Esslingen - Eigentlich wollte die Stadt Esslingen mit der Sanierung der historischen Pliensaubrücke positive Schlagzeilen schreiben. Doch die Freude war rasch verflogen, als vor einigen Wochen publik wurde, dass Radfahrer seit der Sanierung des Bauwerks ihre Räder über die Brücke schieben mussten, weil die steinerne Brüstung nur 90 Zentimeter hoch ist. Vorgeschrieben sind 1,30 Meter. Seit 2011 war das Radfahren in der Brückenmitte trotzdem erlaubt, doch nach einer Prüfung der aktuellen Rechtsprechung war man nun zu dem Schluss gekommen, dass die Stadt haftbar gemacht werden könnte, wenn Radler nahe der Brüstung fahren und in die Tiefe stürzen. Die Sperrung der Pliensaubrücke für Radfahrer hatte der Bauverwaltung Unverständnis, Kritik und bundesweiten Spott eingebracht.
Mittlerweile sorgen Bauzäune provisorisch für Sicherheit, doch die Kritik an Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht bleibt. An diesem Mittwoch soll er im Ausschuss für Technik und Umwelt Stellung nehmen und das weitere Vorgehen erklären. Und er darf sich auf kritische Nachfragen nicht nur zur Sache, sondern auch zu seinem Krisenmanagement einstellen. Langjährige Beobachter der Kommunalpolitik fragen sich, weshalb der Dezernent nicht stärker sensibilisiert ist, wenn es um die Höhe von Brückenbrüstungen und -geländern geht. Immerhin hat die Stadt nicht zum ersten Mal solche Probleme.
Denkmal und Sicherheit
Nur ein paar hundert Meter weiter gelangt man von der Pliensaubrücke auf die Innere Brücke, beide waren über Jahrhunderte Teil einer Fernverbindung von Italien bis in die Niederlande. 2006 hat die Stadt die Innere Brücke saniert – und sich dabei Ärger eingehandelt. Im Zuge der Bauarbeiten mussten damals auch alle sicherheitsrelevanten Aspekte des Bauwerks überprüft werden. Da zeigte sich, dass die Steingeländer an mehreren Stellen nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen – die Stadt war zum Handeln verdonnert und musste gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Lösungen finden, wie sich die geforderte Sicherheitshöhe erreichen lässt, ohne den historischen Charakter des Bauwerks allzu sehr zu stören. Wochenlang waren damals auf der Inneren Brücke dieselben unschönen Bauzäune wie heute auf der Pliensaubrücke gestanden, ehe das Problem behoben war. Unter dem Eindruck der Diskussion hatte der damalige CDU-Fraktions-Chef Edward-Errol Jaffke die Verwaltung aufgefordert, das Thema „Denkmal und Sicherheit“ grundsätzlicher aufzuarbeiten, weil solche Fragen häufiger auf die Stadt zukommen könnten.
Dass die Höhe von Brückengeländern zum Problem werden kann, musste die Stadt einige Jahre später auch bei der Adenauerbrücke feststellen – die Folgen sind noch heute unübersehbar: Nachdem die Verantwortlichen im Rathaus 2010 festgestellt hatten, dass auch dort das Brückengeländer zu niedrig für Radler war, wurde der Weg für Fahrradfahrer gesperrt. Als es nicht nur von den Fahrrad-Verbänden Kritik hagelte, hat man schließlich höhere Absperrungen aus weißem Kunststoff aufgestellt, die bis heute zu bewundern sind. Und das dürfte wohl auch noch eine Weile so bleiben, schließlich will die Kommune möglichst erst dann in eine dauerhafte Lösung investieren, wenn auch die Adenauerbrücke saniert wird. Doch das ist erst dann ein Thema, wenn die Vogelsang- und die neue Schleyer-Brücke fertig sind.