Ärger am Stuttgarter Hauptbahnhof Kurzparker nerven Busfahrer

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Durch die Großbaustelle Stuttgart 21 sind Kurzparkplätze am Hauptbahnhof weggefallen. Autofahrer halten deshalb auf der Busspur. Das führt zu Konflikten.

Ein Autofahrer hält auf der Busspur am Arnulf-Klett-Platz gegenüber dem Hauptbahnhof. Erlaubt ist das nicht – auch wenn man nur kurz jemanden ein- oder aussteigen lässt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Ein Autofahrer hält auf der Busspur am Arnulf-Klett-Platz gegenüber dem Hauptbahnhof. Erlaubt ist das nicht – auch wenn man nur kurz jemanden ein- oder aussteigen lässt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Manche sprechen von Kleinkrieg, andere Passagiere berichten von Busfahrern, die fluchen wie die Bierkutscher: Es ist stressig an den Haltestellen vor dem Hauptbahnhof. So stressig, dass die Berufschauffeure mitunter die Contenance verlieren – oder alternativ auch mal die Polizei hinzuziehen. Der Stein des Anstoßes: Eigentlich herrscht dort ein absolutes Halteverbot für Autofahrer. Das ist aber vielen egal. „Nur kurz“, ist die lapidare Entschuldigung beziehungsweise Ausrede, wenn sie dieses Gebot missachten. Sehr zum Ärger der Busfahrer, die dann nicht fahrplangerecht zügig ein- und ausscheren können, um im starken Verkehr mitzuschwimmen. Besonders eng wird es für die Fahrer im Berufsverkehr und am Sonntagabend, wenn etliche Wochenendpendler ankommen und sich direkt vor dem Bahnhof mit Privatfahrzeugen abholen lassen.

„Wir können nur einschreiten, wenn wir gerufen werden“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Natürlich kümmere sich die Polizei dann um die Lage, sei aber nicht ständig präsent. „Wenn es sein muss, wird ein Autofahrer auch verwarnt.“ Dann wird ein Bußgeld fällig. Die Konflikte seien mitunter aber nur von kurzer Dauer. Denn das Auto, das einen Busfahrer störe, stehe da eben nur, bis der Bahnreisende ein- oder ausgestiegen sei. Das Problem bestehe auf beiden Seiten, berichten Pendler, ­sowohl direkt vor dem Hauptbahnhof, als auch gegenüber an der Königstraße.

Viele Stellplätze sind weggefallen

„Es hat sich rund um den Bahnhof eben viel geändert“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Die Gewohnheiten vieler Abholer seien aber die gleichen geblieben: „Nur kurz“ jemanden direkt am Bahnhof ein- oder aussteigen zu lassen ist laut Beobachtern vor allem bei Fahrgästen aus den umliegenden Landkreisen beliebt: Offenbar wollen diese vor oder nach einer Reise nicht auch noch eine längere S-Bahn-Fahrt in Kauf nehmen. Stuttgarter scheuen wohl weniger den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, sind sie doch beim Einrollen in den Bahnhof schon so gut wie am Ziel.

Dazu kommt, dass sich die Kunden der Bahn bereits häufig umgewöhnen mussten: Weggefallen sind im Laufe der Jahre erst die halb legalen Stellplätze am Südausgang bei der Expressguthalle, der Kurzparkplatz am Nordausgang und die wenigen Parkbuchten vor dem Hauptausgang. Auch ein provisorisch eingerichteter Parkplatz am Kurt-Georg-Kiesinger Platz ist weg. Die letzte oberirdische Möglichkeit für einen „Kiss-and-ride-Service“ – das Absetzen mit einem Bussi – war am Nordausgang. „Überall sind nun bauliche Einrichtungen, aber wir haben neue Plätze ausgewiesen“, sagt der Bahn-Sprecher. Dass diese nicht auf allzu große Begeisterung stoßen, versteht man auch bei der Bahn. Denn die Passagiere sollen mit ihren Abholern ein Treffen im LBBW-Parkhaus ausmachen. Die ersten 15 Minuten sind dort kostenlos. „Aber manche scheuen eben den Weg ins Parkhaus, das können wir schon nachvollziehen“, sagt der Pressesprecher. Dabei sei der Weg vom Querbahnsteig zum Parkhaus sogar kürzer als der vom Gleis zum Hauptausgang. „Aber das ist gefühlt einfach für viele immer noch der Ausgang, da gewöhnt man sich nicht so schnell um“, fügt er hinzu.

Auch die Taxen werden zum Problem

Doch nicht nur mit den Privatautos, die kurz halten, ergeben sich Probleme im Bereich der Bushaltestellen am Hauptbahnhof. „Momentan haben wir das Problem, dass sich die Taxen bis auf den Bussonderfahrstreifen zurückstauen“, teilt der städtische Pressesprecher Martin Thronberens mit. Die Stadt führe seit Längerem mit allen Beteiligten Gespräche. Zusammen mit den SSB habe man die Haltestelle umgestaltet, damit mehr Platz ist. Außerdem sei vereinbart, dass die Verkehrsüberwachung der Stadt – im Rahmen des rechtlich und personell Möglichen – den Bereich verstärkt kontrolliert.

Nicht zuletzt habe man mit der Taxi-Auto-Zentrale gesprochen und sie gebeten, dass die Taxifahrer die Busspur nicht blockieren sollen. Dafür sei auch extra ein neuer Taxistand an der Straße Am Hauptbahnhof eingerichtet. Das ist im Bereich nördlich des Bahnhofs, wo es zur LBBW geht. Das Ordnungsamt werde die aktuellen Beschwerden zum Anlass nehmen, sich noch einmal mit der Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale ins Benehmen zu setzen.

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