InterviewAfD-Politikerin Alice Weidel „Wir wollen drittstärkste Kraft werden“

Von Willi Reiners 

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel spricht über die Chancen ihrer Partei bei der Bundestagswahl und die Rolle von Frauke Petry.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel rechnet für ihre Partei mit einem zweistelligen Ergebnis bei der Bundestagswahl. Foto: Getty Images Europe
AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel rechnet für ihre Partei mit einem zweistelligen Ergebnis bei der Bundestagswahl. Foto: Getty Images Europe

Stuttgart - Von einem innerparteilichen Führungskampf in der AfD will Spitzenkandidatin Alice Weidel nichts wissen – sie arbeite gut und vertrauensvoll mit Alexander Gauland, Frauke Petry und Jörg Meuthen zusammen.

Frau Weidel, AfD-Chefin Frauke Petry könnte in wenigen Tagen wegen Meineids oder fahrlässiger Falschaussage angeklagt werden. Wird sie zu einer Belastung für die Partei?
Zunächst einmal gilt die Unschuldsvermutung. Man muss abwarten, wie sich dieser Fall entwickelt. Erst wenn ein Urteil vorliegt, kann man ihn beurteilen.
Fürchten Sie Stimmenverluste für den Fall, dass es zu einer Anklage kommt?
Das ist vollkommen hypothetisch, mögliche Stimmenverluste kann man nicht messen. Ich glaube wie gesagt an die Unschuldsvermutung.
Könnte es sein, dass mancher in der AfD sich klammheimlich freut? Spätestens bei einer Verurteilung müsste Frauke Petry abtreten – der innerparteiliche Führungskampf zwischen ihr und Jörg Meuthen wäre entschieden.
Von einem Machtkampf kann keine Rede sein. Das ist eine verzerrende Mediengeschichte. Ich persönlich arbeite sehr gut mit Herrn Gauland, Herrn Meuthen und Frauke Petry zusammen.
Wie schätzen Sie die Wahlaussichten der AfD ein? Die Umfragewerte waren schon mal besser.
Die Chance, dass wir drittstärkste Kraft werden, ist weiter gegeben. Das war und ist unser Ziel und Anspruch, um eine kraftvolle Politik im Bundestag machen zu können. Die Umfragewerte sind mit Vorsicht zu genießen. Zudem kann bis zu den Wahlen noch einiges passieren. Ich sehe uns ganz klar mit einem zweistelligen Ergebnis im Bundestag.
Binnen weniger Monate sind die Umfragewerte der AfD auf unter zehn Prozent gesunken? Wie erklären Sie sich das? Haben Sie ihr einziges Thema verloren, nun, da die Flüchtlingskrise nicht mehr so stark im Fokus der Öffentlichkeit steht?
Die Flüchtlingskrise steht sehr wohl weiter im Fokus der Öffentlichkeit, weil wir mit den Folgewirkungen zu kämpfen haben. Schauen sie sich nur die Polizeiliche Kriminalstatistik an, die in Sachen Flüchtlingskriminalität eine sehr deutliche Sprache spricht. Das sind die Folgewirkungen einer absolut ungesteuerten Zuwanderungspolitik, die Menschen ohne Ausweispapiere ins Land lässt und die nicht einmal zwischen Einwanderung und Asyl differenziert.
Aber auch die anderen Parteien haben das Thema längst entdeckt. Union und SPD haben bereits Gesetze verschärft. Landesinnenminister Thomas Strobl von der CDU fährt eine harte Linie bei Abschiebungen. Hat die AfD nicht längst ihr Alleinstellungsmerkmal verloren?
Davon kann keine Rede sein. Herr Strobl ist für mich komplett unglaubwürdig, weil er eine Partei vertritt, welche die geschilderten Zustände, gegen die er nun ankämpft, selbst kreiert hat. Da sage ich ganz klar: Eine schlechte Kopie unseres Programms kann niemals die Lösung des Problems sein. Da muss eine frische liberal-konservative Kraft her, und das ist die AfD.
Wie sehr haben ihnen die völkisch-nationalen Ausfälle des thüringischen AfD-Fraktionschefs Björn Höcke geschadet?
Das kann man so einfach nicht messen. Die AfD muss mit ihrem Wahlprogramm und mit ihren Bewerbern für den Bundestag überzeugen. Ich glaube, das wird uns gelingen.
Sie haben im AfD-Bundesvorstand für einen Ausschluss Höckes gestimmt. Gesetzt den Fall, die Parteigerichte entsprechen dem nicht – verlassen Sie dann die Partei?
Es gibt in der Tat ein schwebendes Verfahren. Die Schiedsgerichte müssen entscheiden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.
Was wird das für eine AfD sein, die sich da aller Voraussicht nach im nächsten Bundestag präsentieren wird? Aus den 13 Landesparlamenten, in denen die AfD inzwischen vertreten ist, gibt es Beispiele von fleißiger Sacharbeit bis hin zum bloßen Krawallmachertum.
Ich erwarte dort eine sehr gute Zusammenarbeit. Alexander Gauland und ich kennen uns sehr gut, die Arbeitsteilung funktioniert bestens. Mit den Bundestagsbewerbern aus Baden-Württemberg gab es bereits viele Gespräche, um die künftige Arbeitsweise in der Landesgruppe vorzubereiten. Es ist alles eine Frage der Organisation und Disziplin. Das stimmt mich zuversichtlich.
Die AfD setzt auf die langjährige CDU-Politikerin Erika Steinbach als Zugpferd im Wahlkampf. Was versprechen Sie sich davon?
Frau Steinbach ist eine erfahrene Politikerin, die über Jahrzehnte zu den prägenden Figuren der Union gehörte. Dann ist sie aus voller Überzeugung aus der CDU ausgetreten, aufgrund der Rechtsbrüche der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden in der Euro-Rettungspolitik und in der Flüchtlingspolitik. Es ist uns sehr willkommen, dass sie nun eine Wahlempfehlung für die AfD ausspricht. Denn auch wir prangern diese Rechtsbrüche an. Wir wollen eine Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit – innerhalb Deutschlands und innerhalb der EU.
Herr Gauland wird gemeinsam mit der baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum im Wahlkampf auftreten, die dem Höcke-Flügel zuzurechnen ist. Treten Sie auch bei Frau Baum im Wahlkreis Main-Tauber auf?
Herr Gauland und ich teilen uns den Wahlkampf auf, alles andere wäre nicht effizient. Es gibt nur einen gemeinsamen Auftritt, das ist zusammen mit Erika Steinbach.



Unsere Empfehlung für Sie