Ärger wegen neuem Bus-Stop in Böblingen Kommt die Haltestelle, gehen Parkplätze verloren

Auf Höhe der Bismarckstraße sollen in der Friedrich-List-Straße zwei neue Bushaltestellen gebaut werden. Foto: /Anke Kumbier

Das verursacht bei Anwohnern Ärger. Ein Unternehmer fürchtet gar um sein Geschäft. Wie die Stadt darauf reagiert.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Die Stadt Böblingen will in der Friedrichs-List-Straße auf Höhe der Bismarckstraße zwei neue, barrierefreie Bushaltestellen bauen. Anwohner reagieren verärgert und haben bei der Stadt eine Liste mit etwa 35 Unterschriften eingereicht. Claus Weber, Chef der Security-Firma Schutz-Team, glaubt sogar, dass er nun sein Geschäft schließen muss. Denn mit dem Bau der Haltestellen fallen etwa zehn Parkplätze weg.

 

Ein Anwohner, der sich an unsere Redaktion gewandt hat, kritisiert den Wegfall der Parkplätze, befürchtet aber auch, dass die Haltestelle Leute zum Rumlungern einlade, die Busse viel Lärm beim Halten und Starten machten und die Verkehrsbelastung zunehme. Der Eindruck des 45-Jährigen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: „Man lädt alles auf diese Straße ab.“

Haltestelle soll Busanbindung verbessern

Die geplante, beidseitige Bushaltestelle namens „Bismarckstraße“ hängt mit der Überarbeitung des Buslinienkonzepts im Stadtverkehr zusammen, das voraussichtlich Anfang 2025 in Kraft tritt und von dem sich die Verantwortlichen deutliche Verbesserungen versprechen. Künftig soll die Buslinie 706, die bereits durch die Friedrich-List -Straße fährt, dort auch halten – ungefähr in der Mitte zwischen Listkreisel und Lidl. Beidem – dem Konzept und der Haltestelle – hat der Gemeinderat Ende Oktober zugestimmt.

Stadtsprecher Gianluca Biela betont, dass sich die Verwaltung den Standort wohl überlegt habe. „Zwischen den beiden Haltestellen der Linie 706 ,ZOB’ und ‚Stuttgarter Straße’ beträgt der Abstand deutlich über einen Kilometer, weshalb die nun betrachtete Haltestelle ,Bismarckstraße’ angezeigt ist.“ Man habe Alternativen geprüft und Varianten, bei denen weniger Stellplätze entfallen. „Diese Prüfung ist leider negativ ausgegangen.“

Die Freude über einen kürzeren Weg zum Bus scheint aber – zumindest bei den direkten Anliegern – nicht zu überwiegen. Der 45-jährige Anwohner berichtet, dass ihm lediglich eine Person bekannt sei, die sich freue, weil sie so besser zur Arbeit komme.

Geschäftsaufgabe befürchtet

Claus Weber sieht sich ganz im Gegenteil in seiner Existenz bedroht: „Wenn die Bushaltestelle kommt, muss ich mein Geschäft schließen“, sagt er. Er sei für den Weiterbetrieb seiner Firma auf die öffentlichen Parkplätze angewiesen, von denen aus seine Mitarbeiter schweres Arbeitsmaterial ins Geschäft und wieder hinaustragen. Eigene Stellflächen habe das Haus von Einzug an nicht gehabt, weil dafür der Platz nicht reiche. Er hoffe auf eine Lösung, wie auch immer diese aussehen möge. Die Stadtverwaltung nehme das Anliegen zur Kenntnis, teilt Biela mit und verweist unter anderem auf die Wirtschaftsförderung, die Gewerbetreibenden bei Fragen zur Verfügung stehe.

Trotz Ärger – der Plan wird wohl umgesetzt

„Wir sind ziemlich verärgert“, fasst der Anwohner die Gemütslage zusammen. Nicht zuletzt über die Kommunikation der Stadt, die die Anwohner per Schreiben über die Haltestelle informierte, nachdem die Entscheidung im Gemeinderat gefallen war. Der 45-Jährige hätte sich bereits davor eine Beteiligung gewünscht. Die Stadt habe sich, so Biela, an das übliche Vorgehen gehalten, eine Bürgerbeteiligung sei in diesem Fall nicht vorgesehen. Als Reaktion auf den Protest lädt sie nun allerdings die Anwohner zu einer Infoveranstaltung ein.

Trotz des Ärgers gilt als wahrscheinlich, dass die Haltestelle kommt. Der Bau beginnt laut Sprecher vermutlich im Frühjahr – also erst nach Inbetriebnahme des neuen Fahrplans. Das hängt mit dem geplanten Abriss des Elefantenbrückles über die Autobahn bei der S-Bahnstation Goldberg zusammen. Bis eine Behelfsbrücke steht, werde die Linie 706 umgeleitet und fahre gar nicht durch die Friedrich-List-Straße, erklärt Biela.

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