Ärger an der Uni Tübingen Dauerparker zahlen 25 Euro im Monat – und haben keinen Platz sicher
Seit Oktober kassiert die Parkraumgesellschaft BW für Parkplätze der Uni Tübingen. Doch es gibt Technikprobleme. Eine Uni-Angestellte will ihr Geld zurück.
Seit Oktober kassiert die Parkraumgesellschaft BW für Parkplätze der Uni Tübingen. Doch es gibt Technikprobleme. Eine Uni-Angestellte will ihr Geld zurück.
Wer in dieser Woche auf den Parkplatz Morgenstelle Süd bei den Tübinger Kliniken zusteuert, kann einfach an der Schranke vorbeifahren. Denn die bleibt oben – und zwar bei jedem beliebigen Autofahrer mit jedem beliebigen Kennzeichen, trotz Hinweisschild auf Kennzeichenerkennung. Johanna Rapp ist verärgert.
Nicht, weil die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Tübingen anderen Autofahrern keinen der 27 Stellplätze gönnt, sondern weil sie jeden Monat 25 Euro für einen garantierten PKW-Platz zahlt – während andere ihren Wagen teils kostenlos abstellen können, berichtet sie. Und weil jeder auf das Parkgelände fahren kann, können sich die Uni-Angestellten und Studierenden mit sogenanntem Dauerparkvertrag nie sicher sein, ob sie auch einen der Parkplätze bekommen, der ihnen für den monatlichen Betrag zusteht.
Hintergrund ist die seit mehr als zwei Monaten nicht funktionierende Technik. Für die Bewirtschaftung der Uni-Parkplätze und damit die Zufahrtskontrolle ist seit dem 1. Oktober die Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg, kurz PBW, zuständig. Von der Landes-Tochter ist Rapp enttäuscht, seit Wochen schreibt die 33-Jährige den Verantwortlichen und erhält erst lange gar keine Rückmeldung, dann Standard-beziehungsweise ausweichende Antworten.
Auch an das Büro der Staatssekretärin Elke Zimmer in ihrer Rolle als PBW-Aufsichtsratsvorsitzende hat sich Rapp gewandt – mit mäßigem Erfolg. Ihre Nachricht wurde lediglich an die PBW weitergeleitet. Also entschied sich die 33-Jährige für den Gang an die Öffentlichkeit – in der Hoffnung, die Parkgesellschaft doch noch dazu zu bringen, für eine funktionierende Technik zu sorgen. „Es gab dadurch auch Situationen, dass Autos außerhalb markierter Parkplätze abgestellt werden mussten“, berichtet Rapp. Allein am Campus Morgenstelle müssten mehr als 300 Mitarbeiter und Studierende betroffen sein, schätzt sie.
Für Rapp ist der Fall klar: „Die PBW erhebt Parkgebühren von Landesangestellten, ohne die versprochene Gegenleistung zu erbringen.“ Nachgefragt bei der PBW, räumt die Gesellschaft über den Sprecher einer PR-Agentur ein: „Bei der technischen Ausstattung der Parkplätze kam es an den Universitätsparkplätzen in Tübingen zu Verzögerungen.“ Als Gründe werden unter anderen „kurzfristige Lieferverzögerungen bei einzelnen Bauteilen sowie witterungsbedingte Einschränkungen“ angeführt. Man arbeite aber „mit Hochdruck daran, die Systeme vollständig in Betrieb zu nehmen“.
Während dieser Arbeiten stelle man durch „manuelle Kontrollen“ sicher, dass „nur berechtigte Fahrzeuge die Parkflächen nutzen“. Die Parkplätze, an denen die Technik noch nicht funktioniert, stünden „ausschließlich Dauerparkenden zur Verfügung“, also Menschen wie Johanna Rapp. Doch die 33-Jährige hat in den vergangenen Tagen erneut beobachtet, wie Autos außerhalb der Parkflächen abgestellt wurden, „sogar in der Feuerwehrzufahrt hat jemand geparkt“, berichtet sie.
Sie könne sich nur an ein einziges Mal erinnern, als ein Zettel an den parkenden Autos darauf aufmerksam machte, dass die PBW die Parkfläche bewirtschafte. „Die waren aber an jedem Auto angebracht, nicht nur an den falsch parkenden“, sagt sie.
Insgesamt liegen 40 Tübinger Uni-Parkplätze mit 1800 Stellplätzen in der Verantwortung der PBW, bei sieben davon würden derzeit „noch letzte Feineinstellungen umgesetzt“, teil die Landes-Tochter mit. Auch das baden-württembergische Verkehrsministerium hat bereits eine Beschwerde erreicht, teilt ein Sprecher mit. „Unseren Informationen nach wird manuell kontrolliert, so lange die Technik noch nicht überall läuft“, heißt es: „Das ist auch unsere Erwartung, dass als Reaktion auf technische Probleme zeitweise schlicht manuell überwacht wird.“
Johanna Rapp muss sich also weiter in Geduld üben. Sie hat bereits ihr Geld zurückgefordert und gegenüber der PBW rechtliche Schritte angekündigt. Als Antwort erhielt sie, dass die monatlichen 25 Euro „ordnungsgemäß erhoben“ worden seien. „Der Kundenservice“, sagt Rapp, „ist beschissen“.