Ärger in Geislingen Umplanung der B 10 wirft Fragen auf

Eine Umplanung an der Anschlussstelle Geislingen/Mitte ist der Grund dafür, warum sich der B-10-Weiterbau verzögert. Foto: Rainer Lauschke

Weil die Fils, anders als zunächst gedacht, nun doch in ihrem Bett bleiben kann, muss beim B-10-Weiterbau neu geplant werden. In Geislingen wundert man sich: Im September war bei einem Besuch im Verkehrsministerium in Berlin von einer Planänderung keine Rede.

Zwingend erforderlich und unumgänglich“ sei es, die bisherige Planung der B 10 zu überarbeiten. So formuliert es Lisa Schmidt, die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP). Weil der Bund eine Verkleinerung der Anschlussstelle Geislingen/Mitte fordere, musste der Bereich an der Fils noch einmal näher untersucht werden. Dabei hat das RP festgestellt, dass der Fluss nun doch nicht verlegt werden muss, sondern im Flussbett bleiben kann. Die Folge: Der Vorentwurf der B 10 verzögert sich um ein weiteres Dreivierteljahr. Doch warum wurde das erst jetzt bekannt und was sagen Verantwortliche im Landkreis dazu?

 

Sorge um Aufenthaltsqualität und Einzelhandel

Geislingens stellvertretende Oberbürgermeisterin Karin Eckert ist „maßlos enttäuscht“ über die erneute Verzögerung bei der Planung der B-10-Umgehung bis Geislingen/Ost, wie sie auf Nachfrage sagte. Sie denke vor allem an die Pendler, Anwohner und Geschäftsleute an der derzeitigen B 10 in Geislingen und Kuchen. Eine Folge der Verkehrssituation sei, dass Geschäfte sterben und die Aufenthaltsqualität sinke. Die stellvertretende Oberbürgermeisterin begrüßt zwar grundsätzlich, dass die Fils nicht verlegt werden muss, aber fügt hinzu: „Ich frage mich schon: Warum kommt man da eigentlich nicht früher drauf?“

Jörg-Michael Wienecke, Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur beim Landkreis, bezeichnet die Verzögerung als „unerfreulich“. Allerdings nimmt er das Regierungspräsidium in Schutz. Er kenne es selbst aus seiner Behörde, dass sich Projekte häufig verzögern. Lisa Schmidt vom RP erklärt, dass Eingriffe in Gewässer große Auswirkungen darauf hätten, ob eine Planung genehmigungsfähig ist und man das Baurecht bekommt. Ein Bundesgesetz von 2021 fordere, Eingriffe in den Boden möglichst gering zu halten. Dem komme man nach, indem man die Fils erhalte.

Was war im September bereits bekannt?

Das RP arbeite derzeit mit Hochdruck am Bodenschutzkonzept, dem landschaftspflegerischen Begleitplan sowie dem Luftschadstoffgutachten, versichert das Bundesverkehrsministerium in Berlin. Die Überarbeitung der Unterlagen sei wegen „umfangreicher Abstimmungen der Fachgutachter untereinander sehr zeitintensiv“, so die Berliner Behörde.

Der Kreistag hatte dem Ministerium noch im September einen Besuch abgestattet, bei dem auch Wienecke und der Vorsitzende der Bürgeraktion „B 10-neu“, Peter Maichle, dabei waren. Maichle ist über die erneute Verzögerung irritiert: Den Vertretern des Landkreises sei damals versichert worden, dass die Planungen im Zeitplan lägen. Wienecke geht davon aus, dass die Verzögerung damals noch nicht bekannt gewesen ist.

Der Verkehrsexperte bezeichnet es als vernünftig, dass die Fils nun im Flussbett bleiben kann: „Die Natur muss uns am Herzen liegen“. Außerdem sei es wichtig, um Überschwemmungen zu vermeiden. „Man kann nicht nur schnell machen“, erklärt Wienecke. „Wenn der Vorentwurf nicht richtig gemacht wird, gibt es nachher Probleme bei der Planfeststellung.“ Vor der jüngsten Verzögerung ging das Regierungspräsidium davon aus, dass ab Mitte 2025 gebaut werden kann. Der Amtsleiter beim Landkreis weist darauf hin, dass die Neuigkeiten nicht bedeuten, dass sich die Verzögerung von einem Dreivierteljahr zwangsläufig auch auf den Gesamtfahrplan bis zum Bau niederschlägt. Die Frage sei, wie schnell der Bund bei Vorlage der Pläne am Ende entscheide. Generell sei Wienecke dafür, dass in Deutschland Bauvorhaben beschleunigt werden. Doch müsse man immer auch sehen, dass Interessensgruppen unter Umständen weniger Einspruchsmöglichkeiten haben.

Behörde rechnet nicht mit weiteren Verzögerungen

Ob es nun die letzte Verzögerung bei den B-10-Planungen ist? Das will das RP nicht versprechen, sagt allerdings: „Derzeit erwarten wir keine weiteren Verzögerungen.“ Der Vorentwurf dürfte nach dem erneuerten Zeitplan voraussichtlich im Herbst 2023 fertig sein. Bis die Bagger rollen können, folgen dann noch die Genehmigungsplanung und die Planfeststellung.

So ist die B-10-Umgehung geplant

Planung
 Die geplante Umgehungsstraße von Gingen/Ost bis Geislingen/Ost hat eine Gesamtlänge von acht Kilometern. Es sind zwei Tunnel und eine Grünbrücke geplant. Das Vorhaben kostet rund 266 Millionen Euro. Das Regierungspräsidium Stuttgart arbeitet derzeit an der Genehmigung der Entwurfsplanung.

Zeitplan
Wenn das RP mit der Genehmigung fertig ist, gehen die Dokumente an das Bundesverkehrsministerium. Laut Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke habe der B 10-Weiterbau unter allen Straßenbauprojekten im Zuständigkeitsgebiet des RP die höchste Priorität.

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