Ärger in Hofen Kritik an Abholzaktion in den Auwiesen

Von Iris Frey 

Kürzlich wurden in den Auwiesen 35 Robinien gefällt. Der Bezirksbeirat Mühlhausen bemängelt fehlende Information.

Der Bezirksbeirat Mühlhausen  kritisiert die Abholzaktion in den Auwiesen. Foto: Janey Schumacher
Der Bezirksbeirat Mühlhausen kritisiert die Abholzaktion in den Auwiesen. Foto: Janey Schumacher

Mühlhausen - Die Abholzaktion hinter dem Golfplatz in den Wagrainäckern vor ein paar Wochen hat nicht nur bei Bürgern für Aufsehen gesorgt, auch beim Bezirksbeirat Mühlhausen. Der Grund: Das Gremium hat erst aus der Presse, als die Abholzung schon erfolgt war, davon erfahren. Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann konnte dem Gremium in der letzten Sitzung auch nur mitteilen, dass die Baumfällarbeiten in den Auwiesen eine Vorbereitung auf das Ikone-Projekt seien und dies mit dem Amt für Umweltschutz, dem Garten- und Friedhofsamt und dem Amt für Stadtplanung und –erneuerung abgesprochen sei.

Geduldete Nilgänse

Ikone bedeutet „Integrierende Konzeption Neckar-Einzugsgebiet“ und ist Teil des Masterplans „Erlebnisraum Neckar“ der Stadt Stuttgart. Mit einer Realisierung ist voraussichtlich 2022 zu rechnen. Im Herbst 2016 wurde das Projekt erstmals im Bezirksbeirat Mühlhausen vorgestellt. SPD-Bezirksbeirat Johannes Jäger forderte, dass der Bezirksbeirat eine Resolution verabschieden soll. „Wir finden es nicht in Ordnung. Wenn solche Aktionen sind, soll der Bezirksbeirat informiert werden.“ Dies solle der Stadtverwaltung deutlich gemacht werden. Auch Reiner Hofmann (SÖS-Linke) erklärte, es gehe um Robinien, warum man diese jetzt herausnehmen müsse, das solle das Umweltamt erklären. „Wir haben Nilgänse und Papageien. Das wird geduldet. Interessant ist zu wissen, was wird nicht geduldet und warum.“ Der Bezirksbeirat Mühlhausen befürwortete die Resolutionspläne.

Baumfällungen für Naturoase

Er sieht sich nicht rechtzeitig vor der Maßname informiert. Auf Nachfrage unserer Zeitung, nachdem die Robinien abgeholzt und geringelt worden waren, hatte die Stadtverwaltung erklärt, das die Robinien dort in Deutschland nicht heimisch seien und naturschutzfachlich kritisch bewertet würden. Deshalb ersetze die Stadt die Bäume durch standortheimische Arten wie Eiche, Ahorn und Hainbuche. Die Baumfällungen seien Teil des Projekts Ikone Wagrainäcker. Dort solle eine Naturoase entstehen. Angesiedelt ist die Renaturierungsmaßnahme im Gelände zwischen der Golfübungsanlage und der Aubrücke.

Als Ausgleich für die Abholzung werden an anderer Stelle standortheimische Arten gepflanzt, heißt es von Seiten der Stadt. Ein anderer Teil der Robinien wurde geringelt. Dies habe den Zweck, den Baum zu schwächen, dass er gefällt werden kann. Das bedeute, dass der Baum, wenn er gefällt wird, nicht wieder austreibt, so eine Sprecherin der Stadt weite. Noch seien 35 Robinien auf dem Gelände. Sie sollen laut Stadtverwaltung in den nächsten vier Jahren gerodet werden.

Robinien weichen für Schlingnatter-Biotop

Bereits 2017 hatte, wie berichtet, eine Baumfällaktion in Mühlhausen für Aufsehen gesorgt und auch noch 2018 für Diskussionen. Dabei ging es um das Feuerbachtal. Dort hatte es auch eine größere Abholzaktion gegeben, um ein Schlingnatter-Biotop herzustellen. Auch hier hatte der Bezirksbeirat kritisiert, nicht über die Maßnahme unterrichtet worden zu sein. Renate Kübler vom Umweltamt hatte sich daraufhin beim Bezirksbeirat entschuldigt und eine bessere Information künftig versprochen.

In Mühlhausen sind im Jahr 2017 nicht nur im Rainwald zahlreiche Bäume für ein Schlingnatter-Biotop gefällt worden, sondern auch Robinien in der nahen Mäurachklinge. Naturschutzwart Jürgen Gesierich hatte an Oberbürgermeister Fritz Kuhn geschrieben und die Umweltmeldestelle des Landes. Stadtsprecher Sven Matis hatte erklärt: „Die Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Unteres Feuerbachtal sind auf Grundlage der Empfehlungen des Pflege- und Entwicklungsplanes für das Gebiet von der höheren Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart beauftragt und werden auch von dort bezahlt. Dies gilt mit Ausnahme des Holzeinschlags entlang der Bachhalde, der der Herstellung der Verkehrssicherheit und der Vorbereitung der Anlage der neuen Trockenmauer im Schlingnatter-Biotop dient.“ Der Bau des Biotops in der Bachhalde am Rainwald kostete nach Angaben der Stadt rund 20  000 Euro.

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