Ärger über Ferda Ataman Bundesbeauftragte für Provokation

An Ferda Ataman scheiden sich die Geister. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Ferda Ataman, geboren in Stuttgart, soll die Antidiskriminierungsstelle des Bundes leiten. Ihre streitbare Art gefällt nicht allen. Der Ärger infiziert auch die Ampelkoalition. Das war vorhersehbar.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Wer erfahren will, was Ferda Ataman für Diskriminierung hält, kann das nachlesen. Die gelernte Journalistin hat viele schriftliche Spuren hinterlassen – ungeachtet derer, die sie, wohl aus Karrieregründen, bei Twitter gerade löschen ließ. „In einer Einwanderungsgesellschaft kann nicht eine Gruppe allein bestimmen, wie alle bezeichnet werden“, schrieb sie in einer ihrer Kolumnen für den „Spiegel“ an die Adresse derer, die sich für angestammte Deutsche halten. „Das Suppengemüse redet im Knollendiskurs jetzt mit und nennt die Kartoffeln auch mal Alman(i)s oder Biodeutsche.“ Für manche waren die „Kartoffeln“, wie türkische Mitbürger die hier Einheimischen spöttisch bezeichnen, ein Stolperstein. Lässt sich Diskriminierung durch ein spiegelbildliches Verhalten verhindern?

 

„Kartoffeln“ als Stolperstein

An Ferda Ataman scheiden sich die Geister. Die Kluft zieht sich bis in die Reihen der Ampelkoalition, weshalb die Wahl der Frau zur Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erst einmal vertagt worden ist. Atamans Familiengeschichte klingt fast so, als wäre sie eigens geschrieben worden für ihr neues Amt. „Zu dem Wort Heimat habe ich keine besondere Beziehung“, sagt sie selbst. So bleibt ungewiss, ob Stuttgart, wo sie 1979 geboren ist, dazu zählt. In Nürnberg, was sie auch mal „Nürümberg“ nennt, ist sie aufgewachsen. Die Eltern sind aus der Türkei eingewandert, stammen aber ursprünglich aus Thessaloniki. Vorfahren ihres Vaters sind jüdischer Herkunft und mussten wegen der Inquisition aus Spanien fliehen. Nach einem Politikstudium wurde sie erst Redenschreiberin für den CDU-Mann Armin Laschet, damals Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen. Später arbeitete sie für die Pressestelle ihres künftigen Amts, verfasste Kolumnen, Bücher und viele Tweets – all dies nicht mit Samthandschuhen.

Sie ist eine um kein Wort verlegene Fürsprecherin jener Mitmenschen, denen das Etikett „Migrationshintergrund“ anhaftet – was ihr ein besonderer Dorn im Auge ist. „Was haben Kinder, die heute in der dritten Generation in Deutschland geboren sind, mit Migration zu tun?“, lautet eine ihrer unbequemen Fragen. Sie legt den Finger, manchmal auch die geballte Faust in offene Wunden, verweist auf Absurditäten einer Einwanderungsgesellschaft, die sich nicht eingestehen will, was das bedeutet und was daraus abzuleiten wäre. Diplomatie ist ihre Sache ganz gewiss nicht. „Kanaken und die weiße politische Mitte – das sind zwei Welten, die gerade auseinanderdriften“, lautet Atamans Befund. Ihr künftiger Job wäre es, dagegen anzuarbeiten.

„Mehr Helge Schneider, weniger Helmut Kohl“

Rassismus beginne für sie stets gerade da, wo jemand nicht ihrer Meinung sei, werfen ihr Kritiker vor. Stefan Müller, CSU-Geschäftsführer im Bundestag, giftet: „Wieder wird eine linke Aktivistin in ein vom Steuerzahler alimentiertes Regierungsamt gehoben.“ Der Autor Ahmad Mansour wirft ihr vor, es gehe ihr „mehr um Ideologie und wenig um den Abbau von Diskriminierung“. Wer Atamans Polemik verstehen will, findet auch dafür eine passende Textstelle: „In der Politik geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um eine gute Show. Mehr Helge Schneider, weniger Helmut Kohl, das wäre schön.“

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