Afghanischer Lehrling im Hotel Basir kommt als Azubi bestens an

Der Hotelfchef Michael Leibinger (links) hält große Stücke auf seinen Lehrling Basir Sediqi. Foto: Andreas Brücken

In Bayern war er unerwünscht: der afghanische Flüchtling Basir Sediqi ist Auszubildender in einem Hotel in Blaustein und könnte nicht besser ins Team passen.

Blaustein - An der Kaffeemaschine ist Basir Sediqi der Chef. Im Akkord die Thermoskannen füllen, Bohnen nachschütten, mit dem Lappen den einen oder anderen Tropfen wegputzen – der junge Afghane in Schürze und Karohemd erledigt mit flinker Hand alle Jobs. „Hut ab, der macht das 500prozentig“, lobt ihn seine Kollegin. „Das ist ein Netter“, schwärmt eine andere über den 25-jährigen angehenden Hotelfachmann. „Ich arbeite hier sehr gerne“, sagt Basir Sediqi über seine Lehrstelle im Hotel Klingenstein in Blaustein bei Ulm. Doch wäre es nach den bayerischen Asylbehörden gegangen, würde der Azubi an diesem Montagnachmittag nicht die Kaffeetafel für eine schwäbische Beerdigungsgesellschaft vorbereiten, sondern säße arbeitslos in Kabul. Denn in Bayern war der Flüchtling unerwünscht.

 

Dabei ist Basir Sediqi einer, bei dem es kaum besser laufen könnte mit der Integration: Er hat den Hauptschulabschluss mit der Note 1,4 gemacht, mag Kässpätzle, war Übungsleiter beim Sportverein Thalfingen und hat Spaß am Bowling auf der Betriebsfeier. „Früher war es schlimm, als ich nicht arbeiten durfte“, erzählt der Afghane, der vor drei Jahren über die Balkanroute nach Deutschland gekommen war.

Die Langeweile kombiniert mit der ständigen Angst vor Abschiebung waren das Schlimmste

Das Nichtstun, die Langeweile kombiniert mit der ständigen Angst, von Polizeibeamten eines Nachts abgeholt zu werden, haben ihm in seiner Asylunterkunft im bayrischen Elchingen oft den Schlaf geraubt. Um ein Haar wäre er im vergangenen Juli in einem Seehoferschen Abschiebeflieger gelandet. Nur weil er bei einem Freund übernachtet hatte, war er nicht unter den 69 abgelehnten Asylbewerbern, die von München aus nach Afghanistan gebracht worden waren. Innenminister Horst Seehofer feierte einen Tag später seinen 69. Geburtstag und witzelte damals über die Zahlengleicheit.

Für Basir Sediqis Verbleib in Deutschland haben sich viele stark gemacht. Flüchtlingshelfer und Freunde, Lehrer, Journalisten und Beate Merk (CSU), einst Justizministerin in Bayern und in Neu-Ulm Oberbürgermeisterin. Sie war es auch, die ihm schließlich persönlich die frohe Botschaft überbrachte, dass ihr Drängen beim bayrischen Innenministerium Gehör gefunden habe. Basir Sediqi durfte bleiben. Er durfte über die Donau nach Baden-Württemberg umziehen, wo seine Lehrstelle auf ihn wartete und ihm die sogenannte 3-plus-2-Regel Sicherheit bietet. Sie besagt, dass Asylbewerber während der drei Lehrjahre und zwei anschließenden Arbeitsjahren nicht abgeschoben werden dürfen. „Ich konnte es erst glauben, als ich es schriftlich hatte“, freute sich Basir Sediqi und fing vergangenen Oktober im Hotel an.

Basir Sediqi ist pünktlich, kann gut Deutsch und geht blockweise in die Berufsschule

Vom Service hat er eben erst in die Küche gewechselt. Er ist pünktlich, sagen alle, verbessert sein schon ziemlich ausgereiftes Deutsch mit Nachhilfestunden und geht blockweise in die Berufsschule. Der Hotelchef Michael Leibinger würde ihn nicht mehr hergeben. „Es klappt prima mit ihm, ein liebenswerter Mensch.“ Selbstverständlich würde er ihn nach der Ausbildung übernehmen, stellt Leibinger in Aussicht. „Er hat alle Chancen der Welt“, er wird sich seine Stelle aussuchen können, ist sich der Hotelchef sicher.

Wehmütig wird der junge Afghane, wenn er von seiner Familie erzählt, die wegen Gebietsstreitigkeiten von Afghanistan nach Pakistan umsiedeln musste. Per Handy halten sie Kontakt, von seinen 800 Euro Lehrlingsgehalt überweist Sediqi den einen oder anderen Betrag an die Eltern und die Geschwister. „Ich will in Deutschland leben“, sagt der Afghane in aller Entschiedenheit und zeigt stolz seine Ausbildungsduldung. Englisch wolle er lernen, auch das Fachvokabular in der Gastronomie müsse er noch verbessern. Und dann kämpfe er noch mit seinem Berichtsheft für die Berufsschule, erzählt er. Weil sein Laptop den Geist aufgegeben hat, tippt er alles auf dem Handy in die Vorlagen, mühsam, aber machbar. „Das geht schon“, sagt der Azubi, das sei eines seiner kleinsten Probleme.

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