AfD-Demo in Chemnitz Familie kritisiert Instrumentalisierung von getöteter Sophia

Von red/dpa/lby 

Bei der Demonstration der Alternative für Deutschland (AfD) in Chemnitz wurden riesige Bilder von getöteten Menschen durch die Straßen getragen. Einigen Familien stößt das sauer auf.

Teilnehmer der Demonstration trugen riesige Plakate mit Porträts und Namen von getöteten Personen durch die Straßen von Chemnitz (von der Redaktion gepixelt). Foto: Getty Images Europe 17 Bilder
Teilnehmer der Demonstration trugen riesige Plakate mit Porträts und Namen von getöteten Personen durch die Straßen von Chemnitz (von der Redaktion gepixelt). Foto: Getty Images Europe

Chemnitz - Die Familie der ermordeten Sophia L. verwehrt sich dagegen, dass Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz das Foto der Studentin im Großformat durch die Innenstadt trugen. „Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird. Wir stellen uns in ihrem Namen gegen die Instrumentalisierung ihrer Person für Hetze, Rassismus und Hass“, erklärte der Bruder der Getöteten am Dienstag. „Sophia ist kein Opfer von irgendeiner Einwanderungspolitik - nicht nur, weil der Tatverdächtige gar kein in Deutschland lebender Immigrant war.“

Die in Amberg in der Oberpfalz geborene 28-Jährige hatte im Juni von ihrem Studienort Leipzig aus Richtung Nürnberg trampen wollen. Ein Lastwagenfahrer aus Marokko soll sie laut Polizei an einer Tankstelle an der A9 in Sachsen mitgenommen und in Oberfranken umgebracht haben.

„Diese Veranstaltung war kein Ort der aufrichtigen Trauer“

Die AfD hatte für Samstag zu einem „Schweigemarsch“ nach Chemnitz eingeladen, um an die Tötung eines 35-Jährigen Deutschem mit kubanischen Wurzeln zu erinnern. Als tatverdächtig gelten drei Araber. An der Kundgebung nahmen rund 8000 Menschen teil. Auch Vertreter des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses marschierten mit.

In der Erklärung der Familie heißt es dazu: „Diese Veranstaltung war kein Ort der aufrichtigen Trauer um Sophia oder sonst irgendjemanden, sondern ein Ort der Hetze und der Niedertracht.“ Sophia habe sich in jahrelanger politischer Arbeit immer entschieden gegen Ausgrenzung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit eingesetzt. „Dass die Rechtsextremen trotzdem ihr Bild nun im Namen des Hasses herumtragen, zeigt noch einmal mehr, dass sie sich kein bisschen für die gezeigten Personen interessieren“, heißt es weiter. „Es ist eine perverse Verdrehung von Sophias Lebens und all dessen, wofür sie stand: Liebe, Mitgefühl und Menschlichkeit völlig unabhängig vom Kulturkreis, dem Land oder der sozialen Schicht, aus der jemand stammt.“




Unsere Empfehlung für Sie