Ärger mit Ampel Dauerrot in Dresden

Von Harald Lachmann 

In Dresden steht eine Ampel, die seit 1987 nicht grün geworden ist. Rechts abbiegen ist an dieser Stelle trotz Dauer-Rot erlaubt. Abbauen darf man die Ampel aber nicht.

Grün wird es hier nie. Foto: Lachmann
Grün wird es hier nie. Foto: Lachmann

Dresden - Rund 1,5 Millionen Ampeln blinken täglich in Deutschland. Gäbe es sie nicht, bräche in einem Land mit 45 Millionen Autos, gut vier Millionen Motorrädern, 2,7 Millionen Lastkraftwagen und immerhin auch 77 500 Omnibussen das wochentägliche Verkehrschaos aus. Deutschlands erste Ampel leuchtete bereits 1922 in Hamburg.

Doch manche Lichtsignalanlage ist schlicht sinnlos. Etwa an der B 39 bei Heilbronn: Hier können zwar Fußgänger den Knopf einer Bedarfsampel drücken, wenn sie sicher auf die andere Straßenseite wollen – doch die Ampel, die ihnen das anzeigen müsste, fehlt. Nur die Autos bekommen dann irgendwann Rot, was der Passant aber nur daran erkennt, dass sie plötzlich, wie von Geisterhand gesteuert, stoppen. Dagegen ist eine Ampel, die in Meerbusch bei Düsseldorf den Vorrang der Vorortbahn regelt, so unflexibel geschaltet, dass Autos hier morgens bis zu 20 Minuten am Stück stehen müssen, ehe sie Grün bekommen.

Ampel steht seit 1987 auf Rot

Die wohl schrägste Ampel leistet sich indes Dresden – und das schon seit DDR-Zeiten. Denn die Signalanlage neben dem Landgericht in der Ziegelstraße zeigt seit 1987 stur Rot. Ohnehin darf man hier nur nach rechts auf den Güntzplatz einbiegen, und das dann auch bei Rot. Denn ein Grüner Pfeil macht das möglich, sofern man zuvor kräftig abbremst. So täte es denn auch ein Stoppschild.

Warum dann aber diese Ampel, deren Unterhalt die Stadt jährlich immerhin 4700 Euro kostet, noch nicht gerechnet die 750 Euro Stromkosten für das leuchtende Dauerrot. Dass dahinter weder sächsischer Starrsinn noch ein technischer Defekt steckt, ist im Straßen- und Tiefbauamt der Landeshauptstadt zu erfahren. Solange die kleine Ziegelstraße als Zufahrt an den durch Ampeln geregelten Güntzplatz angebunden sei, könne man „auf diesen Signalgeber nicht verzichten“, begründet Amtsleiter Reinhard Koettnitz die scheinbare Schildbürgerei. Dank besagten Grünpfeils müsse man nicht noch teuer eine Farbwechselschaltung nachrüsten.

Die Vorschriften sind so, heißt es

Recht bekommt er hierbei von Gunter Thiele von der TU Dresden. Auch wenn der gesunde Menschenverstand etwas anderes sage, so der Diplomingenieur für Verkehrsleitsysteme, seien die „Vorschriften in Deutschland nun einmal so, dass sie dort stehen muss“. Im Rathaus stört deshalb auch nicht das Unbehagen beim ADAC, der allein in Dresden nicht nur diese Anlage sondern rund hundert der insgesamt 465 Ampeln für „vollkommen überflüssig“ hält. Würde man auf sie verzichten, so Verkehrsexperte Norbert Brückner, käme man am Ende „deutlich flüssiger“ durch die alltägliche Rush Hour.

So aber überlebte nicht nur das inzwischen kultige Ampelmännchen mit Hut die DDR, 1961 als „Straßenleitfigur“ eingeführt, sondern auch die überflüssigste Ampel­ der Republik.




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