AfD Patriotismus sieht anders aus
Schwärmerei für Trump und Putin, Zweifel am Wehrdienst – wie patriotisch ist die AfD? Sie betreibt damit Etikettenschwindel, meint unser Autor Armin Käfer.
Schwärmerei für Trump und Putin, Zweifel am Wehrdienst – wie patriotisch ist die AfD? Sie betreibt damit Etikettenschwindel, meint unser Autor Armin Käfer.
Eine Frage zur Geschichte: Wer hat Deutschland am meisten geschadet? Es waren jene, die am lautesten über Deutschland herumgeplärrt hatten – und am Ende nur Leichenberge und Trümmerlandschaften hinterließen. Acht Männer, die das nicht begriffen haben, sitzen seit diesem Freitag in Dresden vor Gericht. Laut Anklageschrift wollten sie in Sachsen ein nationalsozialistisches Regime installieren. Dabei gibt es nichts, was Deutschland (und Sachsen) so sehr beschämt wie seine nationalsozialistische Vergangenheit.
Damit wären wir bei der AfD. Deren Ehrenvorsitzender Alexander Gauland hält eben jenes Kapitel der Vergangenheit bekanntlich für einen „Vogelschiss“. Das macht seine Gefolgsleute noch nicht zu Neonazis wie die Angeklagten in Dresden. Aber eine gewisse Nähe gibt es offenkundig schon. Der Truppe, der jetzt der Prozess gemacht wird, sollen auch drei AfD-Mitglieder angehört haben. Die Partei distanziert sich von ihnen. Doch der Fall weckt wieder einmal Zweifel am Wesenskern des Patriotismus, den die angebliche Alternative für Deutschland gerne für sich reklamiert.
Dafür gibt es noch prominentere Beispiele: Wie patriotisch ist eigentlich die in AfD-Kreisen weit verbreitete Verehrung für Donald Trump und dessen Hilfssheriff JD Vance? Weit weniger einig als in der Begeisterung für diese beiden ist sich die vermeintliche Speerspitze des Patriotismus in der Frage, ob und wie Trumps Machtgehabe und sein Imperialismus in die Schranken zu weisen sind. Während der Parteivorsitzende Tino Chrupalla mannhaft bekundet, man müsse Trump auch mal widersprechen, meint der baden-württembergische Spitzenkandidat Markus Frohnmaier kleinlaut, eine konfrontative Politik etwa mit Hilfe von Gegenzöllen sei „real nicht leistbar“.
Trumps erratische Zollpolitik, die handfesten Zweifel an seiner Bündnistreue und die Anfälligkeit für Putins Hinhaltetaktik im Ringen um ein Ende des Ukrainekriegs schaden ganz offensichtlich Deutschlands Interessen. Widerworte der AfD waren da bisher nicht zu vernehmen. Was die Liebedienerei gegenüber dem Kremlherrscher angeht, so ist Chrupalla ohnehin nicht zu übertreffen. Seine Anbiederungsversuche sind gewiss kein Musterbeispiel für Patriotismus. Solche Advokaten russischer Interessen hießen zu Sowjetzeiten noch „nützliche Idioten“.
Leute aus dieser Partei gebärden sich gelegentlich wie Trolle fremder Mächte. Dazu passt auch die China-Begeisterung des AfD-Abgeordneten Maximilian Krah, dessen ehemaliger Mitarbeiter unlängst wegen Spionage für Peking verurteilt worden ist.
Und was ist eigentlich patriotisch daran, die Wehrpflicht abzulehnen? AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der ein notorisches Faible für SA-Sprüche hegt, ist jedenfalls der Ansicht, Deutschland sei es nicht wert, verteidigt zu werden. Er schikaniert deshalb seinen Parteifreund Rüdiger Lucassen, der 34 Jahre in der Bundeswehr gedient hat. Höckes übersteigerter Nationalstolz gipfelt in einer heroischen Spielart der Wehrdienstverweigerung – so wird Patriotismus vollends pervertiert. Etikettenschwindel wäre noch ein zu harmloser Begriff dafür.
Die AfD-Propaganda zeichnet sich ohnehin dadurch aus, dass ihr als Grundmelodie der Versuch unterliegt, Deutschland in allem schlecht zu reden. Wer im Umgang mit aktuellen Herausforderungen derart irrlichtert, sich zu keiner klaren Haltung in Sachen Landesverteidigung durchringen kann, gelegentlich gar den Verdacht des Vaterlandsverrats aufkeimen lässt – taugt eine derart unpatriotische Partei tatsächlich als Alternative für Deutschland?