AfD-Landeschef Widerspruch ist ungesund
Markus Frohnmaier hat die Südwest-AfD im Griff. Ministerpräsident kann er kaum werden, aber den anderen Parteien viele Stimmen nehmen, kommentiert Christian Gottschalk.
Markus Frohnmaier hat die Südwest-AfD im Griff. Ministerpräsident kann er kaum werden, aber den anderen Parteien viele Stimmen nehmen, kommentiert Christian Gottschalk.
Wenn Markus Frohnmaier die Gründe dafür erklärt, warum er sich um das Ministerpräsidentenamt im Südwesten bemüht, dann sagt der Co-Landeschef im Südwesten gerne, dass er „all in“ gehe. Der Begriff aus dem Poker ist, mit Verlaub gesagt, in diesem Fall völliger Blödsinn. Frohnmaier geht gerade nicht volles Risiko, gibt nicht sein Bundestagsmandat auf, behält die bequeme Rückfahrkarte. Übel nimmt ihm das in der Partei niemand, zumindest nicht offiziell. So wie es kaum jemand öffentlich moniert, dass der Kandidat keine Berufserfahrung hat. Laut AfD-Statuten sollte das gar nicht möglich sein.
Diese Schweigsamkeit hat zwei Gründe. Zusammen mit Bundeschefin Alice Weidel hat Frohnmaier eine Machtposition aufgebaut, die es ungesund erscheinen lässt, offen Widerspruch zu zeigen. Zum anderen hat der Landeschef die Chance, der AfD ein Spitzenergebnis zu bescheren. Zwar nicht genug um Regierungschef zu werden, aber gut genug, um all den von der AfD als etabliert titulierten Parteien gehörig Schaden zuzufügen.
Dabei hat die AfD auf dem Weg zum Establishment selbst einen weiteren Schritt getan. Auf dem gut choreografierten Parteitag gab es auf den ersten Listenplätzen keine Kampfkandidatur, fast alle Vorschläge kamen durch, wenn auch mit 25 Prozent Gegenstimmen wie bei Emil Sänze. Dass die AfD als einzige der einflussreichen Parteien vom Verfassungsschutz beobachtet wird, bleibt jedoch ein Alleinstellungsmerkmal.