Affenhaus in der Wilhelma Der Architekt

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Sebastian Jehle glaubt nach wie vor an sein Projekt. Anfang 2007 setzte sich das Büro Hascher & Jehle gegen fast zwei Dutzend Konkurrenten im Wettbewerb um die neue Menschenaffenanlage der Wilhelma durch. Von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass eine hochanspruchsvolle Aufgabe auf ihn warte, so Jehle. Das Gebäude musste S-förmig rund um den historischen Baumbestand des Zoos angelegt werden, im Inneren mussten Fußboden- und Wandheizungen für die Affen eingerichtet werden. Das Raumklima sollte auf die Bedürfnisse der Tiere, d er Pflanzen und der Besucher abgestimmt werden.

Doch jenseits der bekannten Herausforderungen wurden Jehle und sein Team im Laufe der Bauzeit immer wieder mit unliebsamen Überraschungen konfrontiert. Sebastian Jehle deutet auf die Stützpfeiler im Inneren des Menschenaffenhauses – sein Plan sah vor, Teile der Stützen in die Außenfassade zu integrieren. Die ursprüngliche Baugenehmigung für das Affenhaus forderte, dass die Fassade im Fall eines Feuers den Flammen mindestens 30 Minuten standhalten müsse. Doch bevor die Architekten ihre Pläne verwirklichen konnten, verschärfte die Behörde ihre Auflagen: Die Fassade müsse im Brandfall 90 Minuten Feuer überstehen.

Infolgedessen mussten Hascher & Jehle die Stützen neu berechnen und an einer anderen Stelle im Haus einplanen. Das kostete Zeit, Nerven und Geld. Ähnliche Probleme ergaben sich beim Bau der Außenanlage für die Bonobos. Die Kletterkünstler können sich künftig durch eine Anlage hangeln, deren Netzkonstruktion entfernt an das alte Münchner Olympiadach erinnert. An die Stützpfeiler der Anlage denkt Sebastian Jehle ungern. Sie waren bereits wie von seinem Büro geplant abgesegnet, als die EU neue Richtlinien erließ, weil in Osteuropa minderwertiges Material verbaut worden war. Plötzlich hieß es, die Pfeiler seien nicht mehr genehmigungsfähig.

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