Ärgernis im Esslinger Stadtteil Wo bleibt Ersatz für den abgerissenen Berkheimer Steg?

Stadträtin Sabine Mickeler, die Bürgerausschuss-Vorsitzende Claudia Nikl und die Stadträte Aglaia Handler und Alex Mauz (von links) sind sich einig, dass die Situation am Berkheimer Ortszentrum so nicht bleiben kann. Foto: Roberto Bulgrin

Ende 2024 wurde der Berkheimer Steg abgerissen – seither fehlt ein barrierefreier Zugang zum Ortszentrum. CDU und Bürgerausschuss drängen auf Abhilfe.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Barrierefreiheit war in den Debatten über den Standort der Stadtbücherei ein heiß diskutiertes Thema. Im Esslinger Stadtteil Berkheim würden sich manche ähnlich große Aufmerksamkeit für die dortige Bücherei-Zweigstelle wünschen. Seit die Stadt im November 2024 den Fußgängersteg zum Berkheimer Ortszentrum abgebrochen hat, fehlt ein barrierefreier Zugang zu der kleinen Stadtteil-Bibliothek. Die CDU-Ratsfraktion hatte nur wenige Wochen nach dem Steg-Abbruch beantragt, dass die Stadt Möglichkeiten für eine Ersatzlösung aufzeigen solle. Auf eine Antwort warten die Christdemokraten genau wie der Berkheimer Bürgerausschuss bis heute. Beide wollen sich nun nicht länger gedulden. Unterdessen haben Bürger eine Unterschriftensammlung gestartet mit dem Ziel, die Zugänglichkeit des Ortszentrums zu verbessern.

 

Für Aglaia Handler, Vize-Chefin der CDU-Ratsfraktion und frühere Bürgerausschuss-Vorsitzende, ist klar: „So kann es nicht weitergehen. Die Menschen in Berkheim warten schon viel zu lange auf eine Lösung. Der Abriss des Stegs hat das Ortszentrum nicht attraktiver gemacht.“ Bereits 2013 hatte man im Rathaus beschlossen, nicht länger in die Instandhaltung des Fußgängerstegs über die Köngener Straße zu investieren und ihn – solange dies verkehrssicher möglich ist – weiter zu betreiben. Als die Stadt elf Jahre später erhebliche bauliche Mängel vermeldete, wurde der Steg zur Überraschung vieler Berkheimer erst gesperrt und wenig später Knall auf Fall abgerissen.

Seither sind die Zugänge mit Gittern versperrt, von einem Ersatz ist nicht die Rede. Dabei hatten viele schon im Vorfeld immer wieder auf die Bedeutung des Stegs für viele Menschen im Stadtteil hingewiesen. So hatte der damalige SPD-Stadtrat Richard Kramartschik schon 2018 mit Blick auf mögliche Veränderungen im Ortszentrum die Verwaltung aufgefordert, darauf zu achten, „dass der nicht nur für Behinderte wichtige Fußgängersteg erhalten bleibt“.

„Schier unüberwindbare Hürden“

Schon kurz nach dem Abriss des Stegs hatte die CDU-Fraktion im Dezember 2024 auf die Probleme vor Ort aufmerksam gemacht: „Der Fußgängersteg war wichtig für den Schulweg von Kindern aus dem ‚Oberdorf’ und als barrierearmer Zugang zum Ortszentrum. Mit Kinderwagen, Rollstuhl, Rollator oder ähnlichem stellt die Bauweise der Gebäudestruktur ohne Steg schier unüberwindbare Hürden dar. Auch der sichere Zugang von Kindern zur Berkheimer Bücherei war über den Steg gewährleistet.“ Da die Stadt seit 2013 wusste, dass die Tage des Berkheimer Stegs gezählt sein würden, zeigte sich die CDU überzeugt, dass die Zeit seit damals „sicherlich nicht ohne Überlegungen verstrichen ist, wie es nach einem Wegfall des Überwegs weitergeht“.

Viele Berkheimer wünschen sich einen besseren Zugang zur Bücherei-Zweigstelle. Foto: Roberto Bulgrin

Deshalb hatten die Christdemokraten im Dezember 2024 beantragt, die Verwaltung solle Daten zur Nutzungsfrequenz des Stegs „insbesondere als Schulweg und Büchereizugang“ vorlegen, Kosten für einen Ersatzbau beziffern und klären, ob sich vorhandene Steg-Anschlüsse weiter nutzen lassen. Zudem solle die Stadt aufzeigen, „welche Maßnahmen innerhalb der verbliebenen Struktur des Ortszentrums zur Verbesserung der Zugänglichkeit für eingeschränkt mobile Nutzerinnen und Nutzer umsetzbar sind“. Und schließlich sollte die Stadt erläutern, mit welchen Kosten für mögliche Verbesserungen und Maßnahmen zur Barriere-Reduzierung zu rechnen ist.

Mehr Sicherheit für Schulkinder gefordert

Dass der Antrag ihrer Fraktion seit Dezember 2024 auf Eis liegt, ärgert Aglaia Handler: „Die fehlende Verbindung zwischen ‚Oberdorf’ und Ortsmitte ist für viele Berkheimer ein Ärgernis, das sie Tag für Tag zu spüren bekommen. Wir hätten uns eine deutlich schnellere Bearbeitung unseres Antrags gewünscht und fragen ständig nach, werden jedoch immer wieder vertröstet. “ Das Ratsinformationssystem der Stadtverwaltung sieht derzeit als „Erledigungstermin“ den 17. Juni 2026 vor. CDU-Stadträtin Sabine Mickeler weiß um die Situation vor Ort: „Gerade Menschen mit Rollator oder Rollstuhl, aber auch Familien mit Kinderwagen tun sich schwer, die Berkheimer Bücherei zu erreichen.“

Der Steg vom „Oberdorf“ zum Berkheimer Ortszentrum wurde früher gern genutzt. Foto: Roberto Bulgrin

Dass es in den Räumen der früheren Ortsverwaltung einen Aufzug gibt, sehen viele Berkheimer als schwachen Trost. Denn auch der sei nur über mehrere steile Treppenstufen erreichbar – wer die erste Hürde genommen hat, muss das Bücherei-Team verständigen, um den Aufzug nutzen zu können, weiß die Bürgerausschuss-Vorsitzende Claudia Nikl, die noch ein weiteres Problem anspricht: „Auch für Schulkinder war der Steg eine sichere Verbindung. Die müssen jetzt entlang der viel befahrenen Straße gehen, was ihren Schulweg bestimmt nicht sicherer gemacht hat.“

Bürgerausschuss und CDU-Fraktion wollen nicht locker lassen und sich weiter um Ersatz für den abgerissenen Berkheimer Steg bemühen. „Vielleicht lässt sich ja eine günstigere Lösung finden, zum Beispiel durch eine Holzkonstruktion“, hofft CDU-Stadtrat Alex Mauz. „Die Berkheimer wollen endlich eine Perspektive. Die Stadt kann das Problem, das so viele betrifft, nicht länger vor sich herschieben.“

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