AfD-Teilnahme an Didacta in Stuttgart Protest gegen die AfD hat Konsequenzen für die Didacta 2026

An jedem Messetag hat es Protest gegen die AfD-Präsenz auf der Didacta gegeben. Foto: Ferdinando Iannone/Lichtgut

Viel Protest hat sich in den vergangenen Tagen gegen die AfD-Teilnahme an der Didacta formiert. Die Veranstalter nehmen Stellung und ziehen Konsequenzen.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Das Thema Demokratie stand in diesem Jahr im Zentrum der Didacta. Und das nicht nur, weil sie überschrieben war mit dem Motto „Demokratie braucht Bildung – Bildung braucht Demokratie“. Sondern auch, weil die überraschende Teilnahme der AfD in eine Diskussion führte, wem die Bildungsmesse eine Plattform bieten darf und wem nicht. Die Messeveranstalter waren schnell mit ihrer Stellungnahme und erklärten noch vor dem offiziellen Beginn der Didacta, dass „politische Institutionen – und damit auch Parteien – seit Jahren ausstellungsberechtigt“ seien. Diesmal habe man erstmals entsprechende Anfragen erhalten.

 

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Teilnahme der in Teilen als rechtsextrem eingestuften Partei, wurden Protest und Boykottaufrufe laut. Eine der schärfsten Kritikerinnen war Marina Weisband, die diesjährige Bildungsbotschafterin der Messe. Für ihr Schuldemokratieprojekt „Aula“ sollte sie am Mittwoch mit dem Didacta-Preis ausgezeichnet werden. Doch es kam anders. Marina Weisband nahm die Laudatio zur Kenntnis, lehnte den mit 3000 Euro dotierten Preis aber ab. Ihre Entscheidung begründet sie mit dem AfD-Stand auf der Bildungsmesse. „Die Didacta hat sich unfreiwillig zum Brennglas für die Frage gemacht, ob demokratiefeindliche Akteure einen Platz haben auf einer Fachmesse mit dem Motto Demokratiebildung. Und ich kann nicht anders, als hier fest auf einer Seite zu stehen: Nein, haben sie nicht.“

Der Didacta-Verband erklärt dazu in einer schriftlichen Stellungnahme: „Wir akzeptieren die Entscheidung von Frau Weisband, die Auszeichnung aus persönlichen Gründen abzulehnen.“ Gleichzeitig schätze man ihr langjähriges Engagement im Bildungsbereich. Deshalb habe sich der Verband entschieden, das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro an Marina Weisbands Projekt „Aula“ zu spenden. „Unser Anliegen als Verband bleibt es, Bildungsinitiativen nachhaltig zu fördern und wertvolle Projekte wie dieses zu stärken“, heißt es in der Stellungnahme.

Tägliche Protestaktionen auf der Didacta

Auch die Bundesschülerkonferenz und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie weitere Vereine und Initiativen wollten die AfD-Präsenz auf der Didacta nicht unwidersprochen lassen. Sie reagierten mit Protesten und versammelten sich jeden Mittag mit Plakaten und Protestgesängen vor dem Stand des Landesverbands der Alternative für Deutschland. Man habe ein „klares Zeichen gegen antidemokratische und menschenfeindliche Kräfte“ setzen wollen, heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter steht dort: „Die große Beteiligung hat gezeigt: Wir sind viele, wir sind laut und wir stehen zusammen gegen Hass und Hetze.“

Wie eine Mauer formieren sich die Protestierenden vor dem AfD-Stand, um diesen zumindest teilweise zu verdecken. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Die Messe Stuttgart habe diese Proteste stets fest im Blick gehabt, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Denn grundsätzlich seien auf Messen Versammlungen dieser Art gemäß Hausordnung nicht gestattet. „Wir respektieren jedoch das Recht auf Meinungsäußerung und lassen – auch aufgrund der Aktualität der Thematik – die friedlichen Kundgebungen in diesem besonderen Falle zu“, schreibt die Messe Stuttgart. Oberste Priorität habe und Voraussetzung dafür sei jedoch, dass „zu absolut jeder Zeit die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet ist“. Dazu stehe man im guten und engen Austausch mit der protestierenden Gruppe sowie den entsprechenden Ordnungsdiensten auf dem Gelände.

Abschlusskundgebung am Samstag

Am Samstag, 15. Februar, ruft das Bündnis aus Bundesschülerkonferenz, GEW, Greenpeace, Amnesty International, Konzeptwerk, Teachers for Future und Bildungswende Jetzt! zu einer großen Abschlussaktion auf. Statt vor dem AfD-Stand in Halle 7 sollen im Atrium, direkt am Osteingang, die Stimmen noch hörbarer werden. Beginn ist um 11 Uhr.

Die Didacta dauert noch bis Samstagabend. Die Messe Stuttgart will die Veranstaltung im Anschluss „wie üblich mit dem ideellen Träger, dem Didacta-Verband, umfassend auswerten“. Die Messe Stuttgart hat ohnehin etwas Zeit, denn im kommenden Jahr findet die Bildungsmesse in Köln statt. Derweil hat der Didacta-Verband bereits Konsequenzen gezogen und zusammen mit der Messegesellschaft Köln eine Anpassung der Zulassungsbedingungen erarbeitet. Demnach sind 2026 keine politischen Parteien als Aussteller zugelassen.

Weitere Themen