AfD gewinnt deutlich Zwischen Jubel und leichter Enttäuschung
Die AfD wird drittstärkste Kraft im Landtag und damit wohl die stärkste Oppositionspartei. Für manche hätte es ein bisschen mehr sein können.
Die AfD wird drittstärkste Kraft im Landtag und damit wohl die stärkste Oppositionspartei. Für manche hätte es ein bisschen mehr sein können.
Für Emil Sänze ist die Sache klar: „Die Menschen im Südwesten wollen eine konservative Regierung“, sagt der Landeschef der Südwest-AfD. Wobei ihm wichtig ist zu betonen: „Die Grünen sehen wir nicht als konservativ an.“ Für eine Regierungszusammenarbeit mit der CDU stünde seine Partei aber zur Verfügung, sagt Sänze.
Dass CDU-Chef Manuel Hagel solch eine Zusammenarbeit stets ausgeschlossen hat, quittiert Sänze mit einem Schulterzucken. Die CDU hat an Prozenten zugelegt, aber einen deutlichen Vorsprung in den Umfragen verspielt. Ob Hagel auch weiter an der Spitze seiner Partei stehe, das müsse die CDU intern klären. Und für den Fall, dass es in diesem Jahr nicht zu einer Regierungsbeteiligung komme, dann halt in fünf Jahren, so der Blick nach vorne.
Ins gleiche Horn stößt Tino Chrupalla. Der Co-Vorsitzende der Bundespartei ist wie seine Kollegin Alice Weidel nach Stuttgart geeilt und diktiert den Journalisten immer wieder das Gleiche in die Blöcke. „Wir sind in Baden-Württemberg Volkspartei. Wenn wir das nächste Mal noch ein wenig drauflegen, dann stellen wir den Ministerpräsidenten. Dem Regierungsangebot, welches der Landesvorsitzende gerade unterbreitet hat, scheint er nicht all zu viel Erfolg beizumessen. Auch in der Opposition werde man guten Gesetzesinitiativen der Regierung zustimmen, sagt Chrupalla, „so wie in anderen Ländern und im Bund auch“.
Den Blick nach vorne richtet auch Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, wenn er seine AfD als Regierungspartner der CDU ins Spiel bringt und in Frage stellt, ob die Grünen dafür taugten, nachdem sie denn mit dem „Rehbraune-Augen-Video“ den Wahlkampf von der sachlichen, auf die persönliche Ebene gehievt hatten. Cem Özdemir erinnert daran, dass es Frohnmaier war, der in der SWR-Sendung mit den drei Spitzenkandidaten die zuvor weitgehend im Netz geführte Diskussion einem breiten Publikum unterbreitet hatte.
Beim Blick zurück hat die Partei ein kleines Wechselbad der Gefühle hinter sich. Bei den letzten Landtagswahlen lagen nicht nur Grüne und CDU, sondern auch SPD und FDP vor der AfD. Die wurden nun ziemlich klar auf die Plätze verwiesen. Die AfD hat ihr Ergebnis von 2021 deutlich in die Höhe geschraubt. Während die Partei im Osten der Republik bei Landtagswahlen oft über 20, gelegentlich auch schon über 30 Prozent der Stimmen bekommen hat, ist das Resultat vom Sonntag nahe am besten Ergebnis, das die im Südwesten als rechtsradikaler Verdachtsfall eingestufte Partei jemals bei einer Landtagswahl im Westen Deutschlands gehabt hat. Bisher lag der Spitzenwert bei 18,4 Prozent in Hessen 2023 – gefolgt von den 15,1 Prozent, die die Partei 2016 bei den Wahlen im Südwesten eingefahren hatte.
Grund zum Jubeln gibt es also genug, wenn da nicht die Umfragen und die Vorgeschichte wären. Als der Wahlkampf im vergangenen Jahr langsam an Fahrt aufgenommen hatte, da sah es phasenweise so aus, als könne die Partei den Sprung auf den zweiten Platz schaffen, noch vor den Grünen. Zu Jahresbeginn, als die letzte Umfrage bereits mehrere Monate alt war und alle Parteien mehr oder weniger im Trüben um Anhänger fischten, da gab es Optimisten, die auch die Chance sahen, vor der Union über die Ziellinie zu kommen. Markus Frohnmaier war einer von ihnen, er selbst hat einmal 25 Prozent als Zielmarke angegeben.
Gemessen daran, fühlt sich das Ergebnis für die Alternative für Deutschland deutlich weniger befriedigend an. „Wir haben den höchsten Zuwachs aller Parteien, ich hätte mir trotzdem noch mehr erhofft“, sagt Fraktionschef Anton Baron. Emil Sänze jubelt mit Einschränkung: „Ich hätte gerne so viele Stimmen gehabt, dass ich einen Untersuchungsausschuss beantragen könnte um die Corona-Maßnahmen zu überprüfen.