AfD-Feier in Stuttgart Proteste begleiten die Feier

Von red/dpa/lsw 

Etwa 300 Personen haben am Montagabend in Stuttgart gegen eine AfD-Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit protestiert. Es kam vereinzelt zu Provokationen, die Stadtbahnlinie U2 konnte während der Demonstration nicht fahren.

Bis 300 Demonstranten protestierten gegen die AfD-Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs 8 Bilder
Bis 300 Demonstranten protestierten gegen die AfD-Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs

Stuttgart - Der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell hatte zu einer Festveranstaltung geladen, um den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Auch Bundessprecherin Frauke Petry reiste an. Bereits zwei Stunden vor der für 18 Uhr angesetzten Veranstaltung versammelten sich rund 300 Teilnehmer einer vom Bündnis „Stuttgart gegen Rechts“ organisierten Demonstration auf dem Bad Cannstatter Marktplatz und zogen Richtung Kursaal.

Dort distanzierte sich der AfD-Politiker Pretzell von Pöbeleien gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck bei der Einheitsfeier am Montag in Dresden. Der Tag sei ein Tag der Freude, insbesondere für die AfD. Polemik sei dem Anlass nicht angemessen. Damit reagierte Pretzell auf Äußerungen mehrerer hundert Demonstranten, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses, die Gäste der Einheitsfeier als „Volksverräter“ beschimpft hatten.

Unterdessen kam zehn nach fünf der Demonstrationszug auf dem Gelände des Kursaals an. Mit Trillerpfeifen, Plakaten und Parolen („Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“, „Ganz Stuttgart hasst die AfD“) sorgten sie für Lärm. Die Teilnehmer positionierten sich zunächst direkt entlang der Stadtbahngleise der Linie U2, so dass es zu Verzögerungen kam. Einsatzkräfte der mit mehreren Hundert Mann vertretenen Polizei stellten sich direkt gegenüber auf.

Ein älterer Mann leistet sich einen verbalen Schlagabtausch mit drei jungen Demonstranten. „Ganz arme Leut‘“, sagte er zu ihnen gewandt. „Komm her, wenn Du was willst“, riefen diese zurück, bevor sie den nächsten Sprechchor anstimmen.

Die Demonstranten rückten dann langsam vor und standen danach auf einem schmalen Korridor zwischen Bahngleisen und Polizei. Die Stimmung war angespannt, ein Mann brüllte einen Polizisten an, als die Bahn im Rücken der Demonstranten vorbeigefahren war. Zwischen halb sechs und sechs verschärfte sich die Situation, die Rangeleien wurden heftiger und häufiger. „Ob Pegida oder AfD, stoppt den Rechtsruck in der BRD“ skandierte die Gruppe. „Schnauze!“, rief eine Frau, die vor dem durch mehrere Stahlgitter abgesicherten Einlass steht, und sorgte damit für Gelächter.

Mittlerweile standen berittene Einsatzkräfte auf der Wiese zwischen Eingang und Gleisen, die Polizei verstärkte ihre Präsenz. Unterdessen rückten die Demonstranten langsam weiter Richtung Eingang vor. „Das ist Teil der Deeskalationsstrategie“, erklärte Polizeisprecher Olef Petersen. Der Stuttgarter AfD-Stadtrat Heinrich Fiechtner war unterdessen zum Eingang gekommen und lieferte sich ein Wortgefecht mit einem jungen Mann. „Ihr seid doch die geistigen Brandstifter“, meinte Fiechtner. Gleich mehrere AfD-Sympathisanten nahmen den jungen Mann daraufhin verbal in die Mangel.

Die Polizei forderte per Lautsprecher, keinen Druck auf die Absperrung auszuüben. Um kurz nach sechs gibt es noch einmal ein heftiges Gerangel – nur wenige Schritte vom Einlassbereich entfernt. Dann zog sich die Polizei langsam zurück, ließ die Demonstranten seitlich am Gatter vorbeilaufen. Gegen 18.30 Uhr ist Ruhe eingekehrt. Ein Polizist wird leicht an der Hand verletzt, ein Demonstrant festgenommen, weil er versucht hat, einem Beamten das Pfefferspray zu klauen.

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