Ärger bei der ARD Auslandsreporter gegen „Weltspiegel“-Verlegung

An einer ARD-Institution wird gerüttelt: Der neben anderen von Ute Brucker moderierte „Weltspiegel“ soll seinen Sonntagsplatz verlieren. Foto: obs/Patricia Neligan
An einer ARD-Institution wird gerüttelt: Der neben anderen von Ute Brucker moderierte „Weltspiegel“ soll seinen Sonntagsplatz verlieren. Foto: obs/Patricia Neligan

Er gehört für manche Zuschauer zum Sonntag wie der „Tatort“: Der „Weltspiegel“ im Ersten. Aber nun soll das Auslandsmagazin vom gewohnten Platz weichen.

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Berlin - Die geplante Verlegung des Fernsehmagazins „Weltspiegel“ stößt bei einer Reihe von ARD-Auslandsreportern auf große Skepsis. „Die Verschiebung des seit 58 Jahren eingeübten „Weltspiegel“-Sendeplatzes am Sonntagabend auf den Montag um 22.50 Uhr (...) ist eine drastische Schwächung der Auslandsberichterstattung im Ersten“, steht in einer senderinternen Stellungnahme von mehr als 40 Unterzeichnern an die ARD-Chefetagen, die der Branchendienst „Medienkorrespondenz“ veröffentlichte.

„Die absoluten Zuschauerzahlen werden uns nicht zufriedenstellen“, heißt es in dem Schreiben der betroffenen Journalisten. „Derzeit liegen sie Montagabend nach den „Tagesthemen“ durchschnittlich bei ca. 1,3 Millionen, gegenüber derzeit rund 2,1 Millionen am Sonntagabend. Unser lineares Stammpublikum ist nicht jung und wird uns um diese Uhrzeit wohl kaum im bisherigen Maße treu bleiben.“

Die Pläne werden verteidigt

Die ARD-Verantwortlichen Christine Strobl (Programmdirektorin), Oliver Köhr (ARD-Chefredakteur) und Florian Hager (stellvertretender Programmdirektor und Channel-Manager der ARD-Mediathek) reagierten mit einem gemeinsamen Statement: „Der „Weltspiegel“ ist und bleibt Kern der ARD-Auslandsberichterstattung.“ Das breite Netz der Korrespondentinnen und Korrespondenten sei einzigartig.

„Ihre Kompetenz und ihre Expertise werden auch künftig nicht nur eine zentrale Rolle im Ersten - auch in der Primetime - spielen, sondern die Schlagkraft soll im non-linearen Bereich ausgebaut werden“, so die drei ARD-Verantwortlichen zu ihren Plänen. „Es ist das Bestreben, die Informationsangebote in allen Ausspielwegen zu schärfen und zu stärken und damit die Informationskompetenz in der ARD insgesamt zu stärken. Eine Platzierung des „Weltspiegel“ nach den „Tagesthemen“ würde die Möglichkeit bieten, aktuelle Themen aus internationaler Sicht zu vertiefen und einzuordnen.“

Es geht um die Digitalnutzer

Strobl hatte im Juni in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur zudem erklärt, Dokumentationen und Serien seien „die Erfolgsgaranten in der digitalen Welt“. Das Dokumentarische werde für die ARD „an Bedeutung gewinnen“. In der TV-Branche gelten Dokus für Mediathekennutzer als attraktiver im Vergleich mit Videos von tagesaktuellen Formaten.

Der Deutsche Kulturrat kritisierte die Pläne: „Selbstverständlich müssen Sender stets darüber reflektieren, ob Sendeplätze passend sind und die Zielgruppe erreicht wird. Eine Sendung allerdings auf einen Sendeplatz zu verschieben, der im linearen Programm nur noch von Enthusiasten geschaut wird, ist vollkommen unverständlich.“




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