Ärger im Lenninger Tal Lastwagenlärm an sieben Tagen in der Woche

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Um Betonfertigteile für den Albvorlandtunnel produzieren zu können, lässt die Bahn jetzt auch sonntags Schotter durch das Lenninger Tal transportieren. Die Bürgermeister der betroffenen Orte sind verärgert, weil sie darüber nicht informiert wurden.

Laut der Bahn müssen ständig Betonfertigteile für den Tunnelbau produziert werden, weil der Lagerplatz  nicht ausreicht. Foto: Horst Rudel
Laut der Bahn müssen ständig Betonfertigteile für den Tunnelbau produziert werden, weil der Lagerplatz nicht ausreicht. Foto: Horst Rudel

Lenningen/Owen - Die Anwohner der Bundesstraße 465 durch das Lenninger Tal haben jetzt nicht einmal mehr am Sonntag Ruhe vor dem Schwerlastverkehr, der an ihrer Haustür vorbei donnert. Denn zusätzlich zu den Lastwagen, die montags bis samstags das Aushubmaterial von der Baustelle des Albvorlandtunnels in Kirchheim abtransportieren, kommen weitere Fahrten am Sonntag hinzu, die Schotter zum Bau der Beton-Fertigteile nach Kirchheim befördern. Darüber, dass der einzig verbliebene Lkw-freie Tag nun auch noch von Krach ausgefüllt wird, wurden die hauptsächlich betroffenen Kommunen Owen, Lenningen und Dettingen im Vorfeld von der Bahn noch nicht einmal informiert. Das hat große Verärgerung verursacht.

Michael Schlecht, der Bürgermeister von Lenningen, ist „völlig angefressen“. Denn er ist vom Betreiber eines Steinbruchs darüber informiert worden, dass wegen des Tunnelbaus für die ICE-Strecke Stuttgart-Ulm nun auch sonntags Lastwagen durch das Lenninger Tal fahren. Von der Bahn seien weder er, noch die Kollegen der anderen betroffenen Kommunen Dettingen und Owen informiert worden.

Die Bahn entschuldigt sich

Er empfinde es seitens der Deutschen Bahn zudem als dreist, der ohnehin großen Belastung durch Lastwagenfahrten von montags bis samstags „noch einen draufzusetzen“. „Wenn die Woche acht Tage hätte, würden sie noch einen Tag mehr fahren“, mutmaßt der Rathauschef. Auch ein Treffen mit Verantwortlichen der Bahn und den Bürgermeistern Michael Schlecht, Verena Grötzinger (Owen) und Rainer Haußmann (Dettingen) vergangene Woche wurde von der Bahn lediglich genutzt, um sich für das Kommunikationsdesaster rund um den zusätzlichen Transporttag zu entschuldigen. Ein Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm räumte auf Anfrage unserer Zeitung ein, es sei „leider versäumt“ worden, rechtzeitig über die Notwendigkeit der Mehrfahrten zu unterrichten. Es sei schlicht „unterschätzt worden, wie sensibel das Thema ist“. Zumal noch vor einem Jahr bei einer Bürgerinformation beteuert worden sei, keine Lastwagen am Sonntag fahren zu lassen. „Die Aufregung kann ich schon verstehen“, so der Sprecher.

Aber die Fahrten seien absolut notwendig, bekundet er. Um die Betonfertigteile für den Tunnel – die sogenannten Tübbinge – in Kirchheim nahe der Tunnelbaustelle fertigen zu können, würden Zement, Schotter und Sand benötigt. Und das in großen Mengen, weil die Arbeiten an den beiden Röhren schnell voran gingen und deshalb mehr Tübbinge produziert werden müssten. Bei einem Engpass stünden womöglich die Tunnelbohrmaschinen still und der Zeitplan des Projekts geriete in Gefahr, heißt es in einem Schreiben der Bahn an diverse Landtagsabgeordnete. Aus diesem Grund habe die mit dem Bau beauftragte Firma Implenia eine Genehmigung zur Sonntagsarbeit in der Tübbingfabrik beantragt und erhalten. Die Zuschlagstoffe beziehungsweise fertigen Tübbingen zu lagern, wie es Lenningens Rathauschef Michael Schlecht als Lösung des Problems ins Gespräch gebracht hatte, sei aufgrund mangelnder Kapazitäten an Lagerflächen nicht möglich, so die Bahn. Insgesamt sind der Bahn zufolge sonntags 25 Lastwagenfahrten in der Zeit zwischen 6 und 22 Uhr zwischen dem Steinbruch an der Grafenberger Steige und dem Tübbingwerk geplant, erklärt die Bahn auf Anfrage.

„Genehmigungsrechtlich ist die Sache durch“, stellt Schlecht ernüchternd fest, die Kommunen müssten noch nicht einmal gefragt werden. Doch er hätte von der Bahn zumindest erwartet, rechtzeitig über die laut des Bahnsprechers noch bis Ende April andauernden Sonntagsfahrten informiert zu werden. Das für ihn sei das auch „eine Frage des Respekts und der Wertschätzung für die Kommunen und die Anwohner“, erklärt Schlecht.

Jour fixe ist geplant

Verena Grötzinger, seine Kollegin in der Stadt Owen, ist vor allem darüber enttäuscht, „vor vollendete Tatsachen gestellt“ worden zu sein. Sie berichtet von einer „deutlichen zusätzlichen Belastung“ durch die Sonntagsfahrten. Zumal „wir am Sonntag durch Ausflügler auf die Schwäbische Alb nicht weniger Verkehr im Tal haben“, sagt die Owener Rathauschefin.

Neben der Entschuldigung bei den Kommunen gelobt die Bahn Besserung und bietet den betroffenen Kommunen einen regelmäßigen, vierteljährlichen Jour fixe mit Unternehmensvertretern und den beauftragten Baufirmen an, um künftig bereits im Vorfeld über geplante Maßnahmen zu informieren. Andreas Schwarz, der Kirchheimer Grünen-Landtagsabgeordnete und -Fraktionsvorsitzende, erwartet von der Bahn generell „mehr Rücksichtnahme auf die Kommunen und die Belange der Anwohner“. Er fordert in einer Stellungnahme zudem, „Abraum und Erdmassen, die nicht vor Ort abgelagert werden, sind über die Autobahn abzufahren“.




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