Ärger bei Bietigheimer Stadtwerken Bestechlichkeit? Neuer Stadtwerke-Chef startet mit Hypothek

Herbert Marquard hat zum 1. August interimsweise die Geschäftsführung der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen übernommen Foto:  

Nach einem anonymen Hinweis wird gegen Herbert Marquard, Interimsgeschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg), ermittelt. Der geht von einer Hetzkampagne aus.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Erst Anfang Juli hatten die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen bekanntgegeben, sich von ihrem bisherigen Geschäftsführer Richard Mastenbroek zu trennen und Herbert Marquard, bislang Chef der Stadtwerke Pforzheim (SWP), als Interimsgeschäftsführer für ein Jahr ins Boot zu holen. Die Bietigheimer waren zuletzt in wirtschaftliche Schieflage geraten und wegen Schadenersatzforderungen gegen ehemalige Mitarbeiter in die Schlagzeilen gekommen. Nun ist Marquards Start an Metter und Enz, der am 1. August erfolgt ist, mit einer Hypothek belastet.

 

Laut Johannes Jungmann, Erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Pforzheim, besteht ein Anfangsverdacht gegen Marquard, sich unrechtmäßig persönliche Vorteile verschafft zu haben. Konkret gehe es um den Verdacht, dass der damalige Geschäftsführer der SWP bei einem Auftrag zur Beleuchtung des Pforzheimer Heizkraftwerks unterlassen habe, Vergleichsangebote einzuholen, die voraussichtlich günstiger gewesen wären. „Zum anderen bestehen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Anhaltspunkte dafür, dass seitens der damaligen SWP-Leitung pflichtwidrig auf die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen verzichtet wurde, nachdem eine tatsächliche Nutzung der Lichtanlage wegen bestehender Beleuchtungsverbote – je nach Jahreszeit – nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt möglich war.“

Es gilt die Unschuldsvermutung

Zudem bestehe ein Anfangsverdacht, dass Marquard persönliche Vorteile als Gegenleistung durch den Prokuristen des Dresdner Beleuchtungsunternehmens erhalten habe. „Ob und in welchem Umfang tatsächlich Gegenleistungen gewährt wurden, ist derzeit allerdings noch Gegenstand der Ermittlungen“, so Jungmann.

Der Staatsanwalt erklärt weiter, das Ermittlungsverfahren befinde sich in einem sehr frühen Stadium. Die beiden Beschuldigten – Marquard und der Prokurist des Beleuchtungsunternehmens – seien erstmals am 14. August mit den Vorwürfen konfrontiert worden. An diesem Tag kam es laut Jungmann zur gerichtlich angeordneten Beschlagnahme von Unterlagen und weiteren Beweismitteln in mehreren Privat- und Geschäftsräumen im Raum Pforzheim sowie im Raum Dresden – dort hat das Beleuchtungsunternehmen seinen Sitz.

Die Beschuldigten „werden nun Gelegenheit dazu erhalten, sich zu den Vorwürfen der Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr beziehungsweise der Bestechung im geschäftlichen Verkehr zu äußern“, so der Staatsanwalt. Und er betont ausdrücklich, für beide Beschuldigte gelte trotz des gegen sie eingeleiteten Ermittlungsverfahrens die Unschuldsvermutung.

Anonymer Hinweis eine Hetzkampagne?

Eine Sprecherin der Stadtwerke Pforzheim berichtet von anonymen Compliance-Vorwürfen, die das Unternehmen im vergangenen Jahr erreicht hätten und die sich gegen den damaligen Geschäftsführer Herbert Marquard in Zusammenhang mit der Vergabe der Beleuchtung des Pforzheimer Heizkraftwerks gerichtet hatten. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Pforzheim habe im Juli die Entlastung des ehemaligen Geschäftsführers für das Geschäftsjahr 2024 verweigert.

Herbert Marquard weist die Vorwürfe von sich. Er habe mit der Auftragsvergabe an das Beleuchtungsunternehmen nichts zu tun gehabt. In dem anonymen Hinweis an die Staatsanwaltschaft sieht er eine Hetzkampagne eines einzelnen Mitarbeiters. Welchen Grund der Mitarbeiter für so etwas haben könnte, sei ihm „unerklärlich und bis heute nicht greifbar“, so Marquard gegenüber dieser Zeitung.

Vorwürfe bekannt und glaubhaft widerlegt

Seitens der Stadt Bietigheim-Bissingen heißt es, Marquard habe schon bei seiner Vorstellung im Aufsichtsrat des Unternehmens auf den Vorgang hingewiesen und die Vorwürfe glaubhaft widerlegt. „Daher vertrauen wir auf eine positive Erledigung der staatsanwaltlichen Untersuchung“, so eine Sprecherin. Tatsächlich stünden die Vorwürfe gegen ihn schon seit Mai letzten Jahres im Raum, so Marquard.

Der OB von Bietigheim-Bissingen, Jürgen Kessing, sieht die Vorwürfe gegen Marquard als „glaubhaft widerlegt“ an. Foto: Imago

Marquard, der sich in der Branche einen Ruf als Sanierer in der Energiewirtschaft erarbeitet hat, hatte die Geschäftsführung der SWP 2019 in einer wirtschaftlich schwierigen Lage übernommen. In einer Pressemitteilung zum bevorstehenden Wechsel nach Bietigheim-Bissingen hatten sich die Stadtwerke Pforzheim gegenüber Marquard als „überaus dankbar für sein enormes Engagement in den vergangenen Jahren“ gezeigt.

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