Aerospace Lab Herrenberger Satellit am Himmel

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Sechs Schüler des Aerospace Lab aus Herrenberg machen mit beim Dosen-Satelliten-Wettbewerb des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums in Bremen.

Die Herrenberger Gruppe  verfolgt den Start ihres selbst gebauten Flugobjekts. Foto: DLR/Vetter
Die Herrenberger Gruppe verfolgt den Start ihres selbst gebauten Flugobjekts. Foto: DLR/Vetter

Herrenberg - Klappt es oder klappt es nicht? Diese bange Frage beschäftigte am Mittwochnachmittag 60 Schüler aus ganz Deutschland, ihre Betreuer sowie etliche Mitarbeiter des Luft- und Raumfahrtzentrums in Bremen. Fünf Raketen mit zehn selbst gebastelten Dosen-Satelliten sollten von einem Bremer Flugplatz abgeschossen werden, darunter auch ein Satellit, der vom Herrenberger Aerospace Lab gebaut worden ist. „Auch für uns war das eine Premiere, und wir wussten nicht, ob der Raketenstart auch gelingt“, sagte Dirk Stiefs, der Organisator vom Bremer Luft- und Raumfahrtzentrum.

Zum ersten Mal beteiligte sich das Deutsche Zentrum am europaweiten Wettbewerb Cansat. Die Aufgabe: Schüler bauen einen Satelliten, rüsten ihn mit allen möglichen Messgeräten aus, schießen ihn 1000 Meter hoch und sammeln die Daten, die das Flugobjekt aufzeichnet, während es mit dem Fallschirm wieder zur Erde segelt.

39 Teams aus Schülern im Alter zwischen 15 und 18 Jahren hatten sich für den bundesweiten Wettbewerb beworben. Die zehn besten Ideen wurden von einer hochkarätig besetzten Jury – mit Mitgliedern von Unternehmen aus der Raumfahrttechnik – ausgewählt, ihre Objekte zu präsentieren und zum Schluss starten zu lassen.

Satelliten messen Schadstoffe

Die Kriterien bei der Auswahl: „Es ging uns vor allem um die Ideen, für was die Schüler ihre Satelliten einsetzen“, sagt Stiefs. Die sechs Herrenberger Schüler überzeugten mit dem Einbau von zwei Kameras, die Bilder vom Sinkflug sendeten. Ausgestattet wurde der Flugkörper außerdem mit einem GPS-Sender sowie einem Sensor, der den molekularen Sauerstoff misst. Andere Gruppen, die es ins Finale schafft hatten, wollten Schadstoffe in der Luft messen oder bauten Stabilisatoren ein, die das Trudeln des Satelliten verhindern sollten. „Das sind Dinge, an denen wir auch tatsächlich bei uns im Institut forschen“, sagt Stiefs.

Für die Herrenberger ist die Teilnahme am Cansat-Wettbewerb nur einen Meilenstein hin zu ihrem großen Ziel: „Wir wollen irgendwann einen Satelliten nur aus Alttagsmaterialien bauen und nicht nur 1000 Meter hoch, sondern weit in den Weltraum schießen. Dann wollen wir testen, wie lange er sich hält“, sagt Nadine Barth, das einige Mädchen in dem Herrenberger Team.

Seit vier Jahren ist die Gruppe zusammen. Nadine Barth, 18 Jahre alt, besucht das Technische Gymnasium für Umwelttechnik an der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule und macht nächstes Jahr Abitur. Ihre fünf Teamkollegen sind Schüler des Herrenberger Schickhardt-Gymnasiums. Zweimal pro Woche treffen sie sich im Aerospace Lab. Betreut werden sie von Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik.

Natürlich hoffen sie, den Can-Sat Wettbewerb zu gewinnen und zum Finale des Europatags zu fahren. „Doch eigentlich sind alle Finalisten bereits Gewinner“, sagt Stiefs. „Sie dürfen an diesem einwöchigen Sonderprogramm in unserem Zentrum teilnehmen“, sagt Stiefs. „Dazu gehören Besuche bei namhaften Unternehmen der Luft- und Raumfahrttechnik wie Airbus und Astrium sowie eine Sonderführung durch das Luft- und Raumfahrtzentrum.“

Einiges geht schief

Um 12.30 Uhr begann am Mittwoch der Start der Raketen. Jeweils zwei Satelliten wurden auf einer Rakete montiert und dann gestartet. „Es ging natürlich einiges schief“, berichtet Nadine Barth. So sei wegen des starken Winds eine Raketen verschollen, eine andere unerreichbar in einem Baum hängen geblieben – zum Glück, nachdem die Satelliten abgeworfen waren. Auch die Satelliten selbst funktionierten nicht immer einwandfrei. „Bei uns ging die Liveübertragung der Daten nicht“, berichtet die 18-Jährige. Nun müssten sie den Chip auswerten, der zum Glück alles gespeichert habe. Nur die Kamera hätte leider nicht aufgezeichnet.

Ein Sieg sei trotzdem noch drin. „Wichtig ist, dass wir den Fehler finden und erklären können, wie wir das verbessern können“, sagt Nadine Barth. Am Freitag werden die Sieger gekürt.