Ärger in Leinfelden-Echterdingen Stadt stößt auf Widerstand bei Hochhausplänen
Die Pläne für die Neubebauung an der Bunsenstraße in Musberg rufen den Unmut zahlreicher Nachbarn hervor. Sie fordern Mitsprache ein.
Die Pläne für die Neubebauung an der Bunsenstraße in Musberg rufen den Unmut zahlreicher Nachbarn hervor. Sie fordern Mitsprache ein.
Es ging hoch her bei der Informationsveranstaltung, zu der die Stadtverwaltung Ende September in die Filderhalle öffentlich eingeladen hatte. Thema waren die Baupläne für die Gewerbeflächen entlang der Bunsenstraße. Die Stadträte, die zu der Veranstaltung kamen, waren vom Unmut der Nachbarn überrascht. „Es war eine sehr aufgeheizte Stimmung“, berichtete die Grünen-Stadträtin Barbara Engler jetzt im Technischen Ausschuss. Dabei seien nicht allein der Inhalt der Pläne der Grund für den Missmut gewesen; auch die Art des Vortrags stand in der Kritik. Zu technisch, zu bürokratisch, und mit dreieinhalb Stunden viel zu lange sei dieser gewesen. „Man hat gemerkt, wie im Publikum der Puls gestiegen ist“, erinnerte sich Engler.
Ein Vorwurf der Anwohner sei, dass man ihnen fertige Pläne vorsetzte. Dem widersprach der Oberbürgermeister Otto Ruppaner im Technischen Ausschuss. „Man ist noch mitten im Bebauungsplanverfahren“, hob er hervor. Die Anwohner würden ausdrücklich nicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie könnten ihre Einwände noch einbringen. Fragen nach der Verschattung, Geschossigkeiten oder die Lage der Gebäude könnten mit dem Bauträger besprochen werden. „Wir sind noch sehr früh im Verfahren“, stellte Ruppaner klar.
Der Kritik an der Informationsveranstaltung schloss sich die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch an. „Es war das falsche Format. Die Kommunikation hat nicht gepasst“, sagte sie. Sie sei überrascht von der Vielzahl und Heftigkeit der Einwände gewesen. Auf die Stadträte der CDU sei im Vorfeld niemand zugegangen. „Wir waren total perplex“, erinnert sich Koch an den Abend in der Filderhalle. Hinzu kommt: Das Rathaus soll zahlreiche Briefe aus der Einwohnerschaft erhalten, diese jedoch nicht beantwortet haben. Dieser Vorwurf wurde im Technischen Ausschuss von der SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels vorgetragen. „Sollten die Schreiben tatsächlich nicht beantwortet worden sein, wirke das natürlich nicht gerade vertrauensfördernd“, sagte sie. Die Verwaltung habe wohl den Infoabend statt Antwortschreiben nutzen wollen, vermutet die Stadträtin Koch. Doch das Nichtbeantworten der Schreiben habe zu massiver Verstimmung geführt. „Ein gutes Miteinander zwischen Bürgern und Verwaltung sowie zwischen Gemeinderat und Verwaltung sieht anders aus“, findet Koch. Der Verlauf des Abends der Infoveranstaltung sei die Quittung dafür gewesen.
Doch nicht allein die Kommunikation sorgte für Unmut. Vor allem die Pläne für zwei achtgeschossige Hochhäuser im Norden des Baugebiets sind vielen Nachbarn ein Dorn im Auge. „Das ist zu viel“, findet auch Stadträtin Koch. Die CDU-Fraktion wird diesen Plänen nicht zustimmen, kündigte sie bereits an. Diese Art der Bebauung vertrage sich nicht mit der Umgebung, auch wenn es in der Nähe bereits ein Hochhaus gibt. Es müssten andere Lösungen gefunden werden.
Die SPD-Stadträtin Sinner-Bartels plädierte dafür, zügig eine weitere Veranstaltung anzubieten, an welcher auch die Verwaltungsspitze teilnehmen solle. „Wir müssen bei der Transparenz noch eine Schippe drauflegen“, meinte sie. Offenbar seien viele Anwohner der Ansicht, es handele sich bei den jetzigen Plänen bereits um das Endergebnis. Dem sei aber nicht so. „Es kommen noch weitere Verfahrensschritte“, betonte Sinner-Bartels. Die zulässige Gebäudehöhe werde beispielsweise erst am Ende des Verfahrens mit dem Satzungsbeschluss festgelegt. Dass die Anwohner nicht gehört würden, diesen Vorwurf könne man mit der Infoveranstaltung entkräften. Die Veranstaltung habe auch dazu gedient, die Meinungen der Anwohner zu hören. Von der Heftigkeit der Emotionen sei sie, wie die anderen anwesenden Stadträte, überrascht gewesen, gab Sinner-Bartels zu. „Man hat nicht mit so massiver Kritik gerechnet“, sagte sie. Nun gelte es, damit umzugehen. „Es muss einen gemeinsamen Weg geben. Diesen muss man suchen“, findet Sinner-Bartels. Denn der Bedarf an neuen Wohnungen bestehe.
Konversion
Das bestehende kleine Gewerbegebiet zwischen Musberg und Leinfelden mit den Unternehmen Haru Präzision (rund 13 000 Quadratmeter) und RTS Rieger Team Werbeagentur (rund 6 400 Quadratmeter) soll weitgehend aufgegeben werden. Der Gemeinderat hatte bereits im Jahr 2021 beschlossen, dass das Gewerbegebiet zu einem Wohngebiet werden soll. Vorgesehen sind mehrere mehrgeschossige Häuser. In der Vergangenheit wurde bereits bemängelt, dass die Bebauung zu massiv geplant sei.
Flächen
Vor allem ein siebenstöckiges Haus am Kreisverkehr am Eingang von Musberg wurde kritisiert. Allerdings sollen die Wohnungen nicht zu teuer werden. Je massiver die Bebauung, desto günstiger die Wohnungen. Das kleinere Baufeld 1 befindet sich östlich, das Baufeld 2 westlich der Bunsenstraße. Gemäß den Plänen könnten insgesamt 223 neue Wohnungen entstehen, vor allem Zwei- und Dreizimmerwohnungen sind vorgesehen. pib