Südwest-AfD in der „New York Times“ Kulturanfrage schlägt international Wellen

Von  

„Forderungen der Rechtsaußen-Partei beunruhigen Künstler in Deutschland“ – unter dieser Überschrift hat sich jetzt auch die „New York Times“ mit der Kulturpolitik der baden-württembergischen AfD beschäftigt.

Schützt die Kultur vor den Rechten – das war das Motto der Demo, die sich  Ende Juni  auf der Wiese vorm Stuttgarter Staatstheater  gegen die AfD-Kulturpolitik gerichtet hat. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone
Schützt die Kultur vor den Rechten – das war das Motto der Demo, die sich Ende Juni auf der Wiese vorm Stuttgarter Staatstheater gegen die AfD-Kulturpolitik gerichtet hat. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Stuttgart - Die baden-württembergische AfD hat es mit ihrer Kulturpolitik jetzt in die „New York Times“ geschafft. In ihrer Ausgabe vom vergangenen Freitag widmet sich die wichtigste Zeitung der Welt der umstrittenen AfD-Anfrage, deren Ziel es war, die Nationalitäten der am Stuttgarter Staatstheater beschäftigten Künstler zu ermitteln – unsere Zeitung hat ausführlich darüber berichtet. Unter der Überschrift „Forderungen der Rechtsaußen-Partei beunruhigen Künstler in Deutschland“ untersucht der umfassende Beitrag, ausgehend von Baden-Württemberg, die gesamte, vom Chef-Ideologen Marc Jongen gesteuerte Kulturpolitik der AfD.

Als einer der Kronzeugen gegen die Rechtspopulisten wird Elliott Carlton Hines zitiert, der aus Texas stammende Bariton der Stuttgarter Oper. Die AfD-Anfrage habe ihn nervös gemacht, heißt es in dem Artikel. „Man muss sich fragen, warum sie diese Frage stellen“, sagt Hines und gibt eine Antwort: „Ihr Ziel ist es, die Künstler zu verunsichern und ihnen zu sagen: Warum müsst ihr hierher kommen und uns die Jobs wegnehmen?“ Auch den Chef von Hines, den Geschäftsführenden Intendanten des Staatstheaters, lässt der eigens für die Reportage nach Stuttgart geflogene Journalist zu Wort kommen: „Die Anfrage an sich“, so Marc-Oliver Hendriks, „ist schon wirkungsvoll, weil sie die Künstler nervös macht.“ Und Petra Olschowski, Staatssekretärin im Wissenschafts- und Kunstministerium, ergänzt, dass sie von der Forderung, die Nationalitäten der Künstler offen zu legen, „geschockt“ gewesen sei: Der Ton werde schärfer, das Selbstbewusstsein der AfD steige – und sollte, fügt Olschowski hinzu, die AfD je das einschlägige Ministerium in einem der Bundesländer übernehmen, rechne sie umgehend mit massiven Interventionen durch die Partei, beispielsweise der Schließung ganzer Kulturstätten.

Lesen Sie hier den Artikel der „New York Times“.

Neben Elke aus dem Moore von der Solitude-Akademie hat die „New York Times“ auch den Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim besucht. Brettschneider beschreibt die Strategie der AfD, die Grenzen der Debatte zu verschieben und sich bei Gegenwind als Opfer darzustellen: „Die Partei versucht, Dinge zu tun, von denen sie weiß, dass sie Menschen provozieren. So bringt sie sich ins Gespräch, um sich danach als naiv hinzustellen und zu behaupten, so habe sie es nicht gemeint.“ Nicht zuletzt kommt in dem Beitrag auch der AfD-Abgeordnete Rainer Balzer zu Wort. Er war es, der die Nationalitäten-Anfrage im Landtag gestellt hat – nicht weil er fremdenfeindlich gesonnen sei, sondern weil er den Wunsch verspüre, die Künstler-Ausbildung in Deutschland zu verbessern. Dass ihm diese hehre Absicht auch von der „New York Times“ nicht wirklich geglaubt wird, lässt sich aus dem Artikel über die in Deutschland drohende Kulturpolitik unschwer herauslesen – nicht nur zwischen den Zeilen.