Das DRK-Gebäude auf dem Flugfeld Foto: Stefanie Schlecht
Der DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Hesl polarisiert: Während ihm die Führungsriege ausdrücklich den Rücken stärkt, zeichnen manche Hauptamtliche ein anderes Bild.
Im Roten Kreuz schlagen die Wogen weiter hoch. Am vergangenen Montag trafen sich erneut Rettungssanitäter mit einer Anwältin der DRK-Rettungsdienst gGmbH vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht. Es ging um die Untersagung von Nebentätigkeiten im Krankentransport. Die Fronten zeigten sich allerdings verhärtet: eine gütliche Einigung kam nicht zustande. Noch viel höher schlagen die Wellen, seitdem unsere Zeitung Mitte März die auffällig hohe Fluktuation auf der Führungsetage aufgedeckt hat.
Die mutmaßlichen Gründe dafür: Die Art und Weise wie Kreisgeschäftsführer Wolfgang Hesl mit einzelnen Mitarbeitern umgehen soll. Geschildert werden Wutausbrüche, Herabwürdigungen, Kündigungen oder deren Androhung. Nach der Veröffentlichung erreichte unsere Redaktion eine ungewöhnlich hohe Zahl an Zuschriften, die die geschilderten Zustände bestätigen. Die Kommentare unter dem Bericht in den sozialen Medien unterstreichen dieses Bild.
Zwar hielten einzelne etwa auf Facebook öffentlich dagegen. Doch viele sprechen von unerträglichen Situationen und einem schlechten Betriebsklima. Unserer Zeitung liegen Berichte vor, nach denen der Kreisgeschäftsführer bei einer Besprechung auf einer Rettungswache Mitarbeiter so angeschrien haben soll, dass diese in Tränen ausbrachen. Um eine Stellungnahme dazu gebeten, bestreitet der Kreisverband den Vorgang: „Ein derartiger Vorfall hat nicht stattgefunden.“ Weitere Schilderungen gehen in eine ähnliche Richtung. Bei einer Mitarbeiter-Versammlung soll Wolfgang Hesl auf eine kritische Nachfrage aus der Belegschaft harsch reagiert und mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht haben.
Dies räumt der Kreisverband zum Teil ein. Es sei zwar keine Kündigung angedroht worden, heißt es. Es sei aber richtig, „dass im Rahmen von Mitarbeiterversammlungen anlassbezogen arbeitsrechtliche Verhaltensanforderungen sowie mögliche Konsequenzen von Fehlverhalten thematisiert werden“. Dies sei Teil der Organisations- und Fürsorgepflicht. Vieles deutet daraufhin, dass der Geschäftsführer ein Freund davon ist, hart durchzugreifen. Das zeigen die Schilderungen in einem anderen Fall. Dieser spielt im Bereich der Alten- und Pflegeheime – einem großen Bereich des DRK.
An ihre letzte Station beim Roten Kreuz denkt Liana Hovsepyan nur ungern zurück. Nachdem sie elf Jahre in der Verwaltung des DRK-Pflegeheims Haus am See gearbeitet hatte, entschloss sie sich 2024 zu einer Weiterbildung, um selbst eine ganze Einrichtung leiten zu können. Noch vor Abschluss ihrer berufsbegleitenden Seminare wurde ihr eine Stelle als Heimleiterin des Pflegeheims in Malmsheim angeboten, die sie annahm. Dieser Karriereschritt sollte sich allerdings als enorme persönliche Belastung entpuppen.
DRK-Führungskraft: Doppelbelastung führt zu Zusammenbruch
Sie habe von Anfang an die zugesagte Unterstützung vermisst, noch dazu sei kurz nach ihrem Antritt eine wichtige Verwaltungskraft in ein anderes Heim versetzt worden, sagt sie. Sie habe nicht nur die Heimleitung zu stemmen gehabt – sondern zusätzlich die Verwaltung. Die Doppelbelastung mit vielen Überstunden und Personalengpässen gepaart mit einem aus ihrer Sicht schwierigen Verhältnis zur Geschäftsführung gingen nicht lange gut: Fünf Monate nach Übernahme der Stelle brach Liana Hovsepyan im Juli 2025 bei der Arbeit zusammen und kam mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus.
Als sie am Montag darauf – entgegen des ärztlichen Rats – wieder zur Arbeit erschien, habe sie die Kündigung vom Roten Kreuz ausgehändigt bekommen. Der Kreisverband nimmt dazu wie folgt Stellung: „Hintergrund der beabsichtigten Beendigung des Arbeitsverhältnisses waren wiederholte Abweichungen von gesetzlich vorgegebenen Standards. In diesem Zusammenhang lagen Beanstandungen sowohl der Heimaufsicht als auch anderer externer Prüfstellen vor.“ Dies war das Ende der Zusammenarbeit. Das Kapitel Rotes Kreuz sei für sie endgültig beendet, dachte Liana Hovsepyan.
Vier Monate nach ihrem Ausscheiden erhielt sie jedoch Post von einer Anwaltskanzlei mit einer Inkasso-Forderung: Sie habe die Rechnung für Breinahrung monatelang nicht beglichen. Durch den Zahlungsverzug seien Anwalts- und Gerichtskosten aufgelaufen sowie Verzugszinsen zu bezahlen. Tatsächlich hatte sie sehr häufig routinemäßig die Nahrung in ihrer Funktion als Heimleiterin bestellt, erinnert sie sich. Sie fragte beim DRK nach: Dort habe man die ursprüngliche Rechnung zwar mittlerweile beglichen. Doch die Kosten für die Inkasso-Kanzlei seien ihre Sache, erhielt sie als Antwort.
Nach Kündigung noch Inkasso-Ärger
Dazu nimmt der Kreisverband wie folgt Stellung: „Hinsichtlich der angesprochenen Bestellung ist festzuhalten, dass diese durch die Mitarbeiterin unter Verwendung ihrer privaten Daten bei einem externen Anbieter vorgenommen wurde.“ Die Inkassoforderungen beträfen sie daher privat. Unserer Redaktion liegen Dokumente vor, die einen anderen Schluss zulassen: Die Inkasso-Anwälte stellten Kosten für eine Adressermittlung in Rechnung. Wo der Fehler letztlich entstanden ist, bleibt unklar. Sicher ist nur, dass die Inkasso-Kosten und der damit verbundene Ärger an der gekündigten Heimleiterin hängen geblieben sind.
Einsatz für den Menschen
Grundidee Das Deutsche Rote Kreuz engagiert sich im Katastrophenschutz, im Rettungsdienst sowie in der humanitären Hilfe im In- und Ausland.
Organisation Das DRK ist ein eingetragener Verein mit föderaler Struktur, bestehend aus Bundes-, Landes- und Kreisverbänden sowie Ortsvereinen. Neben hauptamtlichen Kräften wird das DRK deutschlandweit durch rund 400 000 ehrenamtliche Helfer getragen.