AfD startet Wahlkampf Mit dem Camper in die Villa Reizenstein

Markus Frohnmaier möchte Ministerpräsident werden. Foto: Markus Lenhardt/dpa

AfD-Chef Markus Frohnmaier hat sich im Sommer rar gemacht. Jetzt steigt die Partei in den Landtagswahlkampf ein. Im Südwesten und in den USA.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Manchmal gelingt es ja, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Markus Frohnmaier scheint das in diesem Sommer geschafft zu haben, zumindest auf den ersten Blick.

 

Der Mann, der mit Emil Sänze (Sulz) die AfD im Südwesten führt, und der von seiner Partei zum Ministerpräsidentenkandidat für die Wahl im März ausgerufen worden ist, war mit dem Camper unterwegs. In Österreich und in Italien. Probeweise mit genau dem Camper, der Frohnmaier auch bis März immer wieder übergangsweise ein zu Hause bieten soll. Er habe vor, alle 70 Wahlkreise in diesem Gefährt zu besuchen, sagt er. Auch wenn das für ihn gar nicht immer so angenehm sei. „Privat würde ich mir so etwas nicht zulegen, der Rücken“.

Rede-Duell mit Boris Palmer in Tübingen

Während Frohnmaiers Landtagswahl-Konkurrenz den Sommer größtenteils dazu genutzt hat, mit oder ohne Schuhe durchs Land zu wandern, hat sich der AfD-Kandidat mit öffentlichen Auftritten eher zurückgehalten. Die Arbeit an der Kampagne habe die ganze Aufmerksamkeit beansprucht, sagt Frohnmaier. Anders als bei anderen Parteien fehlten seiner Partei große Teams und Stäbe mit Mitarbeitern.

Zu früh wolle die AfD mit dem Wahlkampf auch nicht starten, doch am 5. September soll es losgehen. Am Freitag der kommenden Woche steht in Tübingen eine Diskussion mit dem dortigen Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) an. Die „Bild“ hat die beiden Kontrahenten in Gladiatorenkostümen in der Arena gezeigt, viele hundert Zuschauer werden erwartet. Er sei über das öffentliche Interesse schon überrascht gewesen, sagt Frohnmaier – überrascht und erfreut: „So viel Werbung hätten wir nie machen können, wie uns dieses Format gebracht hat“.

Mit Alice Weidel hat Frohnmaier ein gutes Verhältnis. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

In Tübingen wird Frohnmaier als jemand auf der Bühne stehen, der vom Verfassungsschutz besonders beäugt wird. Im Gutachten des Bundesamtes, das die AfD als gesichert rechtsextrem bezeichnet, wird der Landesvorsitzende mehrere Dutzend Mal zitiert, um die Einschätzung des Amtes zu belegen. Die Partei geht dagegen gerichtlich vor. Das Amt hat sich dazu verpflichtet, die Einschätzung bis zu einem Urteil nicht zu wiederholen. Bis dahin bleibt die Einstufung als Verdachtsfall bestehen.

Keine andere Partei will mit der AfD zusammen arbeiten

Das scheint der AfD nicht zu schaden: Bei den aktuellen Umfragen liegt die Partei im Bund auf Augenhöhe mit der CDU und im Südwesten bei rund 19 Prozent. Dass der 34-Jährige damit zum Ministerpräsidenten gekürt werden könnte, ist praktisch ausgeschlossen. Jede andere im Landtag vertretene Partei verweigert ausdrücklich eine Koalition mit der AfD. Dass der Landeschef nach dem 8. März auf der Oppositionsbank in Stuttgart Platz nimmt, ist ebenfalls undenkbar: Frohnmaier bewirbt sich nicht um ein Landtagsmandat. Den in diesem Zusammenhang immer wieder erhobenen Vorwurf, er halte sich ein Hintertürchen offen und gehe in Baden-Württemberg nicht „all in“, lächelt Frohnmaier regelmäßig einfach weg – und lenkt das Gespräch zu Themen, die ihm leichter über die Lippen gehen. Fakt ist damit: Sollte er nicht der Nachfolger von Winfried Kretschmann (Grüne) werden, will er zurück in den Bundestag.

Das Kreistagsmandat in seinem Wahlkreis Böblingen hat Frohnmaier jüngst zurückgegeben. Seine politische Heimat ist Berlin, wo er Vize-Fraktionsvorsitzender und außenpolitischer Sprecher seiner Partei ist. Vielleicht ist dies ja auch der Grund dafür, dass im Dezember zwischen Besuchen bei den Kreisverbänden in Lahr und Heidenheim auch ein Auftritt in New York auf dem Programm steht.

Dort soll Frohnmaier einen Preis entgegennehmen, den die AfD vom örtlichen Club der jungen Republikaner verliehen bekommt. Laut Einladungsschreiben „für die mutige Arbeit, geleistet in einem besonders repressiven und feindseligen Umfeld in Deutschland“. Zu den Gästen zählen Europaabgeordnete aus Italien, Ungarn und Österreich, Nigel Farage aus Großbritannien sowie Donald Trump Junior. „Auch der Präsident steht auf der Gästeliste“, sagt Frohnmaier. Was er nicht sagt, ist, dass der US-Präsident nach jetziger Planung nur virtuell zugeschaltet werden soll.

Preis von der Partei des US-Präsidenten

Bei dieser und mutmaßlich einer weiteren Reise in die Staaten will Frohnmaier den Bogen schlagen und dort auch über Zölle sprechen. Rund ein Viertel der deutschen Exporte in die USA stammen aus Baden-Württemberg, die Wirtschaft im Land ist das Megathema, das sich die Partei im Wahlkampf ganz oben auf die Agenda geschrieben hat. Für den Wirtschaftsstandort hält die AfD Verbrenner-Autos für wichtiger als Windräder.

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