiten Rettungswagens vor Ort, den Ausbau der 116 177 und die digitalen Angebote. Dieter Haarer von der CDU forderte, Bürgerinnen und Bürger klar über die Wege zu informieren, die ab Juni 2026 bei Notfällen zu gehen sind.