Affenhaus in der Stuttgarter Wilhelma Die Architekten sind sauer

Die letzten Arbeiten an dem vor zwei Jahren eröffneten Affenhaus werden erst im Sommer 2017 abgeschlossen sein. Foto: dpa
Die letzten Arbeiten an dem vor zwei Jahren eröffneten Affenhaus werden erst im Sommer 2017 abgeschlossen sein. Foto: dpa

Die Ausbesserungen am Menschenaffenhaus in Stuttgart dauern voraussichtlich bis 2017. Während der Zoo einen Zeitplan vorlegt, sieht sich das Architekturbüro Hascher Jehle zu Unrecht in die Rolle des Sündenbocks gedrängt.

Leben: Erik Raidt (era)
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Stuttgart - In der Wilhelma läuft die Suche nach dem Fehlerteufel. Der muss sich seit dem Beginn der Bauarbeiten in das neue Menschenaffenhaus eingeschlichen haben – und er scheint nur mit hohem Aufwand wieder vertrieben werden zu können.

Der Stuttgarter Zoo hat nun erstmals konkretisiert, wie lange allein die Arbeiten an den stellenweise kaputten Bodenbelägen und abgeplatzten Betonelementen voraussichtlich dauern werden: Die letzten Arbeiten an dem vor zwei Jahren eröffneten Bau werden erst im Sommer 2017 abgeschlossen sein. Der Wilhelmachef Thomas Kölpin spricht von „grundlegenden Dingen“, wenn er über die notwendigen Sanierungen und Ausbesserungen in der Anlage redet.

Bei einem Punkt der anstehenden Ausbesserungen zeigt sich, wie belastet das Verhältnis zwischen dem Zoo und den Architekten des Affenhauses ist: Die Wilhelma plant, im Außengehege der Bonobos ein Schattensegel zu errichten. Bonobos sind Waldbewohner, wenn es ihnen zu heiß wird, meiden sie in Stuttgart das Außengehege, weil ihnen der Schutz der Blätter fehlt. Juristisch gesehen steht bei solchen Umbauarbeiten das Urheberrecht des Architekturbüros Hascher Jehle gegen das Nutzungsrecht des Zoos. Wilhelma-Chef Kölpin verweist in diesem Punkt auf die Rechtsabteilung des für den Zoo zuständigen Finanzministeriums. Das Verhältnis zu den Architekten sei schließlich „nicht sonderlich gut“.

Über das Schattensegel wird gestritten

Angesprochen auf die geplanten baulichen Eingriffe im Außengehege der Bonobos äußert sich der Architekt Sebastian Jehle wie folgt: „Wir wissen nichts von einem Verschattungssegel. Wie kann ich damit einverstanden sein, wenn wir noch nicht mal informiert werden?“

Das Architekturbüro fühlt sich von der Wilhelma in die Rolle des Sündenbocks gedrängt, seit die gravierenden Mängel am Bau bekannt geworden sind (die StZ berichtete exklusiv). Im Affenhaus waren zwei Bonobos an einer Lungenentzündung gestorben. Die empfindlichen Tiere hatten sich erkältet, weil es technische Defekte an den Lüftungsklappen gab. Neben den kaputten Bodenbelägen ärgerte sich der Zoo über defekte Kameras in den Anlagen.




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